692  Avszr:  Geschichte.

klarzustellen.  Das  hat  fast  ausnahmslos  in  Wechselrede  mit  der  Klasse  zu  geschehen.
  Bei  Darlegung  des  Zuständlichen,  von  Verfassung  und  wirtschaftlichen
und  gesellschaftlichen  Fragen  nützt  der  zusammenhängende  Vortrag  wenig.  Hier
handelt  es  sich  nicht  um  ein  episches  Geschehen,  sondern  es  gilt  durch  stete
Bezugnahme  auf  die  Gegenwart  und  unter  steter  Richtigstellung  schiefer  Vergleiche
  und  Auffassungen  ein  Gebäude  zu  konstruieren,  zu  dem  die  Schüler
selbst  einen  großen  Teil  der  Bausteine  aus  ihrer  Erfahrung  herbeitragen.  Ferner
gilt  es,  den  Gang  der  Ereignisse  und  ihre  Ergebnisse  auf  der  Karte  festzulegen
und  ihre  geographische  Bedingtheit  klarzumachen.  Auch  hier  tritt  an  Stelle
des  Vortrags  Frage  und  Antwort.

Von  größter  Wichtigkeit  ist  das  Lehrbuch,  dessen  Gebrauch  die  Behörden
mit  Recht  vorgeschrieben  haben.  Es  wird  ja  kein  einziges’  den  Wünschen  aller
entsprechen,  und  nicht  selten  liegt  der  Lehrer  mit  ihm  im  Kampf.  Der  günstigste
  Fall  liegt  vor,  wenn  es  sich  um  Abweichungen  in  Einzelheiten  handelt,
da  die  Korrektur  durch  ganz  kurze  Angaben  leicht  zu  bewerkstelligen  ist.  Dem
Schüler  der  Oberklassen  muß  es  überhaupt  gestattet  sein,  während  des  Vortrags
des  Lehrers  sich  kurze  Notizen  in  das  Buch  zu  machen,  wo  im  Vortrage  des
Lehrers  Abweichungen  oder  Ergänzungen  nötig  sind.  Der  Lehrer  wird  die
Schüler  auf  solche  Punkte  ausdrücklich  hinweisen  und  seine  Ansicht  begründen,
soweit  es  der  Schüler  verstehen  kann.  Bedenklicher  ist  es,  wenn  zwischen  Vortrag
  und  Lehrbuch  tiefgehende  und  häufige  Meinungsverschiedenheiten  über  die
Abgrenzung  der  Perioden  und  über  die  Gruppierung  des  Stoffes  klaffen.  Hier  wird
schließlich  das  Lehrbuch  dem  Lehrer  den  Platz  zu  räumen  haben,  denn  die
Korrektur  kann,  wenn  sie  überhaupt  möglich  ist,  ohne  großen  Zeitverlust  nicht
vorgenommen  werden,  und  der  lebendige  und  nicht  der  papierene  Lehrer  muß
Recht  behalten.

Innerhalb  der  einzelnen  Perioden  muß,  wie  auf  die  verschiedenen  Perioden
selbst,  Ausführlichkeit  und  kompendisrische  Durchnahme,  Licht  und  Schatten,
je  nach  der  Wichtigkeit  der  Geschehnisse  für  die  allgemeine  Entwicklung  verschieden
  verteilt  werden.  Daß  Zeiten  des  Niedergangs,  Zeiten,  in  denen  keine
hervorragende  Persönlichkeit  im  Brennpunkte  der  Ereignisse  steht,  durchweg
und  besonders  auf  der  Unterstufe  kompendisrisch  zu  behandeln  sind,  darüber
herrscht  Einigkeit  in  der  Theorie.  Bei  der  praktischen  Durchführung  dieses
Grundsatzes  kommen  bedeutsame  Abweichungen  vor.  Hier  hängt  viel  von  der
Anschauung  des  Lehrers  ab,  aber  auch  viel,  ja  noch  mehr  von  dem  Standpunkt
der  Behörden  in  den  verschiedenen  Vaterländern  des  Deutschen  Reiches.  Nicht
alle  Deutschen  haben  es  so  gut  wie  die  Preußen,  die  in  der  Geschichte  ihres
Staates  die  glänzendste  Rechtfertigung  seiner  Existenz  erblicken  dürfen.  Häufig
genügt  auf  den  Oberklassen  bei  manchen  Perioden  die  durch  eine  Besprechung
in  der  Klasse  vorbereitete  häusliche  Durcharbeitung  der  betreffenden  Abschnitte
des  Lehrbuches.

Vor  allem  aber  ist  es  wichtig,  daß  am  Ende  einer  jeden  Periode  ihr  Ergebnis
  gezogen  und  nach  sachlichen  Gesichtspunkten  festgelegt  wird.  Hier
bietet  sich  Gelegenheit  für  die  Selbstbetätigung  der  Schüler,  zum  "Operieren’