124  Dr.  wed.  F.  A.  Schmibt.

und  fakultativem  Turnen  haben.  Auffallend  ist,  daß  die  Turnpflicht
nur  in  drei  Großstädten,  nämlich  München,  Straßburg  und  Schöneberg,
besteht,  im  übrigen  sind  es  nur  mittlere  und  kleinere  Gemeinden,
welche  die  Einrichtung  bei  sich  durchführten.  Auf  die  weiteren  wertvollen
  Ecgebnisse  der  Erhebung  —  sie  ist  im  Jahrbuche  1913  für  Volksund
  Jugendspiele  veröffentlicht  —  kann  ich  hier  nicht  eingehen.

Es  ist  aber  erfreulich,  aus  allen  diesen  Ziffern  zu  sehen,  wie  der
Gedanke  begonnen  hat,  sich  Bahn  zu  brechen.  «

Gleichwohl!  Wenn  wir  einen  Augenblick  annehmen,  durch  Reichs.
gesetz  würde  an  allen  Fortbildungsschulen  geeignete  Körperpflege  und
würden  regelmäßige  Ubungen  für  alle  Schüler  pflichtmäßig  eingeführt
  und  es  würde  zugleich,  um  die  Allgemeinheit  der  vaterländischen
  Jugend  zu  erfassen,  das  Fortbildungsschulwesen  allgemein
entsprechend  erweitert  —  wäre  damit  ein  zufriedenstellender  Zustand
unseren  Wünschen  gemäß  erreicht?  Z

Ich  glaube  leider  diese  Frage  verneinen  zu  müssen.  Zuvörderst
aus  dem  Grunde,  weil  den  Fortbildungsschulen  zur  Durchführung
pflichtmäßiger  Leibesübungen  in  den  meisten  Fällen  schon  nicht  die
nötigen  Einrichtungen  —  Hallen  und  Plätze  —  zur  Verfügung  stehen.
Sodann  aber  fehlen  ihnen  zur  Leitung  der  Ubungen  die  nötigen
Lehrkräfte.  Die  Lehrerschaft  der  Fortbildungsschulen  setzt  sich  in
der  Regel  zusammen  aus  Fachlehrern  und  früheren  Volksschullehrern.
Von  diesen  haben  die  letzteren  wenigstens  eine  gewisse  turnerische
Vorbildung  und  vordem  Turnübungen  geleitet,  wenn  auch  nicht
gerade  solche,  die  für  die  Altersstufe  von  14  bis  17  Jahren  passend
sind.  Manche  Lehrer  sind  allerdings  durch  ihre  Zugehörigkeit  zu
Turn-  oder  Sportvereinen  besonders  geeignet  —  aber  diese  können
und  wollen  doch  nicht  ausschließlich  als  Turnlehrer  tätig  sein.  Bei
einer  größeren  städtischen  Fortbildungsschule  mit  1500  bis  2000
Schülern  und  Schülerinnen  ist  aber  die  Zahl  der  Ubungsstunden
—  sollen  die  Turnklassen  nicht  über  alles  Maß  groß  sein  —  eine
derart  große,  daß  da  mehrere  Fachlehrer  und  lehrerinnen  nötig  sein
würden.

Um  den  so  entstehenden  hohen  Kosten  einigermaßen  zu  entgehen,
hat  man  an  den  Fortbildungsschulen,  die  Turnen  und  Spiele
oder  in  den  letzten  beiden  Jahren  Wehrübungen  einführten,  sich
auf  verschiedene  Weise  Hilfskräfte  heranzuziehen  versucht.  So  hat  man
sich  an  verschiedenen  Orten,  wo  eine  Garnison  vorhanden  war,  Unteroffiziere
  oder  Gefreite  vom  Ersatztruppenteil  erbeten.  Dem  ist  man
seitens  der  Heeresverwaltung,  soweit  es  sich  ermöglichen  ließ,  gern
entgegengekommen.  Ein  unerfreulicher  Zustand  ist  dabei  von  vornherein
  der,  daß  diese  Leute  durch  Ab-  und  Umkommandierungen  sehr
oft  wechseln.  Vor  allem  aber  sind  diese  Leute  auch  beim  besten  Willen
mur  in  Ausnahmefällen  gut  geeignet:  sie  beherrschen  nicht  den
Übungsstoff,  der  für  diese  Altersstufe  in  Betracht  kommt,  und  wissen
nicht  immer  in  der  richtigen  Weise  mit  den  Lehrlingen  umzugehen.
Das  militärische  Turnen,  so  wie  es  ihnen  geläufig  ist,  ist  für  die
Schüler  von  14  bis  17  Jahren  in  seinen  Formen  zu  dürftig:  die
Jungen  langweilen  sich  dabei.  Letzteres  ist  namentlich  dann  der