IV.
Aussprache  über  den  Vortrag  von  Prof.  Dr.  Aloys  Fischer.

Pfarrer  Lic.  Dr.  Hollmann,  Nikolassee  bei  Berlin  (Bund
deutscher  Jugendvereine)h:  Meine  sehr  geehrten  Damen  und
Herren!  Da  ich  zufällig  als  erster  Redner  der  Diskussion  hier
spreche,  glaube  ich,  durchaus  in  Ihrem  Sinne  zu  handeln,
wenn  ich  aus  dem  Auditorium  heraus  dem  Herrn  Vortragenden
  unsern  herzlichsten  Dank  für  das  sage,  was  er  uns  ausgeführt
  hat.  Vor  allen  Dingen  für  die  Grundthese,  die  er  vertreten
hat,  daß  der  äußere  Zwang  in  der  Jugendpflege  niemals  das  entscheidende
  Wort  führen  kann.  Was  er  darüber  gesagt  hat,  ist,  glaube
ich,  aus  unser  aller  Herzen  gesprochen,  und  ich  möchte  Sie  noch  einmal
  darauf  hinweisen,  was  es  bedeutet,  wenn  ein  Pädagoge,  wie
Friedrich  Wilhelm  Förster,  der  sonst  so  stark  die  Autorität
vertritt,  freilich  die  innere  Autorität,  doch  wiederholt  auf  das  allerschärfste
  davor  gewarnt  hat,  die  Jugendpflege  unter  dem  Gesichtspunkte
  des  Zwanges  zu  betreiben,  und  gerade  auch  das  Moment  so
stark  hervorgehoben  hat,  das  auch  der  Herr  Vortragende  streifte,  daß
man  dann  letzthin  die  Jugend  mit  dem  Geiste  der  heimlichen  Anarchie
oder  Rebellion  erfüllt.

Aus  der  Seele  war  mir  persönlich  gesprochen,  und  gewiß  auch
vielen  unter  Ihnen,  daß  bei  der  gegenwärtigen  Entwicklung,  die  die
Jugendpflege  genommen  hat,  und  bei  den  Möglichkeiten,  die  sich  für
die  nächste  Zukunft  ergeben,  die  Losung  für  diese  Zukunft  vielleicht
lauten  wird:  für  die  freiwillige  Jugendpflege  kommt
die  geistige  Pflege  der  Jugend  als  das  in  Betracht,
worauf  sie  sich  mit  aller  Energie  werfen  muß  Wer
weiß,  ob  wir  nicht  vor  einer  Zeit  stehen,  in  der  die  körperliche  Jugendpflege
  eben  doch  irgendwie  unter  den  staatlichen  Zwang  genommen
wird,  genommen  werden  muß,  aus  vielleicht  schmerzlichen  Notwendigkeiten
  heraus.  Das  kann  heute  noch  niemand  mit  Gewißheit  sagen.
Um  so  sicherer  muß  dann  die  freiwillige  Jugendpflege  in  den  Vordergrund
  rücken,  daß  sie  die  Seele  des  Jugendlichen  in  der  Weise  zu
bilden  versucht,  wie  es  das  Referat  uns  darzulegen  versuchte.  Zu
diesem  Ergebnisse  würde  man  auch  kommen,  wenn  man  das  uns  vorliegende
  Thema  von  einem  ganz  anderen  Gesichtspunkt  aus  betrachtet.
Der  Herr  Vortragende  hat  dieses  Thema  gewissermaßen  so  behandelt,
daß  er  Zwang,  Freiheit  und  Selbstbestimmung  als
objektive  äußere  Erziehungsmächte  heranzog,  die  sich

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