Einprägung  und  Hilfsmittel.  693

mit  den  erworbenen  Kenntnissen.  Hier  kann  auch  das  Biedermannsche  Verfahren
bei  dem  Rückblick  angewendet  werden.  Die  gemeinsam  gefundenen  Ergebnisse
  bilden  dann  die  Einleitung  zu  dem  folgenden  Abschnitte.

Wie  sich  der  Vortrag  in  einer  konfessionell  gemischten  Klasse  zu  gestalten
habe,  ist  eine  Frage,  die  eigentlich  nicht  aufgeworfen  werden  sollte.  Aber  schon
Friedrich  Thiersch  hat  sich  mit  ihr  beschäftigen  müssen  (S.  668).  Er  nahm,
wie  schon  erwähnt,  für  Mittelalter  und  Neuzeit  im  eigentlichen  Geschichtsunterricht
  nur  einen  tabellarischen  Vortrag  (!)  in  Aussicht,  aus  dem  alles  Kirchengeschichtliche
  ausgeschieden  werden  könne.  Wolle  man  aber  einen  ausführlicheren
Vortrag,  so  möge  man  den  Unterricht  den  Religionslehrern  übertragen.  Beide
Wege  würden  zu  einem  Zerrbilde  der  Geschichte  führen  und  sind  nach  der
Befreiung  der  Geschichtswissenschaft  von  theologischen  Einflüssen  ein  Anachronismus.
  Nicht  darauf,  was  der  einen  oder  anderen  Partei  in  ihren  Kram  paßt,
kommt  es  im  Geschichtsunterricht  an,  sondern  auf  Wahrheit,  Gerechtigkeit  und
Liebe.  Echte  Heldengröße  hat  etwas  Versöhnendes.  Man  lehre  die  Schüler  sie  zu
ehren  und  zu  bewundern  und  sich  der  großen  Männer  unseres  Volkes  zu  freuen,
wenn  auch  ihre  Wirksamkeit  nicht  die  Zustimmung  aller  gefunden  hat.  Wer
diesen  Standpunkt  einnimmt  und  dazu  wissenschaftlich  zur  Abwehr  gerüstet  ist,
gegen  den  ist  die  meist  auf  mißverstandenen  Schüleräußerungen  aufgebaute
Verleumdung  machtlos.

Über  den  Patriotismus,  der  die  Darbietung  des  Lehrers  durchglühen  soll,
nur  so  viel,  daß  Absichtlichkeit  und  Aufdringlichkeit  nach  dieser  Richtung  schadet,
  wenn  auch  nicht  so  sehr  in  den  mittleren,  so  doch  sicher  in  den  oberen
Klassen.  Vaterlandsliebe  läßt  sich  nicht  treibhausmäßig  entwickeln.  Die  schlichte,
von  verhaltener  Ergriffenheit  bei  den  geschichtlichen  Höhenpunkten  getragene
Erzählung  genügt  völlig.  Unsere  Geschichte  ist  ohne  jegliche  besondere  Veraustaltung
  das  beste  Erziehungsmittel  zur  Vaterlandsliebe  und  Königstreue.

Einprägung  und  Hilfsmittel!)  Die  ersten  Schritte  zur  Einprägung
des  Lehrstoffes  sind  durchweg  eng  mit  der  Darbietung  zu  verbinden.  Die
obenerwähnten  Unterbrechungen  mit  ihren  Rekapitulationen  gehören  dazu;
sie  spielen  besonders  auf  der  Mittelstufe  eine  bedeutsame  Rolle  Auch  in
den  oberen  Stufen  werden  solche  Rekapitulationen  nötig  sein,  unerläßlich
aber  am  Schlusse  des  Vortrags  eine  kurze  Besprechung  des  Gebotenen  und
Festlegung  der  Hauptsschen  vielfach  in  Jahreszahlen.  Die  Wiederholung  in
der  nächsten  Stunde  ist  zugleich  die  Vorbereitung  auf  den  neuen  Abschnitt.
Sie  besteht  in  den  mittleren  Klassen  am  besten  in  zusammenhängender  Wiedergabe
des  Durchgenommenen  durch  die  Schüler,  für  die  sie  im  Leitfaden  ein  wesentliches
  Hilfsmittel  haben,  und  bildet  eine  treffliche  Übung  im  mündlichen  Gebrauche
  der  Muttersprache.  Von  Zeit  zu  Zeit  tritt  die  Wiederholung  umfassenl)

  Literatur:  Jäger,  Brettschneider  8.8.0.  Zurbonsen,  Geschichtl.  Repetitionsfragen.
  —  Stutzer,  Übersichten  zur  preußisch  -  deutschen  Gesch.  —  Goldmann,  Zum
Geschichtsunterricht  des  Gymn.  Progr.  des  Gymn.  zu  Darmstadt,  1890.  —  Frick,  LL.
Heft  2.  8.99.