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Vorträge.

Welche  gesethichen  Eimichtungen  sind  für  die  Erziehung
der  Heranwachsenden  notwendig?
Von  Wirkl.  Geh.  Oberregierungsrat  Dr.  v.  Seefeld,  Berlin.

Meine  Damen  und  Herren!  Ich  bin  der  Aufforderung  der  Zentralstelle,
  für  meinen  leider  erkrankten  Kollegen  und  Freund  Herrn
Geheimen  Regierungsrat  Dr.  Kühne  die  Behandlung  des  Themas:
„Welche  gesetzlichen  Einrichtungen  sind  für  die  Erziehung  der  Heranwachsenden
  notwendig?“  zu  übernehmen,  gern  gefolgt,  obwohl  ich  mir
nicht  verhehlt  habe,  daß  zur  Behandlung  dieses  Themas  ein  Pädagoge
gewiß  berufener  wäre,  als  ein  Verwaltungsbeamter,  und  ich  muß,
ehe  ich  meine  Ausführungen  beginne,  einen  Vorbehalt  vorausschicken.
Ich  soll  ein  Thema  behandeln,  das  sich  mit  meinem  amtlichen  Arbeits.
gebiete  nahe  berührt.  Da  möchte  ich  im  voraus  bemerken,  daß  ich
hier  nicht  im  amtlichen  Auftrage  spreche,  sondern  nur  für  meine
Person,  und  daß  ich  mit  Absicht  und  Bewußtsein  in  meinen  Ausführungen
  Rücksichten  ausschalte,  die  bei  der  amtlichen  Behandlung
dieser  Frage  mitsprechen  müßten.  Ich  schalte  sie  aus,  um  die  grundsätzliche
  Seite  des  Themas  schärfer  herausarbeiten  zu  können.

Meine  Damen  und  Herren!  Als  im  Mai  1915  auf  dem  Kapitol
der  italienische  Ministerpräsident  Salandra  vor  seinem  Volke  und
vor  der  Welt  zu  rechtfertigen  suchte,  daß  sein  Land  gegen  seine  früheren
Verbündeten  in  den  Krieg  eintrat,  da  verstieg  er  sich  zu  der  Behauptung,
  daß  Italien  Deutschland  in  der  Kultur  um  20  Jahrhunderte
voraus  sei.  Ich  weiß  nicht,  ob  Signor  Salandra  in  dem  Augenblicke
gegenwärtig  war,  daß  nach  der  Statistik  von  1901  das  italienische
Volk  über  48%  Analphabeten  zählte,  während  nach  der  letzten  uns
zugänglichen  Statistik  schon  40  Jahre  vorher  im  Jahre  1871  in
Deutschland  nur  12  %  gezählt  wurden,  eine  Zahl,  die  inzwischen  nach
den  Aufnahmen  bei  den  Rekrutierungen;  ja  noch  ganz  bedeutend  herabgegangen
  ist.  Wir  sind  stolz  auf  dieses  Ergebnis,  das  wir  der  Eigenart
  unseres  Schulwesens,  dem  Schulzwange,  verdanken,  einem  Zwange,
der  in  unserem  Volke  sehr  fühlbar,  sehr  alt  und  sehr  ernst  durchgeführt
  ist,  einem  Zwange,  den  uns  merkwürdigerweise  unsere  Feinde
bei  der  eifrigen  Suche  nach  unseren  schlechten  Eigenschaften  noch
niemals  zum  Vorwurfe  gemacht  haben.  Ich  sagte  schon,  der  Zwang
ist  recht  alt.  In  seiner  jetzigen  gesetzlichen  Grundlage  beruht  er  für