Einleitung.  3

in  folgender  Reihe  auf:  Erstens  hatte  kaum  ein  Jahr  vor  Kriegsbeginn
  die  1813-Feier  auf  dem  Hohen  Meißner  die  Augen  vieler
auf  die  erwachende  Bewegung  unter  der  Freideutschen  Jugend  gelenkt.
  Zweitens  wurde  während  des  Krieges  von  außen  her  die
militärische  Vorbereitung  der  Jugend  in  die  Leistungen  der  Jugendpflege
  eingeschaltet.  Pflegerische  Maßnahmen,  unter  ihnen  besonders
die  sogenannten  Kriegstagesheime,  die  für  die  arbeitslose,  mindestens
beschäftigungslose  Jugend  beiderlei  Geschlechts  bald  nach  Kriegsbeginn
  in  manchen  Städten  ins  Leben  gerufen  wurden,  trugen
drittens  pädagogische  Erfahrungen  ein,  die  man  nicht  nur  für  eine
vorübergehende  Zeit  erworben  haben  wollte.  Die  hohen  Wogen
jener  allgemeinen  sittlichen  Erregung,  die  im  Anblicke  des  heiligen
Kampfes  der  Nation  von  allen  Deutschen  für  die  Zukunft  innere
Erneuerung  und  Reinigung  fordert,  fluteten  begreiflicher  Weise  mit
besonderer  Stoßkraft  in  unser  Gebiet  hinein.  So  wurde  viertens
die  Notwendigkeit  einer  alle  umfassenden  und  für  alle  verbindlichen
Erziehungseinrichtung  für  die  Heranwachsenden  ziemlich  allgemein
erkannt.  Diese  Erkenntnis  wurde  in  der  breiten  Offentlichkeit  —
sofern  das  Wort  Erkenntnis  hier  am  Platze  ist  —  durch  die  Klagen
über  die  sogenannte  Verwilderung  der  Jugend  und  durch  die  bekannten
  Erlasse  der  stellvertretenden  Generalkommandos  befördert,
die  als  fünfte  Quelle  der  Diskussion  von  Zwang  und  Freiheit  in  der
Jugendpflege  gelten  können.  Mißstände,  die  mit  den  Schwierigkeiten
der  Ernährungsverhältnisse  in  bekanntem  Zusammenhange  stehen,
und  gewisse  Probleme  bevölkerungspolitischer  Natur  verliehen
sechstens  der  alten  Forderung  einer  obligatorischen  hausmütterlichen
Schulung  der  Mädchen  eine  bisher  unerhörte  Durchschlagskraft.
Dazu  kommt,  daß  nicht  sachverständige  Beurteiler,  die  sich  in  der
Tagespresse  verschiedentlich  in  die  Debatte  über  die  künftige  Gestaltung
  der  militärischen  Vorbereitung  eingemischt  haben,  deshalb
von  einem  Versagen  der  Jugendpflege  redeten,  weil  es  ihr  trotz  großer
Propaganda  nicht  gelungen  sei,  alle  Heranwachsenden  zu  Mitgliedern
von  Jugendvereinen  zu  machen.

Diese  Kritik,  die  vielfachen  Wünsche  und  Forderungen  sowie  die
praktischen  Versuche  führten,  wie  schon  erwähnt,  die  Jugendpfleger
selbst  zur  Erkenntnis  der  Grenzen  ihrer  Erziehungsarbeit  in  der
Form  freier  Vereine,  zu  der  Einsicht,  daß  mit  solchen  Einrichtungen
auf  unserem  Gebiete,  was  die  Zahl  der  Zöglinge  anlangt,  nur  ein
beschränktes  Maß  pädagogischer  Leistungen  möglich  sei,  während  für
weitere  die  Offentlichkeit  eintreten  müsse.  Die  Erörterung  dieser
Tatsachen  führte  auch  zu  einer  gewissen  Klärung  des  Begriffs  der
Jugendpflege.  Zwar  beginnt  sie  erst  langsam  sich  im  Sprachgebrauche
der  Spezialisten  durchzusetzen  und  hat  sich  noch  keineswegs  in  der
allgemeinen  Terminologie  der  Wohlfahrtspflege  eingebürgert.  Dennochunterscheiden
  wir  heute  fachlich  und  begrifflich  scharf  zwischen  Jugendvereinsarbeit
  und  umfassender  Erziehung  der  Heranwachsenden.  Das
Wort  Jugendpflege  wird  baldnur  für  das  erste,  bald  für  das  ganze  Gebiet
angewandt,  bisweilen  wird  auch  das  Ganze,  dem  alsdann  noch  die
Jugendfürsorge  zugerechnet  wird,  als  Jugendarbeit  bezeichnet.

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