Einprägung  und  Hilfsmittel.  695

antwortung  von  Fragen  über  zusammenhanglose  Einzelheiten  hat  keinen  Wert.  Gewiß
soll  der  Schüler  einen  Kreis  von  Zahlen  und  Daten  so  beherrschen,  daß  er  sie  auch  außerhalb
  des  Zusammenhanges  trifft.  Das  erreicht  man  besser  durch  schnelle  mündliche  Fragen,
von  deren  richtiger  Beantwortung  auch  die  nichtgefragten  Schüler  etwas  haben,  bei  denen
ferner  das  Falsche  nicht  Zeit  hat,  sich  im  Gedächtnis  festzusetzen,  da  die  Korrektur  gleich
bei  ihr  zur  Hand  ist  und  nicht  einige  Tage  nachhinkt,  Vorteile  zu  denen  die  erhöhte  wetteifernde
  Selbstbeteiligung  der  Schüler  tritt.  Mehr  Wert  haben  kleine  Aufsätze.  Solche
deutschen  Ausarbeitungen  verlangen  die  preußischen  Lehrpläne  mit  Recht  in  jedem  Fache,
sie  dienen  aber  vorzugsweise  der  Förderung  des  deutschen  Ausdruckes,  der  ja  in  jedem
Fache  zu  pflegen  ist,  stehen  also  mit  dem  Geschichtsunterricht  nur  in  mittelbarer  Beziehung.
Jedenfalls  sind  sie  auch  für  ihn  sehr  förderlich,  aber  sie  sind,  da  sie  vor  allem  in  den
mittleren  Klassen  eine  besonders  sorgfältige  Vorbereitung  auch  des  Ausdrucks  verlangen,
sehr  zeitraubend  und  können  daher,  von  der  Korrekturlast,  die  dem  noch  sonst  genugsam
beschäftigten  Lehrer  erwächst,  abgesehen  —  und  durchsehen  muB  der  Lehrer,  was  er  von
schriftlichen  Arbeiten  einfordert  —,  nur  in  so  geringfügiger  Zahl  angefertigt  werden,  daß  ihre
Wirksamkeit  in  der  Praxis  fast  zu  nichts  zusammenschrumpft.

Mit  Recht  wird  durchweg  eine  maßvolle  Beschränkung  der  Jahreszahlen  verlangt.  Am
besten  legt  man  für  die  mittleren  Klassen  einen  Zahlenkanon  fest,  der,  abgesehen  von
späterer  geringfügiger  Erweiterung  durch  neuen  Stoff,  wie  z.  B.  durch  englische  und  französische
  Geschichte,  auch  für  die  Oberklassen  als  geringste  Anforderung  gelten  darf,  unter
die  nicht  herabgegangen  werden  kann,  ohne  daß  Verwirrung  eintritt.  Auch  ohne  erhöhte
Forderung  wird  bei  den  meisten  Schülern  auf  der  Oberstufe  schon  von  selbst  die  Menge
der  gewußten  Daten  wachsen;  die  neuen  Zahlen  gliedern  sich  von  selbst  in  die  Zwischenräume
  der  früher  angeeigneten  ein.  Ich  habe  den  Eindruck,  daß  trotz  einiger  Abnahme
der  Zahlenwut  hier  noch  immer  zu  viel  verlangt  wird.  Die  Gefahr  einer  Überbürdung  liegt
heute  sehr  nahe,  wo  jedes  Fach  durch  ‘Spezialisten’  vertreten  wird,  die  alle  vollwichtige
Forderungen  stellen,  wenn  die  Überbürdung  nicht  tatsächlich  schon  vorhanden  ist.  Dagegen
hilft  kein  Zetern  über  den  Geist  der  Zeit  mit  seiner  Abneigung  gegen  ernste  Arbeit  und  über
Liebkinderpädagogik.  Die  Reifeprüfung  in  der  Geschichte  ist  bei  den  Schülern  noch  immer
gefürchtet.  Gerade  beim  Geschichtsunterricht  mit  seinem  unendlichen  Gedächtnisstoff,  dessen
Nacheinander  der  Aneignung  trotz  aller  Reize  des  Faches  wesentliche  Schwierigkeiten  bereitet,
  ist  Maßhalten  geboten.  Aber  noch  aus  einem  anderen  Grunde.  Wer  zu  viel  Namen
und  Zahlen  auswendig  lemen  läßt,  läuft  Gefahr,  daB  seine  Schüler  über  der  Gedächtnisarbeit
  den  inneren  Zusammenhang,  also  die  Hauptsache,  aus  den  Augen  verlieren.  Oft  genügen
  synchronistische  Zusammenstellungen  statt  genauer  Zahlenangaben.  Nicht  zu  empfehlen
ist  aber  die  Abrundung  bestimmt  festliegender  Zahlen;  das  bedeutet  eine  Fälschung,  lieber
lasse  man  sie  ganz  fort.  Es  sollen  nicht  ‘Lügen  gelernt  werden’;  außerdem  behalten  sich
bestimmte  Zahlen  besser  als  auf  Null  abgerundete.  Die  Wiederholung  des  Zahlenmaterials
geschehe  nach  bestimmten  sachlichen  Gesichtspunkten  wie  die  anderen  Wiederholungen.
Zusammenstellungen  von  Zahlen,  die  mit  gleichen  Ziffern‘  endigen  oder  anfangen,  gleiche
Abstände  oder  gar  die  gleiche  Quersumme  aufweisen  und  dergl.  mehr,  sind  Spielereian,  die
man  einmal  Quartanern  bieten,  aber  nicht  wiederholen  darf.

Das  wichtigste  Hilfsmittel  für  den  Unterricht  ist  das  Lehrbuch.  Geschichtstsbellen,  wie
sie  Schäfer-Asbach  in  mustergültiger  Weise  bietet,  geben  nur  isolierte  Daten  und  können
des  Zuständliche  kaum  berücksichtigen.  Sie  erfordern  zu  häufige  schriftliche  Ergänzungen  und
stellen  auch  mit  diesen  an  die  Gedächtniskraft  der  Schüler  zu  hohe  Anforderungen.  Dazu  tritt
die  für  viele,  auch  gute  Schüler  schwere  Arbeit  der  abgerundeten  Darstellung  bei  der  Wiedergabe
in  der  nächsten  Stunde.  Bei  umfassenden  Wiederholungen  aber  leisten  Tabellen  gute  Dienste,
weshalb  sie  in  fast  allen  Lehrbüchern  heute  als  Anhänge  zu  finden  sind.  Ähnlich  steht  es  mit
Kompendien,  die  wie  Herbsts  Hilfsbücher  in  ihren  früheren  Auflagen  sich  von  den  Tabellen
nur  dadurch  unterscheiden,  daß  die  Mittelglieder  zwischen  den  wichtigsten  Ereignissen  geboten
werden,  aber  in  Satztrümmern,  die  als  Anhaltspunkte  für  die  Wiederholung  des  Lehrvortrags
dienen  sollen.  Auch  hier  zwecklose  Arbeit.  Jäger  hat  sich  ein  Verdienst  um  die  Herbstschen