Welche  gesetzl.  Einrichtungen  sind  f.  d.  Erziehung  d.  Heranwachsenden  notwendig?  103

endlich,  daß  wir  sie  ja  damit  schließlich  nur  in  den  Pflichtenkreis
einführen,  den  sie  meist  zu  Hause  schon  schlecht  und  recht  versorgt
haben.  Sollte  trotzdem  von  dem  halben  Jahre  noch  viel  vergessen
werden,  so  gibt  es  dagegen  ein  sehr  gutes  Mittel.  Man  macht  aus  dem
halben  Jahre  ein  ganzes  Jahr,  so  wird  weniger  vergessen  werden.

Dem  Lehrstellenversuche  stehe  ich  persönlich  außerordentlich  skeptisch
gegenüber.  Imnmnerhin  ließen  sich  auch  da  vielleicht  die  Versuche  noch
erweitern.

Auseinandersetzen  muß  ich  mich  aber  mit  einem  Redner,  der  geglaubt
  hat,  daß  ich  zu  wenig  von  der  Beteiligung  der  Frauen  in  der
Fortbildungsschule  und  in  der  Jugendpflege  halte.  Ich  glaube,  es
gibt  niemand,  der,  ich  möchte  sagen,  leidenschaftlicher  für  die  Beteiligung
  der  Frauen  auf  diesem  Gebiet  eintritt  als  ich.  Allerdings
glaube  ich,  hier  eine  kleine  Scheidung  machen  zu  müssen.  Ich  halte
es  nicht  für  wünschenswert,  daß  Damen,  die  weiter  nichts  mitbringen
als  eine  freundliche  Gesinmung  für  dieweibliche  Jugend,  jetztals  Freundinnen
  junger  Mädchen  irgendwie  verantwortlich  an  dieweibliche  Jugend
herangelassen  werden,  sondern  ichwürde  es  für  wünschenswerthalten,  daß
man  auch  an  diese  Arbeit  strenge  Berufs-  und  Fachanforderungen  stellt
und  daß  die  ehrenamtlich  Arbeitenden  in  Unterordnung  unter  die
berufsamtlich  Arbeitenden  das  Maß  von  gutem  Willen  von  Persönlichkeit,
  von  Bildung,  von  Idealismus  verwenden  sollen,  das  sie
irgendwie  aufbringen  können,  je  mehr,  je  besser:  Und  damit  komme
ich  zum  Schlusse  des  Schlußworts,  um  meinen  besonderen  Dank
Herrn  Hartmann  auszusprechen,  der  auf  das  hingewiesen  hat,
was  auch  ich  für  unerläßlich  halte,  den  Optimismus  und  den  Glauben
an  die  innere  Güte  und  den  inneren  Wert  unserer  Jugend.  Ich
glaube,  das  ist  der  Gedanke,  mit  dem  wir  scheiden  müssen,  daß  es  um
diese  Jugend  wert  ist,  zu  arbeiten,  wert  ist,  zu  ringen,  wert,  sie  zu
gewinnen,  sie  zu  erziehen  und  zu  führen.  Wenn  der  Erzieher  von
dem  Gedanken  ausgeht,  hier  sind  Werte,  hier  muß  ich  nicht  nur
ändern,  zügeln,  abdämmen,  beschneiden,  herunterdrücken,  sondern
hier  grünt  reiche  Saat,  reiche  Ernte  für  die  Zukunft,  dann  wird  ihm
die  Arbeit  unter  den  Händen  wachsen  und  gedeihen.