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gegeben  wären  und  ihre  Lektüre  dem  häuslichen  Fleiße  des  Schülers  anheimgestellt
  und  nur  die  Verarbeitung  in  die  wenigen  Schulstunden  verlegt  würde,
bedeutete  die  Forderung  eine  Utopie.  Welches  Quellenstück  gibt  für  sich  allein
ein  annähernd  richtiges  Bild  einer  historischen  Tatsache?  Alle  bedürfen  mannigfachster
  Ergänzung.  Dazu  tritt  die  Notwendigkeit  kritischer  Behandlung  und
systematischer  Anordnung  der  gewonnenen  Einzelergebnisse,  Dinge,  die  an  die
Fassungskraft  und  Arbeitsfähigkeit  der  unreifen  Jünglinge  —  und  das  sind  doch
noch,  Gott  sei  Dank,  auch  die  Primaner  —  übertriebene  Anforderungen  stellen.
Ein  anderes  ist  es,  wenn  auf  der  Vorstufe  in  Quarta  sagenhafte  Stücke  aus
Homer  und  Herodot  gelesen  werden.  Die  Sage  bedarf  der  Ergänzung  und
kritischen  Sichtung  nicht,  sie  ist  eben  ein  Ganzes  und  wahr  in  sich.  Und  wenn
wir  in  der  Besprechung  von  Geschichten  aus  der  Odyssee  schon  zum  Entwurf
eines  Bildes  vom  Staate  des  Helden  schreiten,  so  ist  das  im  wesentlichen  die
Tätigkeit,  die  wir  bei  der  Lektüre  deutscher  Dichtungen  ausüben,  und  ist  nicht
im  mindesten  mit  den  eben  erwähnten  Maßnahmen  zu  vergleichen.  Hier  von
Quellenbenutzung  zu  sprechen  ist  eine  Verstiegenheit.  Auch  die  maßvollere
Forderung  Alhert  Richters,  dem  doch  der  Vortrag  des  Lehrers  die  Hauptsache
  ist,  geht  zu  weit.  Es  wird  dabei  bleiben,  daB  es  sehr  gut  ist,  wenn
der  Lehrer  mit  den  Quellen  möglichst  vertraut  ist.  Für  alle  geschichtlichen
Gebiete  ist  das  aber  unmöglich;  ist  doch  Nägelsbach  der  Ansicht,  daß,  wenn
der  Lehrer  die  alte  Geschichte  quellenmäßig  studiert  und  exzerpiert,  er  in
zwölf  Jahren  recht  gut  fertig  werden  kann.  Nun  gar  Mittelalter  und  Neuzeit!
Gut  ist  es,  wenn  er  unter  steter  Bezugnahme  auf  zeitgenössische  Zeugnisse
erzählen  und  sie  an  geeigneter  Stelle  zitieren  kann.  Das  wird  dem  Vortrage
Farbe  und  Leben  verleihen  und  kann  geleistet  werden.  Vieles  Vorlesen  des
Lehrers  ist  aber  vom  Übel;  es  erzeugt  meist  rasch  Überdruß  und  Unaufmerksamkeit.


Schiller  hat  nicht  ohne  Beifall  die  Ansicht  vertreten,  daß  die  erste  Darbietung
  des  Stoffes  durch  das  Lehrbuch  geschehen  solle.  Fast  mit  den  Argumenten
  Peters  verwirft  er  den  Vortrag  des  Lehrers.  Der  Schüler  soll  zu
Hause  einen  Abschnitt  des  Leitfadens  durcharbeiten,  in  der  Schule  erfolgt  dann
eine  eingehende  Besprechung  und,  wenn  nötig,  Ergänzung.  So  hofft  er  den
Unterricht  seines  rezeptiven  Charakters  einigermaßen  zu  entkleiden.  Vor  allem
sind  Brettschneider  und  Neubauer  ihm  entgegengetreten.  Mit  Recht  wird
von  letzterem  geltend  gemacht,  daB  bei  diesem  Verfahren  die  Rezeption  nicht
beseitigt,  sondern  nur  der  häuslichen  Vorbereitung  zugewiesen  wird  und  so
der  Prozeß  der  Aneignung  des  Stoffes  unnötigerweise  in  zwei  Stücke  zerfällt.
  Ist  man  außerdem  sicher,  daß  der  Schüler  sich  nicht  bei  der  Vorbereitung
MiBverstandenes  einprägt?  Wird  ferner  nicht  ein  Unterricht,  der  die  Erzählung,
verwirft,  die  packende  Anschaulichkeit  verlieren?  Wie  die  Schüler  einmal  sind,
werden  sie  ferner  dem  Gegenstand,  den  sie  sich  schon  angeeignet  zu  haben  glauben,
bei  der  Besprechung  weniger  Aufmerksamkeit  schenken.  Ist  es  pädagogisch,
die  gespannte  Erwartung  auf  das  Kommende  abzuschwächen?  Den  Lehrer
aber  zur  Rolle  des  Interpreten,  zum  Diener  des  Lehrbuches  herabzudrücken,