Der  Unterricht  in  den  einzelnen  Klassen.  701

Friedens,  sowie  die  Darstellung  der  Folgen  des  furchtbaren  Krieges  sind  weit  eingehender,
als  in  der  Obertertis  geschehen,  namentlich  auch  stastsrechtlich  zu  beleuchten.  Wer  nicht
damit  fertig  wird,  mag  sie  getrost  zur  Lehraufgabe  der  Oberprima  ziehen,  hier  können  sie,
verbunden  mit  der  notwendigen  Darstellung  des  Systems  der  europäischen  Staatenwelt,
die  Einleitung  zur  Geschichte  der  folgenden  Zeit  bis  1740  bilden.  In  dieser  Epoche  stehen
England  und  Frankreich  im  Vordergrunde  in  ihrer  äußeren  und  mehr  noch  in  ihrer  inneren
Entwickelung.  Ihre  Geschichte  bildet  fast  allein  die  Erweiterung  des  Lernstoffes  der  Obertertia.
  Dem  Zeitalter  des  aufgeklärten  Absolutismus  ist  die  brandenburgisch-preußische
Geschichte  als  Einleitung  voraufzusenden.  Dabei  ist  die  innere  Entwickelung  besonders  zu
beachten,  vor  allem  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse,  die  Entwickelung  einer  kraftvollen
Staategewalt  auch  nach  der  staatsrechtlichen  Seite  hin,  sowie  die  Schöpfung  des  brandenburgisch-preußischen
  Heeres,  etwa  wie  es  Bornhak  in  seinem  preußischen  Staatsrechte
getan.  Den  Kriegen  Friedrichs  des  Großen  wird  hier  ihre  Stellung  in  dem  großen  Kampfe
beider  Westmächte  um  die  Seeherrschaft  angewiesen.  Friedrichs  Bedeutung  für  das  Geistesleben
  seiner  Zeit,  vor  allem  seine  innere  Regententätigkeit,  wird  vertiefte  Würdigung  erfahren,
  wozu  dann  allerdings  auch  gehört,  daß  die  infolge  der  subtilen  historisch  erwachsenen
Steuerverfassung  verschärfte  Trennung  der  Stände  und  die  der  wirtschaftlichen  Fürsorge  entsprungene
  Entwertung  des  Heeres,  im  Verein  mit  dem  späteren  übermäßig  schnellen  Wachstum
  des  Staates  Preußen  an  den  Rand  des  Unterganges  brachte.  Nicht  sorgsam  genug
kenn  bei  der  Betrachtung  der  Ursachen  der  französischen  Revolution,  sowie  bei  der  Darstellung
  dieser  selbst  und  der  Entwicklung  des  modernen  Frankreichs  verfahren  werden.
Gibt  es  doch  kaum  eine  politische  Frage,  an  der  sich  diese  Zeit  nicht  versucht  hat.  Die
beiden  ersten  Koalitionskriege  können  mehr  summarisch  behandelt  werden;  vor  allem  ist
dabei  Englands  Rolle  und  seine  wachsende  Macht  zu  beleuchten.  Aus  der  Zeit  von  1804
bis  1815  muß  die  Wiedergeburt  Preußens  sehr  genau  dargelegt  werden,  dagegen  wird  mit
Ausnahme  des  geistigen  und  wirtschaftlichen  Lebens  und  der  Organisation  des  preußischen
Stastes  der  Zeitraum  von  1815  bis  1848  kürzer  dargestellt  werden.  Von  da  ab  ist  bis
1871  größte  Ausführlichkeit  am  Platze.  Die  preußische  und  die  Reichsverfassung  sind  sorgsam
  in  ihren  Hauptpunkten  zu  erläutern.  Für  die  folgende  Zeit  gilt  im  wesentlichen,  abgesehen
  von  der  notwendigen  Erweiterung  und  Vertiefung  das  für  Obertertia  Gesagte.  Hier
ist  dann  such  im  Anschluß  an  die  Sozialpolitik  Wilhelms  I.  der  Platz  für  eine  zussammenhängende
  Erörterung  volkswirtschaftlicher  Fragen,  die  sich  im  Laufe  der  Erläuterung  oft
genug  erhoben  haben  und,  wenn  auch  mehr  vereinzelt,  erörtert  worden  sind.  Es  wäre  vom
Übel,  wenn  sie  plötzlich  hier  ganz  unvorbereitet  hereinschneiten.  Systematische  Vollständigkeit
  ist  abzulehnen;  der  Unterricht  muß  so  geführt  worden  sein,  daß,  weil  ja  diese  Dinge  früher
an  gelegener  Stelle  behandelt  worden  sind,  wenn  Zeit  mangelt,  die  zusammenhängende  Erörterung
  wegfallen  kann,  obne  daß  eine  wesentliche  Lücke  entsteht.  Die  Sozialdemokratie
ist  unter  Hinweis  auf  frühere  Geschehnisse  (Leveller,  Baboeuf,  Louis  Blanc  n.  a.)  objektiv  als
historische  Erscheinung  darzustellen,  von  der,  wie  von  allem  geschichtlich  Gewordenen,  Gamaliels
  Wort  gilt.  Ihre  Verkehrtheiten  sind  schon  früher  ausprobiert  und  durch  die  Tatsachen
widerlegt  worden.  Das  grauenvolle  Ende  früherer  utopischer  Versuche  wird  ohne  besondere
Veranstaltungen  auf  die  jungen  Gemüter  ihren  Eindruck  nicht  verfehlen  und  den  Entschluß
zeitigen,  alles,  was  in  ihren  Kräften  steht,  zu  tun,  menschlichem  Elende  zu  steuern  und  das
Böse  mit  dem  Guten  zu  überwinden,  zugleich  aber  sich  mit  dem  festen  Entschlusse  zu
wappnen,  das  große  Gut  eines  geordneten,  festgefügten  Reiches  zu  wahren  und  treu  festzuhalten
  an  dem  glorreichen  Herrscherhause,  unter  dem  wir  groß  und  stark  geworden  sind.