Welchegesetzl.  Einrichtungen  sind  f.  d.  Erziehung  d.  Heranwachsenden  notwendig?  97

wird  sotzusagen  erst  die  Jugendoflege  in  ihrem  eigentlichen  Sinne,  in
ihrer  eigentlichen  Aufgabe  frei.

Zu  dem  Zwange  der  Pflichtfortbildungsschule  ein  ganz  kurzes
Wort!  Ich  will  Ihnen  erzählen,  wie  die  bayerische  Pflichtfortbildungsschule
  für  Mädchen  gedacht  ist,  und  Ihnen  daran  zeigen,  wie
das  Problem  —  ob  halbes  Dienstjahr  mit  hausmütterlichem  Unterricht
  unmittelbar  nach  der  Volksschule,  ob  eine  hauswirtschaftliche  Abteilung
  —  organisatorisch  etwa  in  der  Weise  zu  lösen  ist,  wie  das  für
Mädchen  vorgeschlagen  und  vorbereitet  ist.  Wir  haben  in  der  achten
Mädchenklasse  der  Volksschule  schon  eine  elementare,  selbstverständlich
gans  elementare  hauswirtschaftliche  Unterweisung  der  Mädchen.  Mit

em  Austritt  aus  der  Volksschule  erlangen  die  Mädchen  nun,  ich
möchte  sagen  die  Wahlfähigkeit  für  die  verschiedenen  Abteilungen.
Selbstverständlich  wird  es  gar  nicht  ohne  berufliche  Abteilungen
gehen,  da  hat,  glaube  ich,  Fräulein  Dr.  von  Harnack  absolut  die
Zukunftstechnik  des  Schulwesens  richtig  gesehen,  denn  es  wird  für  die
Mädchen  genau  so  gehen  wie  für  die  Knaben,  ob  wir  es  beklagen  oder
nicht.  Die  Frau  wird  in  steigendem  Maße  in  das  Erwerbsleben
hineingerissen,  und  für  sie  wird  der  Beruf  genau  so  Problem  werden,
wie  er  es  für  den  Mann  heute  schon  ist.  Infolgedessen  wird  auch  die
weibliche  Pflichtfortbildungsschule  im  ganzen  und  großen  auf  dem
Berufsprinzip  aufzubauen  sein.  Deswegen  hat  die  Münchener
Pflichtfortbildungsschule  für  Mädchen  drei  Abteilungen,  die  eben  im
großen  und  ganzen  mit  den  Berufen  korrespondieren,  wie  sie  von
weiblichen  Arbeitern,  von  weiblichen  Erwerbenden  ergriffen  werden:
den  kaufmännischen  Beruf,  die  einzelnen  Abteilungen  der  gelernten
Arbeit  und  die  Schichten  der  sogenannten  ungelernten  Arbeit.  Aber
nun  war  die  Schulverwaltung  der  Stadt  München  der  Ansicht,  wenn
schon  für  die  Pflichtfortbildungsschule  der  Berufszwang  grundlegend
organisationsbildend  ist,  bleibt  auf  der  anderen  Seite  doch  immer
die  Möglichkeit  und  besteht  die  Hoffnung,  daß  die  jungen  Mädchen  in
ihren,  wie  wir  uns  gewöhnlich  ausdrücken,  natürlichen  Beruf  als
Mutter  und  Frau  hineingeraten,  und  es  ist  doch  mit  die  Aufgabe  der
Schule  und  der  Fortbildungsschule,  sie  für  diesen  sogenannten  natürlichen
  Beruf  sich  auch  vorbereiten  zu  lassen.  Deshalb  gliedert  sich
unter  die  nach  Berufen  getrennten  Fachschulen  ein  für  alle  verbindlicher
  Unterbau.  Der  hauswirtschaftliche  Unterricht  ist  obligatorisch,
ist  verbindlich  für  die  drei  Fortbildungsschuljahre  der  Mädchen;
während  die  Mädchen  in  der  Fortbildungsschule  zum  Beispiel  als
Putzmacherinnen,  als  Schneiderinnen  oder  als  Kontoristinnen  für
ihre  Berufsausbildung  bestimmte  Kurse  besuchen,  die  einen  diese,  die
anderen  jene,  find  an  gewissen  Wochentagen  und  für  gewisse  Stunden
alle  Mädchen  in  der  Pflichtfortbildungsschule  vereinigt  für  die  hauswirtschaftlichen
  Fächer,  für  eine  allgemeine  Gesundheitslehre,  für  das
Einkaufen,  für  das  Durchdenken  der  Hauswirtschaft  als  Teil  der
allgemeinen  Volkswirtschaft.

Ich  wollte  Ihnen  diese  Tatsachen  hier  mitteilen.  Der  Grund,
weshalb  ich  mich  zum  Worte  meldete,  war  einerseits,  noch  einmal  das
Schriften  der  Zentralstelle  für  Volkewohlfahrt.  N.  F.  Nr.  12.  7