52  Aussprache.

gegen  einander  ausspielen  lassen,  und  das  entspricht  ja  durchaus  der
Anlage  der  ganzen  Tagesordnung.  Denn  wenn  die  nächsten  Vorträge
davon  sprechen:  welche  gesetzlichen  Einrichtungen  sind  notwendig?
so  wird  damit  der  Zwang  hervorgehoben.  Wenn  dann  der  zweite
Vortrag  von  den  Aufgaben  der  freien  Jugendvereinsarbeit  spricht,
so  kommt  darin  das  Moment  der  Freiwilligkeit  zur  Geltung.  Und
endlich  drittens  bringt  die  Jugendbewegung  das  Moment  der  Selbstbestimmung
  aus  dem  Jugendlichen  heraus  zur  Wirkung.  Also  entspricht
  die  Art,  wie  der  Vortrag  uns  gehalten  wurde,  ganz  gewiß  der
Anlage,  die  uns  in  der  Tagesordnung  gegeben  wird.  Es  ist  aber
auch  möglich,  dieses  Thema,  ich  möchte  sagen,  von  dem  innerpsychologischen
  Standpunkt  aus  zu  betrachten  und
Zwang,  Freiwilligkeit  und  Selbstbestimmung  als
Mächte  innerhalb  des  einzelnen  Subijekts,  das  der
Erziehung  untersteht,  in  Betracht  zu  ziehen.  Und  man  kommt  dann
auf  dasselbe  Ergebnis  hinaus.  Zwar  steht  es  dann  so,  daß  Zwang
und  Freiwilligkeit  keineswegs  in  einem  Gegensatze  stehen.  Sie  wissen,
welche  große  Bedeutung  die  Freiwilligkeit  bei  einem  Jugendlichen
hat,  wie  der  Jugendliche  eigentlich  darauf  brennt,  von  sich  aus  etwas
zu  tun  und  zu  leisten.  Mit  dieser  Freiwilligkeit  ist  aber,  ob  bewußt
oder  unbewußt,  beim  Jugendlichen  selbst  ein  Zwang  verbunden.
Freilich  kein  äußerer  Zwang,  sondern  ein  innerer  Zwang  durch
Ideen  oder  Suggestionen.  Bitte,  vergegenwärtigen  Sie  sich  einmal
die  Zeit  beim  Ausbruche  des  Krieges.  Das  Erleben,  das  wir  damals
hatten,  war  so  groß,  daß  zahllose  Menschen  kamen  und  sagten:  Hier,
wir  stellen  uns  zur  Verfügung,  wir  sind  da,  wir  wollen  freiwillig
etwas  tun.  Diese  Freiwilligkeit  war  wundervoll  bei  jungen  Mädchen,
jungen  Männern  und  bei  den  Alten,  es  war  ganz  gleich,  alle  wollten
etwas  tun.  Hinter  dieser  Freiwilligkeit  stand,  bewußt  oder  unbewußt,
ein  Zwang.  Die  Freiwilligen  sagten  im  Grunde  ihrer  Seele:  man
muß  doch  etwas  tun.  Es  stand  für  die  Freiwilligen  hinter  ihrer
Freiwilligkeit  entweder  eben  dies,  daß  der  Staat  da  ist,  daß  das
Vaterland  da  ist,  das  doch  geschützt  werden  muß,  daß  man  in  solcher
Zeit  nicht  müßig  sein  darf,  daß  das  einfach  pflichtwidrig  und  unwürdig
  ist.  Derartige  Ideen  standen,  ob  erkannt  oder  nicht  erkannt,
hinter  der  Freiheit  und  beeinflußten  die  Freiwilligkeit  auf  das  allerentschiedendste.
  So  sind  innerhalb  des  einzelnen  Subjekts  Zwang
und  Freiwilligkeit,  innerer  Selbstzwang  unter  dem  Einflusse  von
Ideen  oder  auch  von  Suggestionen  und  dadurch  bedingte  und  scheinbare
  Freiwilligkeit,  keine  Gegensätze.  Zwang  und  Freiwilligkeit
stehen  so  betrachtet  durchaus  in  einem  inneren  Verhältnisse  zu  einander,
  und  von  hier  aus  ergibt  sich  gerade  die  außerordentliche
  Aufgabe  für  alle  Jugendpflege,  diejenigen
Ideen  in  einer  jugendlichen  Seele  lebendig
werden  zulassen,  dieimstandesind,  die  Freiwilligkeit
  des  jungen  Menschen  in  entscheidender  Weise
zu  beeinflussen.  Machen  Sie  sich's,  bitte,  an  einem  andern
Beispiele  klar.  Wenn  an  der  Front  etwas  unternommen  werden  soll
und  der  Ruf  erschallt:  Freiwillige  vor!  so  meldet  sich  eine  Fülle  von