Die  Vorstufe.  687

der  Eltern  und  Lehrer  von  ihm  eine  Vorstellung  machen,  ebenso  von  ihm  zur  Zeit  seines
Regierungsantrittes.  Friedrich  IH.  und  vor  allem  Wilhelm  I.  mit  seinen  großen  Dienern
sind  ihnen  durch  Erzählungen  von  Eltern  und  Großeltern  und  bei  mannigfachen  Anlässen
Gegenstand  lebhaften  Interesses  geworden.  Auf  beide  kann  in  rückschreitendem  Gange
zurückgegriffen  und  die  Zeitabstände  versinnbildlicht  werden.  So  an  einzelnen  Tatsachen,
z.  B.,  daß  es  in  jüngeren  Jahren  Kaiser  Wilhelms  I.  noch  keine  Eisenbahnen  gab,  wie  er
erst  König  von  Preußen  und  dann  Kaiser  wurde.  Zugleich  ist  ihnen  in  der  Heimatkunde
das  Bild  der  Stadt  klar  geworden.  Da  kann  gleichzeitig  darauf  hingewiesen  werden,  wie
sie  früher  zur  Zeit  des  alten  Kaisers  viel  kleiner  war,  wie  noch  der  jetzt  vielleicht  zu  Spazierwegen
  umgewandelte  Wall  die  ganze  Stadt  umschloß.  Weiter  als  auf  die  Anfänge  Wilhelms  I.
zurückzugreifen,  hat  keinen  Sinn,  da  bei  sorgsamer  Behandlung  dieser  Zeit  die  Anschauung
zeitlicher  Abstände  erzielt  werden  kann.  Außerdem  liegt  alles,  was  jenseits  Wilhelms  I.  liegt,
dem  Interesse  des  Knaben  gleicherweise  fern,  auch  Friedrich  Wilhelm  III.  und  IV.  Sie
müssen  ihm  erst  in  besonderer  Erzählung  nahe  gebracht  werden.  Da  ist  es  Zeit,  den  rückschreitenden
  Gang,  der  nur  ein  Mittel  zum  Zweck  war,  aufzugeben  und  nach  überleitenden
Bemerkungen  und  Besprechungen  die  vorwärtsschreitende  Erzählung  mit  der  Persönlichkeit
zu  beginnen,  die  am  Anfang  der  Lebensbilderreihe  stehen  soll.

Eine  treffliche  Ergänzung  bietet  im  Religionsunterricht  die  biblische  Geschichte  auf
Sexta  des  Alten,  auf  Quinta  des  Neuen  Testamentes.  Hier  tut  sich  eine  reiche  Fundgrube
historischer  Begriffe  auf.  Die  Entwickelung  der  Familie  zum  Volke  mit  seinen  Stämmen,  die
erst  ein  Sonderleben  führen,  und  deren  Zusammenfügung  zu  einem  Reiche  unter  orientalischer
Königsgewalt,  das  Schicksal  dieses  Gemeinwesens  im  Zusammentreffen  der  .großen  Weltmächte,
  dann  der  Übergang  vom  Nomadentum  zum  seßhaften,  Ackerbau  treibenden  Wesen
mit  festen  Städten,  das  alles  tritt  mit  einer  wirklich  einzig  dastehenden  Deutlichkeit  vor
das  Auge  des  Schülers.  Hier  bedarf  es  kaum  der  Nachhilfe  des  Lehrers.

Der  fremdsprachliche  Unterricht,  besonders  der  französische  auf  Real-  und  Reformanstalten,
  ist  auf  dieser  Stufe  als  Stütze  für  die  Geschichte  nicht  besonders  hoch  anzuschlagen,
  nicht  viel  höher  das  Lateinische,  wenn  auch  das  Lehrbuch  für  Quinta  manche
Beiträge  für  die  alte  Geschichte  bietet,  auf  die  noch  in  der  Quarta  zurückgegriffen  werden
kann.  Um  so  mehr  aber  der  gedgraphische  Unterricht,  vor  allem  die  Heimatkunde.  Sie
sollte  in  allen  Klassen  wiederkehren  und  nicht  auf  Sexta  beschränkt  werden;  je  mehr  sie
vertieft  wird,  je  liebevoller  sich  man  in  die  Heimat  versenkt,  desto  klarer  die  Vorstellung
des  räumlich  und  zeitlich  Entfernten,  wenn  such  nicht  Geschauten.  Sie  hat  nicht  allein
den  Beruf,  daß  in  Anlehnung  an  sie  die  Grundbegriffe  der  allgemeinen  Erdkunde  und
die  Sprache  der  Karten  erläutert,  sondern  daß  durch  die  liebevolle  Betrachtung  der
Heimat  des  Schülers  Auge  für  die  umgebende  Welt  geöffnet  werde.  Es  ist  eine  der  dankbarsten
  Aufgaben,  mit  den  frischen  kleinen  Schülern  das  Erwerbsleben  der  Heimatstadt,
ihre  Verwaltung  und  deren  Organisation,  alles  natürlich  erst  nur  in  den  allgemeinsten
Zügen,  zu  betrachten.  Das  meiste  tragen  sie  auf  Anregung  mit  Eifer  dem  Lehrer  zu,  der  durchweg
  nur  zusammenzustellen  und  zu  ergänzen  hat.  So  gelangen  sie  zur  Vorstellung  eines
geordneten  demeinwesens,  von  Obrigkeit  und  Untertan,  Polizei,  Steuern  und  Abgaben  und
von  dem  Entgelt  dafür,  Sicherheit,  Recht  und  Rechtspflege  u.a.m.  Die  von  Dörfern  kommenden
  Schüler  und  ein  Spaziergang  in  die  Umgebung  geben  Anlaß  zur  Betrachtung  der  Lebensbedingungen
  und  Verwaltung  kleiner  Gemeinwesen.  Der  konzentrische  Gang  führt  zur
Anschauung  von  Kreis,  Provinz,  Staat.  So  strömt  dem  Schüler  der  Vorstufe  eine  Fülle
von  Anschauungen  und  Begriffen  zu,  auf  die  später  der  Geschichtsunterricht  fußen  kann.
Auf  sie  wird  er  die  Erscheinungen  der  Vergangenheit  unablässig  beziehen,  mit  ihnen  sie
vergleichen.  Man  wende  nicht  ein,  das  führe  zu  schiefen  Vorstellungen;  es  geht  eben
nicht  anders,  und  der  Lehrer  ist  dazu  da,  falsche  Vorstellungen  zu  verhüten.  Anders  haben
es  auch  unsere  größten  Historiker  im  wesentlichen  nicht  gemacht,  und  gerade  die  bedeutendsten
  standen  mitten  im  Leben  der  Gegenwart.

In  der  Lehraufgabe  der  Quinta  steckt  schon  ein  guter  Teil  des  Stoffes,  der  dem  eigentlichen
  Geschichtsunterricht  zukemmt.  Hier  können  nach  Maßgabe  der  Zeit  die  Grundsätze