88  Aussprache.

Kommission  einzusetzen,  die  sich  damit  befassen  sollte,  alles,  was  auf
dem  Gebiete  der  Jugendfürsorge  nur  irgendwie  auf  der  Welt  geschaffen
  ist,  zu  sammeln  und  aus  dem  Gesammelten  heraus  zum
Wohle  der  französischen  Jugend  ein  neues  Jugendgesetz  zu  machen.
Wenn  diese  Länder  das  zu  tun  vermögen,  so  wird  jedenfalls  für  uns,
wo  wir  doch  eben  die  Nachteile  unserer  Vielgestaltigkeit  beheben
möchten,  die  Notwendigkeit  vorliegen,  uns  mit  dem  Jugendgesetz
ein  wenig  näher  zu  befassen.  Gewiß  ist  es  richtig,  daß  es  als  eine
ungeheure  Aufgabe  erscheint,  aus  allen  Gebieten  dasjenige  herauszuziehen,
  was  irgendwie  auf  die  Jugend  Bezug  hat,  und  es  in  dieses
Jugendgesetz  hineinzubringen.  Aber  immerhin  möchte  doch  dieses
Ziel  uns  vorschweben,  möglichst  für  alle  Dinge,  wo  es  nur  irgend
gangbar  ist,  eine  Einheitlichkeit  zu  schaffen.  In  diesem  Sinne  haben
ja  schon  der  Wirkl.  Geh.  Admiralitätsrat  Felisch  und  Herr
Geh.  Justizrat  Dr.  Köhne  sich  seit  mehreren  Jahren  ausgesprochen
und  diesen  Gedanken  verfolgt.  Ich  erwähne  noch,  daß  im  Rahmen
des  allgemeinen  Fürsorgeerziehungstages  eine  Kommission  erwählt
worden  ist,  die  im  Verhältnisse  der  Fürsorgeerziehung  zum  Jugendgesetz
  alles  das  sammeln  soll,  was  für  dieses  Gebiet  verwertbar  sein
könnte.  So  möchte  ich  denn  wenigstens  heute  erwähnt  haben,  daß
das  Streben  nach  einem  einheitlichen  Jugendgesetze  für  das  deutsche
Reich  zum  mindesten  zu  empfehlen  ist.  Gewiß  wird  im  Streite  der
Meinungen,  im  Streite  der  Parteien,  im  Streite  der  Parlamente
manches  von  dem  Gedanken  wegfallen,  so  daß  nur  noch  ein  Torso
übrig  bleibt.  Aber  um  so  mehr  müssen  wir  nach  einem  einheitnccen
  Jugendgesetze  streben,  damit  wir  es  hoffentlich  auch  bald
erreichen.

Dr.  L.  Schiela,  München  (Verband  süddeutscher  katholischer
Jugendvereine):  Verehrte  Damen  und  Herren!  Drei  kurze  Gedanken
  lassen  Sie  mich  im  Namen  des  Süddentschen  Verbandes
der  katholischen  weiblichen  Jugendvereine  aussprechen.  Die  überaus
feinsinnige  Art  der  Referentin  hat  uns  schon  den  Gedanken  nahe
gelegt,  daß  die  Psyche  der  weiblichen  Jugend  dafür  maßgebend  sein
muß,  ob  man  sich  entscheidet,  eine  gesetzliche  Festsetzung  irgend  welcher
Maßnahmen  zu  fordern  oder  zurückzustellen.  Nun  aber  hat  gerade
das  halbe  Dienstjahr,  das  die  Referentin  im  Auge  hat,  uns  gezeigt,
daß  in  der  Hauptsache  die  weibliche  Jugendpflege  innerhalb  des
Familienkreises  zu  erfolgen  hätte,  ja,  daß  vielleicht  sogar  die
Hauptkraft  der  weiblichen  Jugendpflege  in  der  Stärkung  des
Familiensinnes  und  Familiengedankens  liegen  würde,  daß  die
Mütter,  daß  die  Väter  dafür  zu  sorgen  hätten,  dem  kleinen  Kinde
schon  und  insbesondere  den  heranwachsenden  Töchtern  den  Sinn  für
die  Mütterlichkeit,  den  Sinn  für  das  Hauswesen,  den  Sinn  für  das
deutsche  Heim  überhaupt  ins  Herz  zu  legen.  Und  das,  glaube  ich,
können  wir  aus  den  Worten  der  überaus  geistreichen  Darlegungen
der  Referentin  herausnehmen,  daß  das  eigentlich  ein  Ideal  ist,  das
wir  in  der  nächsten  Zeit  wohl  überhaupt  kaum  erreichen  können.
Aber  immerhin  wäre  es  erstrebenswert;  wir  müßten  suchen,  durch  die