118  Dr.  med.  F.  A.  Schmidt.

wurden  als  Unterführer  herangezogen.  Etwas  über  zwei  Wochen
nach  Kriegsbeginn,  am  18.  August  1914,  wurden  für  die  Ubungen
dieser  Jugendwehren  bereits  „Richtlinien“  Lemeinsam  von  den
Ministern  des  Krieges,  des  Kultus  und  des  Innern  erlassen.  Da
bei  dieser  Vorbereitung  für  den  Heeresdienst,  entgegen  dem  Geiste
der  Richtlinien,  vielfach  der  an  den  Kasernenhof  erinnernde  soldatische
Drill  eine  übergroße  Rolle  spielte,  so  gab  1915  das  Kriegsministerium
noch  „Erläuterungen“  zu  den  „Richtlinien“  heraus,  wobei  der  Wert
allseitiger  Körperausbildung  erfreulicherweise  stärkere  Betonung  fand.
Ebenso  wurden  seitens  des  Kriegsministers  besondere  Wettübungen
vorgeschrieben,  die  neben  den  althergebrachten  volkstümlichen  und
turnerischen  Wettkampfarten  sowie  Wettspielen  im  vergangenen
Sommer  und  Herbste  in  allen  Landesbezirken  zum  Austrage  gebracht
wurden

Wenn  wir  nun  heute,  nach  nunmehr  2  ¼  jähriger  Dauer  des

Krieges,  uns  fragen,  inwieweit  nun  die  Wehrübungen  unserer  Jugend
von  Erfolg  gewesen  sind,  so  läßt  sich  bezüglich  der  Art  der  Vorübung
nach  zahlreichen  Zeugnissen  unserer  Offiziere  im  Felde  wohl  feststellen,
  daß  die  jungen  Soldaten,  die  einer  Wehrabteilung  angehörten
  und  dort  tüchtiges  leisteten,  sich  auch  im  Felde  durch  wertvolle
  soldatische  Eigenschaften  auszeichneten.  Sie  ertrugen  die  Beschwerden
  der  Märsche  und  des  Schützengrabendaseins  leichter  als
die  früher  ungeübten;  sie  zeichneten  sich  aus  durch  schnelles  Einleben
in  die  Heeresdiseiplin,  durch  Anstelligkeit,  Gewandtheit  und  Kühnheit.
  Das  mußte  ja  auch  erwartet  werden.
Ziumweifellos  hat  die  ganze  Arbeit,  die  zur  Vorbereitung  der  kurz
vor  dem  wehrfähigen  Alter  stehenden  Jugend  geschah,  zur  Erhöhung
der  Wehrkraft  und  Schlagfertigkeit  der  neu  eingestellten  Rekruten
großen  Wert  gehabt.  Wir  wollen  nicht  außer  Acht  lassen,  daß  in  den
verflossenen  zwei  Kriegsjahren  neben  vielen  Einzelnen  doch  schon
zwei  gange  Jahrgänge  zum  Heere  einberufen  wurden  und  nachrückten
und  daß  diese  wenigstens  zum  Teile  in  solchen  Wehrkompagnien  vorgebildet
  waren.  Das  bam  also  bereits  unmittelbar  unserem  kämpfenden
  Feldheere  zugute.

Wir  dürfen  es  ferner  als  einen  dauernden  Gewinn  für  die  körperliche
  Erziehung  unserer  Jugend  buchen,  daß  durch  den  militärischen
Einschlag  in  unser  Turnwesen,  wie  ihn  die  „Richtlinien“  sowie  die
„Erläuterungen“  des  Kriegsministeriums  brachten,  den  Leibesübungen
  in  freier  Luft  eine  wirksame  Belebung,  ja  eine  tatsächliche
Bereicherung  zuteil  wurde,  die  sich  von  eitler  und  leerer  Soldatenspielerei
  durchaus  fernhielt.  Das  wird  für  unsere  nachwachsende
Jugend  noch  lange  Jahre  hindurch  ein  schönes  Erbe  und  ein  stolzer
Nachklang  sein  an  die  große  Zeit,  die  unser  Vaterland  durchlebt
und  durchharren  muß.

Fragen  wir  uns  aber  nun,  ob  das  vaterländische  Empfinden
unserer  Jugend  selbst  angesichts  solchen  ungeheuren  Erlebens  hinreichte,
  um  eine  auf  dem  Grundsatze  der  Freiwilligkeit  aufgebaute,
von  Staat  und  Gemeinde  reichlich  geförderte  und  unterstützte  sowie
von  steter  allgemeiner  Teilnahme  begleitete  Einrichtung  auf  der  Höhe