Pflichtmäßige  Leibesübungen  an  der  Fortbildungsschule.  129

sich  fortlaufend  zu  überzeugen,  daß  die  Unterweisung  der  Jugendichen
  dabei  den  Anforderungen  entspricht  und  nutzbringend  vor  sich
geht.  Übrigens  gibt  es  daneben  noch  eine  weitere  und  wirksame
Probe  der  geleisteten  Arbeit  an  der  körperlichen  Ausbildung  der
Jugend:  nämlich  das  Ergebnis  der  mindestens  einmal  im  Jahre
stattfindenden  Vorführungen,  der  Wettspiele  und  der  Wettkämpfe
der  gesamten  Jugend  dieser  Altersstufe.  Solche  Vorführungen
rüstiger  Jugend  bestehen  übrigens  unter  dem  Namen  „vaterländische
Festspiele“  auf  Anregung  des  Zentralausschusses  für  Volks-  und
Jugendspiele  in  vielen  Städten  schon  seit  Jahren.  Hier  zeigt  sich  am
ehesten,  wie  gearbeitet  und  welche  Höhe  der  Ausbildung  bereits  erreicht
  ist.  ob  die  Art  der  Ausbildung  auch  den  Anforderungen  an  die
Wehrhaftigkeit  der  Jugend  entspricht  und  ob  in  den  Abteilungen  ein
frischer  turnerischer  Geist  lebt.  Ob  diese  oder  jene  Abteilung  z.  B.
im  Wettspiele  mit  so  und  so  viel  Punkten  oder  Toren  Sieger  geworden
  ist,  das  machts  nicht  aus.  Auch  wenn  beide  Spielparteien
nichts  Rechtes  können,  kommt  doch  eine  schließlich  als  „Sieger“
heraus.  Erst  wenn  auch  gut  geschulte  Mannschaften  auf  dem  Platze
sind,  dann  gewahrt  man  sofort  den  Unterschied.  So  spielkundig  ist
aber  unsere  Jugend  schon  heute  geworden,  daß  sie  wohlerworbene  von
Zufallssiegen  genau  zu  unterscheiden  weiß.  Das  Hinarbeiten  auf
solche  allgemeine  Veranstaltungen  für  die  ganze  Ortsjugend  mit  allüberall
  gleich  gehandhabten  Wettkämpfen  und  denselben  Wettspielen
usw.  sichert  aber  auch  für  die  Abteilungen  der  Fortbildungsschule  wie
der  Vereine  die  wünschenswerte  Einheitlichkeit  in  den  Zielen.  Einheitlichkeit
  —  aber  nur  keine  Schablone  möchten  wir  für  die  Übungsplätze
  unserer  heranwachsenden  Jugend.  Möchten  wir  behütet  bleiben
vor  amtlichen  Leitfäden  mit  Vorschriften,  die  das  freie  vielgestaltete
Schaffen  ertöten.  Längst  besitzen  wir  Dank  der  Arbeit  der  freien
Vereine  für  Leibesübungen  einen  ausgezeichnet  durchgearbeiteten
Übungsstoff  für  unsere  Jugend:;  die  „Richtlinien“  und  „Erläuterungen“
  des  Kriegsministeriums  haben  uns  dazu  treffliche  allgemeine
  Arbeitsziele  gegeben.  Wer  sich  außerdem  noch  Rats  erholen
will  in  der  immer  mehr  anschwellenden  Fülle  von  Übungsbüchern  für
die  militärische  Jugenderziehung,  der  mag  es  tun.  Nach  dem,  was
ich  davon  gesehen,  habe  ich  allerdings  den  Eindruck,  als  ob  deren  Verfasser
  oft  nette  und  wohlgesinnte  Leute  sind  —  aber  schlechte  Musikanten.
  Indes  es  liegt  mir  fern,  damit  hier  in  Bausch  und  Bogen
eine  Kritik  auszuüben.  Dafür  halte  ich  mich  auch  nicht  berufen.  Mir
kommt  es  nur  darauf  an,  daß  man  uns  mit  einer  alleinseligmachenden
Schablone  verschont.  Was  verschlägt  es,  wenn  in  dem  einen  Landstrich
  unseres  Vaterlandes  dieses,  in  dem  anderen  jenes  Spiel  bevorzugt
  wird,  wenn  man  nur  überall  versteht,  die  besonderen  Ubungswerte
herauszuholen,  die  in  einem  guten  Spiele  stecken.  In  den  Städten
erfreuen  wir  uns  der  wohlausgerüsteten  Turnhallen  und  haben  oft
überweit  entlegene  Plätze;  auf  dem  Lande  stehen  uns  nur  bescheidene
Turnstätten  zur  Verfügung,  und  doch  kann  man  sich  auch  hier  ganz
gut  helfen,  um  in  Übung  und  Spiel  ein  frisches  Jugendturnen  aufblühen
  zu  sehen.  Eine  frische,  kraftvolle,  gesunde  Entwicklung  anseres
Schriften  der  Zentralstelle  für  Volkswohlfahrt.  N.  F.  Nr.  13.