102  Aussfprache.

Berufe  stehen,  daß  sie  nun  auch  wirklich  ihre  ganze  Kraft  einzusetzen
haben,  um  sich  in  diesem  Berufe  weiter  zu  bilden.  Sie  erzieht  sie  zur
Pflichterfüllung,  und  ein  Mensch,  der  zur  Pflichterfüllung  erzogen
ist,  der  erzogen  ist,  seinen  Beruf  ganz  zu  erfassen,  wird,  wenn  an  ihn
die  Möglichkeit  herantritt,  nun  in  eine  Ehe  hineinzugehen,  noch  den
hausmütterlichen,  hauswirtschaftlichen  Beruf  für  sich  in  Anspruch  zu
nehmen,  sich  auch  für  diesen  Beruf  gewiß  so  vorbereiten,  wie  er  es
gewöhnt  gewesen  ist,  sich  für  seinen  Erwerbsberuf  vorzubereiten.  Hat
er  dann  vorher  schon  eine  halbjährige  wirtschaftliche  Ausbildung
gehabt,  so  hat  er  eine  Grundlage,  auf  der  er  weiterbauen  kann.  Aus
diesem  Gesichtspunkte  heraus,  weil  wir  wünschen,  daß  die  berufstätige
  Frau  genau  so  vorgebildet  ist  wie  der  berufstätige  Mann,  daß
sie  mit  ihm  Schulter  an  Schulter  als  Kamerad  kämpfen  kann,  wünschen
  wir  eine  berufliche  Fachschule  mit  Ausschaltung  des  hauswirtschaftlichen
  Unterrichts.

Fräulein  Dr.  von  Harnack  (Schlußwort):  Meine  Damen  und
Herren!  Zunächst  fühle  ich  mich  mit  all  den  Diskussionsrednern  einig,
die  auf  die  Bemerkungen  und  die  Worte  aufmerksam  machten,  die  nicht
gefallen  sind.  Jeder  Referent  weiß,  wieviel  ihm  unter  den  Tisch  fällt,
wieviel  er  sich  abschneiden  muß,  wie  stark  er  seinen  Stoff  begrenzen
muß  und  daß  dabei  häufig  außerordentlich  Wertvolles,  was  er  nachher
gern  gesagt  hätte  oder  was  er  auch  gesagt  zu  haben  glaubt,  in  den

intergrund  tritt.  So  ging  es  mit  dem  Begriffe:  Pflicht,  Kontrolle,

wang,  so  ging  es  mit  dem  Rechte  auf  Spiel  neben  der  Arbeit,  so  ging
es  mit  der  großen,  uns  allen  am  Herzen  liegenden  Frage  religiöser
Erziehung  und  mit  der  Frage  der  ländlichen  Bevölkerung.  Wir  sind
alle  davon  durchdrungen,  daß  die  ländliche  jugendliche  Bevölkerung
hier  eine  besondere  Berücksichtigung  braucht,  daß  wir  Einrichtungen
schaffen  müssen,  die  gerade  auf  die  ländlichen  Verhältnisse  zugeschnitten
  sind.  Ferner  ist  es  natürlich  so  gemeint,  daß,  wenn  wir
um  ein  halbjähriges  Internat  bitten,  wir  diese  Internate  nicht  nach
Berlin,  Köln,  Düsseldorf  oder  Hamburg  verlegen  werden,  sondern
daß  wir  sie  aufs  Land  verlegen  müssen.  Ich  weise  hier  noch  einmal
auf  das  zurück,  was  ich  über  die  verheißungsvollen  Anfänge  gesagt
habe,  die  wir  in  dieser  Richtung  schon  haben.  Daß  wir  dankbar  sind
für  jeden  Versuch,  der  da  gemacht  wird,  noch  dazu,  wenn  unsere
jungen  Stadtmädchen  um  6  bis  16  Pfund  dabei  zunehmen,  ist  selbstverständlich-
  Diese  Anregungen  sind  für  die  Sache  ganz  außerordentlich
wertvo

Schwierig  ist  die  Sache  mit  der  hauswirtschaftlichen  Ausbildung.
Ich  muß  mich  da  auf  die  Linie  des  Herrn  Geheimrat  v.  Seefeld
begeben,  daß  es  wünschenswert  wäre,  es  würde  beides  probiert.  Daß
nach  einem  halbjährigen  hauswirtschaftlichen  Unterrichte  später  auch
manches  wieder  vergessen  wird,  darüber  ist  kein  Zweifel.  Ich  gebe
aber  doch  zu  bedenken,  daß  wir  dann  ein  halbes  Jahr  lang  Theorie
und  Praxis  gleichzeitig  betreiben  würden  und  dadurch  beides  sich
stark  befestigt,  ferner,  daß  wir  ein  halbes  Jahr  lang  den  Gedankenkreis
  der  Schülerinnen  auf  eine  Sache  konzentriert  haben,  und