Welche  gesetzl.  Einrichtungen  sind  f.  d.  Erziehung  d.  Heranwachsenden  notwendig?  101

billiges,  gutes  und  auch  immerhin  ziemlich  sicheres  Mittel  hat,  die
Jugeend  auf  den  Weg  zu  führen,  auf  den  wir  sie  alle  geführt  wissen
en.

Fräulein  Anna  Schulze,  Berlin  (Kaufmännischer  Verband
für  weibliche  Angestellte):  Verehrte  Anwesende!  Ich  möchte
noch  einmal  auf  das  hauswirtschaftliche  Halbjahr  und  die  Berufsfachkurse
  der  Mädchen  zurückkommen,  und  zwar  aus  ganz  bestimmten
Gründen.  Wer  unsere  weibliche  Jugend  kennt  und  wer  gesehen  hat,
wie  ziel-  und  planlos  sie,  zum  großen  Teile  wenigstens,  ins  Leben
hinaustritt,  wer  zu  gleicher  Zeit  beobachten  konnte,  wie  die  Eltern
sich  selbst  noch  nicht  recht  klar  sind,  was  sie  nun  eigentlich  mit  den
Mädchen  anfangen  sollen,  der  wird  das  hauswirtschaftliche  Halbjahr
sehr  begrüßen,  damit  die  jungen,  sehr  schwächlichen  Kinder  zunächst
einmal  Gelegenheit  haben,  sich  etwas  zu  erholen  und  sich  selbst  zu  befinnen,
  was  sie  nun  eigentlich  werden  wollen.  Sie  werden  in  diesem
hauswirtschaftlichen  halben  Jahre  auch  gleich  feststellen  können,  ob  sie
sich  dem  hauswirtschaftlichen  oder  irgend  einem  anderen  Berufe  zuwenden
  wollen  oder  können.  Es  ist  bedauerlich,  zu  sehen,  wie  eine
ganze  Weile  herumprobiert  wird,  wie  erst  das  Eine  angefangen,  dann
wieder  fallen  gelassen  wird,  wie  dann  das  Zweite  versucht  und  auch
wieder  aufgegeben  wird.  Auf  diese  Weise  wird  eine  ganze  Menge
Zeit  nutzlos  vertan,  das  junge  Mädchen  gewöhnt  sich  daran,  immer
wieder  aufzugeben,  was  es  eben  angefangen  hat,  und  das  müssen
wir  auf  alle  Fälle  unterbinden.  Die  jungen  Mädchen  sollen  mit
festen  Plänen  und  Zielen  ins  Leben  hineingehen,  und  da  scheint  mir
das  hauswirtschaftliche  halbe  Jahr  durchaus  geeignet  zu  sein,  eine
Entscheidung  zu  treffen.

ber  die  körperliche  Kräftigung  ist  ja  schon  gesprochen;  sie  ist
durchaus  wichtig.  Gerade  unsere  weibliche  Jugend  hier  in  der  Großstadt
  —  von  der  kann  ich  hauptsächlich  sprechen,  weil  ich  sie  am  besten
kenne  —  ist  wirklich  oft  zu  schwächlich,  um  mit  14  Jahren  schon  gleich
in  eine  Lehre  oder  in  eine  sonstige  Berufsausbildung  einzutreten.
Ich  begrüße  aus  diesem  Grunde  die  ziemlich  starke  Inanspruchnahme
unserer  Vorbereitungsschulen  für  den  kaufmännischen  und  auch  für
den  gewerblichen  Beruf.  In  dieser  Vorbereitungszeit  werden  die
iungen  Mädchen  erzogen;  sie  können  sich  auf  sich  selbst  ein  bißchen
besinnen  und  treten  viel  gefestigter  in  das  Berufsleben  ein.

Verehrte  Anwesende!  Wir  wollen  uns  doch  die  Zeit  nach  dem
Kriege  einmal  etwas  vergegenwärtigen.  Es  wird  doch  so  sein,  daß
ein  großer  Teil  der  Mädchen,  die  heute  jung  aus  der  Schule  kommen,
oder  die  vielleicht  erst  17  oder  18  Jahre  alt  sind,  nicht  heiraten  werden,
sondern  daß  sie  zum  großen  Teile  im  Berufsleben  bleiben.  Wir
müssen  dafür  sorgen,  daß  diese  jungen  Mädchen  auch  eine  volle
Berufsbildung  bekommen  und  daß  sie  diese  volle  Berufsbildung  bekommen
  nicht  nur  in  der  Handelsschule,  wenn  sie  sich  die  leisten
können,  sondern  auch  in  der  Pflichtfortbildungsschule.  Die  Pflichtfortbildungsschule
  als  Berufsschule  hat  nach  meiner  Ansicht  einen
viel  größeren  Wert.  Sie  zeigt  den  Mädchen  in  der  Zeit,  wo  sie  im