Welchegesetzl.  Einrichtungen  sind  f.  d.  Erziehung  d.  Heranwachsenden  notwendig?  99

werden  kann.  Die  Jugendpflege  soll  ja  nach  Ansicht  unserer  Kommission
  hauptsächlich  das  sein,  was  das  Wort  eigentlich  sagt,  eine  Einrichtung
  zur  Hebung  der  Jugend  in  sittlicher  Hinsicht,  eine  Pflege
der  Geselligkeit  und  der  Freude  unserer  Jugend.

Wirklicher  Geheimer  Oberregierungsrat  Dr.  v.  Seefeld:
Nachdem  Fräulein  Dr.  von  Harnack  die  Forderung  des  hauswirtschaftlichen
  Halbjahres  näher  begründet  hat,  möchte  ich  mir  erlauben,
ganz  kurz  meine  davon  abweichende  Forderung,  diese  Ausbildung  in
die  Fortbildungsschule  zu  legen,  gleichfalls  zu  erläutern.  Ich  glaube,
daß  ich  in  meinem  Vortrage  deutlich  genug  hervorgehoben  habe,
welchen  Wert  ich  auf  die  erzieherische  Aufgabe  der  Fortbildungsschule
lege.  Nun  glaube  ich,  daß  die  Lehrstunden,  die  wir  unter  der  Bezeichnung
  hauswirtschaftlicher  Unterricht  zusammmenfassen,  für  die  Erziehung
  deshalb  einen  ganz  besonderen  Wert  haben,  weil  es  sich  bei
der  Behandlung  dieser  Lehrstoffe  nicht  um  Buchunterricht  handelt,
sondern  um  Arbeitsunterricht,  um  gemeinschaftliche  Arbeit  von
Lehrerinnen  und  Schülerinnen.  Ich  kann  darauf  im  Augerblick  nicht
näher  eingehen.  Wenn  man  nun  diesen  Unterricht  in  ein  halbes
Jahr  verlegt,  das  sich  an  den  Besuch  der  Volksschule  anschließt,  so
entläßt  man  jungen  Mädchen,  die  mit  durchschnittlich  14  Jahren  in
den  Unterricht  eintreten,  mit  14½  Jahren;  ich  glaube,  daß  in  diesem
halben  Jahre  die  Mädchen  nicht  wesentlich  reifer  geworden  sind,  und
ich  bedauere,  daß  für  die  jungen  Mädchen  dann  dieser  wichtige  Erziehungsfaktor,
  der  in  dem  Arbeitsunterricht,  in  der  hauswirtschaftlichen
  Unterweisung  liegt,  wegfällt.  Deswegen  gebe  ich  den  Vorzug
dem  Unterricht  in  der  Fortbildungsschule,  die  sich  über  die  Jahre
hin  erstreckt,  in  denen  die  jungen  Mädchen  wirklich  zur  Reife  gelangen.
  Im  übrigen  ist  das  kein  Punkt,  über  den  wir  uns  entzweien
wollen.  Im  Gegenteil,  ich  wünsche,  daß  auf  beiden  Wegen  möglichst
bald  Versuche  angestellt  werden  und  daß  wir  recht  bald  in  der  Lage
sind,  uns  nicht  mehr  zu  unterhalten  über  das,  was  sein  sollte,  sondern
daß  wir  die  Erfahrungen  austauschen  können,  die  auf  den  beiden
Wegen  gesammelt  sind.

Fritz  Groh,  Leipzig  (Deutsche  Turnerschaft):  Meine  Herren!  Es
ist  seit  zehn  Jahren  um  die  Jugend  gestritten  und  gekämpft  worden.
Wenn  die  Jugend  die  Freiheit  richtig  gebraucht  hätte,  wären  wir
heute  nicht  hier  und  hätten  nicht  nötig  gehabt,  uns  über  diese  Frage
auszusprechen.  Also  einen  gewissen  Zwang  wollen  wir  ausüben;
es  fragt  sich  nur,  wie  dieser  Zwang  ausgeübt  werden  und  wie
die  Frage  im  allgemeinen  gesetzlich  geregelt  werden  soll.  Da
habe  ich  bei  allen  Erörterungen,  die  seit  Jahren  auch  hier  geführt
  werden,  den  Eindruck  bekommen,  daß  man  zwar  immer  Forderungen
  aufstellt,  aber  niemals,  besonders  in  unserer  jetzigen  schweren
Zeit  daran  gedacht  hat,  solche  Forderungen  nun  auch  durchzuführen
und  die  nötigen  Mittel  dazu  beizubringen.  Ich  stehe  seit  Jahren  sowohl
  im  Schulbetrieb  als  auch  im  Vereinsbetrieb,  und  wenn  ich  mir
überlege,  daß  wir  noch  lange  nicht  einmal  im  Schulwesen  soweit  sind

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