Pflichtmäßige  Leibeshhungen  an  der  Fortbildungsschule.  119

zu  halten,  so  daß  der  Jungmanne  sich  vor  seinen  Altersgenofsen
schämen  mußte,  wenn  er  nicht  mittat  —  so  müssen  wir  leider  diese
Frage  mit  nein  beantworten.  Aus  allen  Gegenden  unseres  Reiches
müssen  wir  hören,  daß  die  Zahl  der  Mitglieder  der  Wehrabteilungen
oder  Wehrkompagnien  nicht  der  Zahl  der  Jungmannen  aus  der
Altersstufe  über  16  Jahre  E3  ja  daß  die  Gesamtstärke  der
Wehrkompagnien  viekach  rabgegangen  ist.  An  Stelle  der  inzwischen
  zum  Heere  gellack,  heral.  hat  sich  nicht  der  erforderliche  nachrückende
  frische  Ersatz  bereitfinden  lassen.  Die  Klage  darüber  ist  eine

ine,  und  es  ist  nur  ein  Beispiel  unter  vielen,  wenn  etwa  aus
München  berichtet  wird,  die  Gesamtstärke  der  dortigen  Wehrkompagnien,
  die  anfänglich  an  2000  betrug,  sei  nach  und  nach  auf  kaum  800
zurückgegangen  —  während  es  an  10  000  sein  müßten!  Nur  an  einzelnen,
  namentlich  kleineren  Orten,  wo  besonders  tüchtige  und
energsche  Männer  an  der  Spitze  stehen,  ist  der  Bestand  unvermindert
geblieben

Diese  Erfahrungen  führten  in  einer  Anzahl  von  Städten  dazu  —
auch  meine  Heimatstadt  Bonn  ist  darunter  —,  daß  von  Seiten  der
Fortbildungsschule  Wehrübungen  für  die  Schüler  über  16  Jahre
eingeführt  wurden.  Meist  wurde  jeder  zweite  Sonntag  für  Folche
Übungen  bestimmt.  Säumige,  die  ohne  Entschuldigung  fehlen,
werden  einfach  mit  Geldstrafen  Welegt.  Die  Zulässigkeit  dieser  Art
von  Bestrafung,  die  ja  an  den  Fortbildungsschulen  überhaupt
gang  und  gäbe  ist,  wurde  durch  Gerichtsentscheidung  auch  für  die
Wehvrübungen  am  Sonntag  Nachmittag  ausdrücklich  anerkannt.  Hier
hat  sich  also  von  selbst  der  Zwang  als  notwendig  geltend  gemacht,  da
der  Grundsatz  der  Freiwilligkeit  sogar  bei  einer  derart  wichtigen
vaterländischen  Sache  scheiterte.  —

Die  Einführung  der  Wehrübungen  zog  aber  noch  eine  Reihe
anderer  Folgen  unerfreulicher  Art,  wenn  auch  unbeabsichtigt,  so  doch
naturnottvendig  mit  sich.  Zunächst  bewirkte  die  Heranziehung  der
Jungmannen  erst  vom  16.  Lebensjahr  an,  daß  die  Übungen  der
Ingend  vom  14.  bis  16.  Jahre  mehr  und  mehr  in  Verfall  gerieten.
Man  iüberließ  diese  Altersklasse,  da  sie  für  die  militärischen  Vorübungen
  noch  nicht  in  Betracht  kam,  mehr  sich  selbst.  Der  Rückgang
in  der  Stärke  der  Wehrkompagnien  ist  wohl  zum  Teile  darauf  zurückzuen
  der  Nachwuchs  hatte  sich  eben  zu  sehr  jeder  *.
entwö

Weiterhin  erlitten  die  längst  vorhandenen  und  vielfach  in  großer
Blüte  stehenden  Jugendabteilungen  der  Turn.,  Spiel=  und  Sportvereinigungen
  großen  Schaden,  ja  kamen  vielfach  in  Verfall.  Eine
Ursache  dafür,  die  allerdings  mit  den  Wehrkompagnien  nichts  zu  tun
hat,  habe  ich  bereits  angeführt.  Das  ist  die,  daß  die  Leiter,  Lehrer
und  Vorturner  dieser  Abteilungen  zum  Heere  einberufen  wurden  und
daß  Ersatz  von  älteren  Turn-  und  Spielwarten  oder  Vorturnern
namentlich  in  kleineren  Vereinen  kaum  zu  stellen  war.  Dann  aber
hatten  es  sich  die  verschiedenen  Vereine  gleich  mit  Kriegsbeginn  zur
selbswerständlichen  Ehrenpflicht  gemacht,  ihre  ganzen  Jugendabteilungen
  als  solche  in  die  Wehrkompagnien  einzureihen,  deren

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