J.
Einleitung.

Von  Dr.  Hertha  Siemering,  Berlin.

Vorbemerkung.  Zur  neunten  Konferenz  der  Zentralstelle  für  Volkswohlfahrt
  war  ein  Vorbericht  nicht  erschienen.  Die  grundsätzliche  Bedeutung  des
Themas,  dessen  Erörterung  vielfach  von  sozialpädagogischen  Forderungen,  die
mit  Glaubenssätzen  verfochten,  nicht  aber  durch  Tatsachechareril  erhärtet  werden
können,  abhängig  sein  mußte,  machte  einen  Vorbericht  der  üblichen  Art  überflüssig.
Soweit  aber  Erfahrungen  und  gewichtige  Erwägungen  praktischer  Art  auch  bei  den
Verhandlungen  dieser  Konferenz  in  die  Wagschale  fallen  mußten,  sind  sie  von
den  Fachleuten  der  Jugendpflege  in  letzter  Zeit  so  vielfach  erwogen  worden,  daß
eine  umfassende  Zusammenstellung  sich  erübrigte.  Einem  weiteren  Publikum
ätte  sie  schwerlich  ein  so  übersichtliches  Bild  zu  geben  vermocht,  wie  nach  den
bsichten  der  Zentralstelle  für  Volkswohlfahrt  die  Konferenz  und  damit  der
später  zu  veröffentlichende  Konferenzbericht  es  geben  sollten.  Für  den  Mitgliederund
  Freundeskreis  der  Zentralstelle  aber  genügte  die  knappe  Einleitung  in  der
Form  des  folgenden  Aufsatzes,  der  in  der  Concordia  veröffentlicht  worden  war.

Auch  unsere  Jugendpflege  steht  in  dem  Zeitzeichen  der  „Neuorientierung"“.
  Auch  sie  ist  von  dem  patriotischen  Revisionswillen
ergriffen,  in  dem  alles  Hergebrachte  einer  strengen  Musterung  unterworfen,
  auf  seine  Brauchbarkeit  im  künftigen  Deutschland  geprüft
wird.  In  der  deutschen  Jugendpflege  fragt  man  sich  ebenso  wie  in
jedem  anderen  Gebiete  deutscher  Arbeit  mit  Ehrlichkeit  und  Ernst,  ob
die  alten  Maßnahmen  und  Methoden  in  Zukunft  noch  genügen
können,  ob  die  bisherigen  Leistungen  und  Erfolge  für  die  Anforderungen
  der  nächsten  Zeit  nach  dem  Kriege  und  die  der  kommenden
  Generationen  zureichen  werden.  In  vielfachem  Sinne  fühlt
der  Erzieher  der  Jugend  dem  Vaterlande  gegenüber  die  besondere
Schwere  und  Heiligkeit  seiner  Verantwortung.

Dazu  kommt,  daß  kurz  vor  dem  Kriege  und  während  der  Kriegszeit
  eine  Fülle  neuer,  ganz  konkreter  Probleme  teils  von  außen  her
in  die  Jugendpflege  hineingetragen  wurden,  teils  sich  in  ihr  entwickelten.
  Zwei  besondere  solcher  neuen  Fragen,  um  nur  ein  paar
Beispiele  zu  geben,  sind  die  einer  etwaigen  Verkirchlichung  der  evangelischen
  Jugendarbeit,  die  viele  Gruppen  in  den  verschiedenen  evangelischen
  Landeskirchen  in  Deutschland  sehr  ernstlich  und  sehr  lebhaft
beschäftigt,  und  die  andere  einer  zunehmenden  Beteiligung  der  Gewerkschaften
  an  der  Erziehung  unserer  Heranwachsenden,  die  die
Novelle  zum  §  17  des  Reichsvereinsgesetzes  erwarten  läßt.  Die  Erörterungen
  der  ersten  find  nicht  frei  von  kirchenpolitischen  Erwägungen;
  in  Zusammenhang  mit  ihr  wird  die  Frage  der  praktischen

Schriften  der  Zentralstelle  für  Bolkswohlfahrt.  N.  F.  Nr.  13.  1