196  Dr.  med.  F.  A.  Schmidt.

bompagnie  n,  habe  ich  bereits  erwähnt.  1912  befanden  sich  in  unseren
Fortbi  nasschulen  1  116  000  Schüler  und  130  000  Schülerinnen.
Daß  die  Vereine  der  Deutschen  Turnerschaft  und  die  Vereine,  welche
in  ähnlicher  Weise  Leibesübungen  betreiben,  diese  Menge  bei  ihren
ietzigen  Einrichtungen  aufnehmen  und  erfolgreich  unterrichten  können,
ist  einfach  ausgeschlossen.  Mögen  einzelne  gutgeleitete  große  städtische
Vereine  auch  noch  die  doppelte  Anzahl  des  bisherigen  Standes  und
womöglich  selbst  die  dreifache  Zahl  übernehmen  können  —  weiter
reichen  ihre  Lehrkräfte  keinesfalls.

Die  Lösung  der  Frage  ist  meines  Erachtens  nur  möglich  auf  dem
Wege,  den  die  Stadt  Lüdenscheid  in  Westfalen  schon  seit  acht  Jahren
also  bereits  vor  Beginn  des  Krieges  beschritten  hatte:  Das  ist  die
gemeinsame  Arbeit  der  Fortbildungsschule  mit  den
freien  Vereinen.

Danach  hat  die  Fortbildungsschule  als  solche  zunächst  für  ihre
Schüler  und  Schülerinnen  Turn-  und  Spielstunden  einzurichten.  Der
Schüler  behält  aber  die  Freiheit,  der  Jugendabteilung  eines  Vereins
beizutreten  und  kann  dafür  von  der  Teilnahme  an  den  Veranstaltungen
  der  Schule  entbunden  werden.  In  Lüdenscheid  hat  sich  die
Sache  so  verteilt,  daß  —  in  runden  Ziffern  —  von  1000  Fortbildungsschülern
  etwa  600  in  Turn-  und  Sportvereinen  turnen,  200  in  den
neugegründeten  Turnabteilungen  konfessioneller  Jugendvereine  und
die  übrigen  200  den  Turnabteilungen  der  Fortbildungsschule  selbst
verbleiben.  Diese  Angaben  entnehme  ich  dem  Buche  von  Wilhelm
Winter:  „Der  Weltkrieg  und  die  Leibesübungen“  (Leipzig  und  Wien
1916,  A.  Pichlers  Wwe.  &amp;  Sohn).  Wilhelm  Winter,  ein  alter
treuer  Kämpe  für  die  deutsche  Turnerei,  führt  in  seiner  Schrift  zwar
etwas  einseitig  und  breit  seine  gegensätzliche  Stellung  zum  Sporte
aus.  Dagegen  macht  dieser  sein  praktischer  Vorschlag,  der  bereits  seit
acht  Jahren  erprobt  ist,  die  warmherzig  geschriebene  Schrift  zu  einer
hervorragend  bemerkenswerten  unter  der  Flut  von  Büchern  und  Aufsätzen,
  die  sich  in  jüngster  Zeit  mit  der  Frage  der  Erziehung
unserer  Jugend  zur  Wehrhaftigkeit  beschäftigen.

Die  Vorteile  dieser  Lösung  der  Frage  liegen  auf  der  Hand.
Einerseits  bleibt  die  Fortbildungsschule  selbst  das  Rückgrat  für  die
pflichtmäßige,  alle  Schüler  und  Schülerinnen  von  14—17  Jahren
umfassende  körperliche  Erziehung,  andererseits  wird  aber  die
drohende  schwere  Beeinträchtigung  der  Jugendvereine  vermieden.
Es  bleibt  bestehen  der  Zwang  —  aber  er  wird  gemildert  durch  die
Möglichkeit,  db  die  Schüler  nach  freier  Wahl  ihre  Ausbildung  in
köürperlichen  übungen  im  Rahmen  eines  der  Vereine  erhalten,  die
dazu  zugelassen  sind.

Denn  darüber  kann  allerdings  kein  Zweifel  herrschen:  in  Frage
können  nur  solche  Vereine  kommen,  von  denen  feststeht,  daß  sie  hinsientlich
  der  körperlichen  Ausbildung  einen  vollwertigen  Ersatz  für  die

Ubungsstunden  in  der  Fortbildungsschule  selbst  zu  bieten  vermögen.
Es  müssen  Vereine  sein,  denen  die  nötigen  Übungsstätten  —  Hallen
und  Plätze  —  mit  ihren  Einrichtungen,  wenn  auch  nur  mietweise,  so
doch  gesichert  zur  Verfügung  stehen.  Die  Bereine  müssen  in  aus-