Der  Unterricht  in  den  einzelnen  Klassen.  699

fatius,  Karl  der  Große,  Heinrich  I.  und  Otto  I.,  Konrad  II.,  Heinrich  IV.,  Gregor  VI,  Friedrich
  I.,  Friedrich  I.  sind  die  Mittelpunkte  der  Darstellung.  Die  folgende  Zeit  bis  Maximilian
  I.  entbehrt,  von  Rudolf  von  Habsburg  allenfalls  abgesehen,  der  Gestalten,  für  die
sich  der  Knabe  recht  erwärmen  kann,  so  interessant  und  lehrreich  die  Geschichte  dieser
Zeit  auch  für  gereiftere  Schüler  ist.  Die  Städtekriege,  die  Erhebung  der  Schweizer  und
der  Aufschwung  der  Hansa,  vor  allem  die  kirchlichen  Verhältnisse  mit  dem  Hussitenkriege
erwecken  noch  Interesse.  Das  Zuständliche,  wie  Wirtschaftsformen  und  Lehenswesen  ist
eng  mit  der  Darstellung  der  politischen  Geschehnisse  zu  verbinden.  Eine  besondere  Darstellung
  ist  hier  noch  verfrüht  und  der  Unterprima  vorzubehalten.

Obertertia.  Ihr  fällt  die  deutsche  Geschichte  bis  1740  zu,  insbesondere  die  brandenburgisch-preußische;
  die  außerdeutsche  ist  so  weit  heranzuziehen,  als  sie  für  das  Verständnis  der
deutschen  erforderlich  ist.  Die  Einleitung  bildet  zumeist  eine  Geschichte  der  großen  Entdeckungen,
  die  sehr  kurz  und  mehr  als  geographischer  Überblick  zu  halten  ist.  Die  Wiedererweckung
  des  klassischen  Altertums  wird  nur  kurz  angedeutet.  Dafür  sind  um  so  gründlicher  die
religiösen  und  politisch-sozialen  Zustände  gegen  Ende  des  15.  Jahrhunderts  zu  betrachten.  Um
Luther  und  Karl  V.  gruppieren  sich  bis  zum  Ende  beider  die  großen  Tatsachen  ganz  von
selbst,  dann  um  Calvin  und  Ignatius,  Gustav  Adolf  und  Wallenstein.  Der  Blick  darf  sich
auf  Obertertia  nicht  mehr  auf  Deutschland  beschränken,  der  Standpunkt  muß  schon  hier  und
in  Untersekunda  ein  europäischer  sein.  Ohne  einen  Überblick  über  den  Verlauf  der  religiösen
  und  politischen  Kämpfe  in  den  Niederlanden,  Frankreich  und  England  ist  der
Dreißigjäbrige  Krieg  nicht  verständlich.  Die  wichtigsten  Bestimmungen  des  Westfälischen
Friedens  und  die  Folgen  des  Dreißigjährigen  Krieges  sind  aufs  genaueste  einzuprägen.  Nur
so  wird  klar,  was  die  Hohenzollern  für  unser  Vaterland  bedeuten.  Nunmehr  tritt  die
brandenburgisch-preußische  Geschichte  mit  der  Person  des  Großen  Kurfürsten  wuchtig  in
den  Vordergrund.  Als  Einleitung  dazu  geht  voraus  eine  Geschichte  der  Ustmarken,  wobei
besonders  das  Augenmerk  auf  den  Verfall  der  landesherrlichen  Gewalt  mit  ihren  verhängnisvollen
  Folgen  und  das  Emporkommen  der  Stände  zu  richten  ist,  eine  Entwickelung,  die  in
den  Kolonistenstaaten  fast  gleichmäßig  vor  sich  gegangen  ist,  und  wie  allein  die  Schöpfung
eines  'Einheitsstastes  mit  starker  Fürstengewalt  Norddeutschland  vor  der  Fremdherrschaft
gerettet  hat.  Die  staats-  und  steuerrechtlichen  Fragen  werden  von  den  Schülern  noch  nicht
begriffen,  um  so  mehr  die  Fürsorge  für  die  wirtschaftliche  Entwickelung,  deren  eingehende
Betrachtung  als  Vorschule  für  die  Belehrungen  über  die  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen
Verhältnisse  unserer  Zeit  anzusehen  ist.  Während  die  mittelalterlichen  Wirtschaftsformen  und
die  Lehensverfassung  dem  Schüler  dieser  Stufe  nur  schwer  verständlich  zu  machen  sind,  liegen
die  Zustände  nach  dem  Dreißigjährigen  Krieg  uns  näher  und  sind  leichter  zu  erfassen.  Die
Person  des  Königs  Friedrich  I.  tritt  wenig  hervor,  aber  die  Erwerbung  der  Königskrone  ist
hier  genau  darzustellen.  Das  tiefere  Verständnis  für  die  Bedeutung  dieses  Aktes  muß  in
ihrer  Wichtigkeit  jedoch  der  O  I  vorbehalten  werden.  Vor  allem  aber  ist  Friedrich  Wilhelm
  I.  als  der  größte  “innere  Regent’  sorgsam  zu  behandeln,  als  Schöpfer  der  Basis  für
die  Größe  seines  Sohnes.  Die  Belehrungen  über  die  Kriege  Ludwigs  XIV.  und  sein  Regierungssystem,
  über  den  Nordischen  Krieg,  Peter  den  Großen  und  Karl  XII.  können  der
preußischen  Geschichte  zwanglos  eingefügt  werden.

Untersekunda.  Über  die  Aufgabe  dieser  Klasse  geben  die  Lehrpläne  so  genaue  Auskunft,
  daß  ich  mich  kurz  fassen  kann.  Die  Taten  Friedrichs  des  Großen  fordern  die  ausführlichste
  Darstellung.  Wohl  ist  überall  der  Zusammenhang  mit  den  großen  europäischen  Verhältnissen
  zu  wahren,  aber  man  hüte  sich  vor  dem  zu  weiten  Ausgreifen;  die  deutschen  und  vor
allem  die  preußischen  Dinge  stehen  stets  im  Mittelpunkt.  Die  Zeit  von  1815  bis  1864  kann
ziemlich  summarisch  behandelt  werden.  Hervorzuheben  ist  hier  die  stille  Tätigkeit  der
preußischen  Bureaukratie,  die  Organisation  der  preußischen  Verwaltung  und  Finanzen,  die
Schöpfung  des  Zollvereins,  sowie  die  deutschen,  vor  allem  die  preußischen  Verfassungskämpfe.
  Die  Zeit  von  1861—1871,  sowie  die  Verfassung  des  Reiches  und  in  sparsamer
Auswahl  die  Grundzüge  der  Verwaltung,  des  Rechts-,  Steuer-  und  Finanzwesens  sind  sorgsam
  einzuprägen.  Eine  zusammenhängende  Geschichte  der  Folgezeit  bis  auf  die  Gegenwart