130  Dr.  med.  F.  A.  Schmidt.

Nachwuchses,  wie  wir  alle  sie  erwünschen,  ist  nicht  etwa  an  die  Bewältigung
  bestimmter  Ubungen  an  Reck,  Barren  oder  Pferd  gebunden,
  auch  nicht  an  kunstvolle  Reigentänze  und  an  vornehmes
Getue  in  sogenannter  ästhetischer  Gymnastik.  Aber  Laufen,  Springen
nach  Höhe  oder  Weite,  Hindernisse  überwinden,  Werfen,  Klettern,
Schwimmen,  durch  Wald  und  Flur  streifen  und  mit  scharfen  Sinnen
erfassen,  was  es  da  draußen  alles  zu  schauen  und  zu  bemerken  gibt:
das  muß  unsere  Jugend  können.  Nicht,  als  wollte  ich  die  eigentlichen
  turnerischen  Ubungen,  namentlich  wo  sie  zu  frischem  Wagemute
heranbilden,  etwa  unterschätzen.  Aber  wir  haben  doch  wohl  gelernt,
sie  auch  nicht  zu  überschätzen.

So  wünschen  wir  denn  unserer  gesamten  Jugend,  nicht  nur  dem
Bruchteile,  dem  es  durch  glückliche  Sinnesrichtung  und  Körperentwicklung
  ein  innewohnendes  Bedürfnis  ist,  die  jungen  behenden
Glieder  zu  recken  und  zu  strecken,  nein  auch  der  großen  Menge  von
lässigen  Bequemlingen,  von  Blasierten  oder  gar  von  Schwächlingen,
den  nötigen  heilsamen  Zwang  zu  gesunder  Körperpflege.  Es  ist
eine  törichte  Vorstellung,  als  könnte  damit  der  Geistespflege,  der
Freude  an  tüchtigem  Wissen  und  Können  irgendwie  Abbruch  getan
werden.  Ganz  im  Gegenteil!  Der  Junge  oder  das  Mädchen,  das  in
sich  den  Drang  fühlt,  immer  dabei  zu  sein,  wo  es  etwas  zu  leisten
gilt  im  Leben,  will  aber  eben  nirgendwo  hintenanstehen,  nicht  in  der
Berufsarbeit  und  dem,  was  es  da  zu  lernen  gibt,  und  nicht  auf  dem
Uhbungsplatze,  wo  sich  die  jungen  Kräfte  froh  miteinander  messen!
Der  Sportfex,  dessen  ganzes  Sinnen  und  Trachten  nur  der  Steigerung
  und  Zurschaustellung  seiner  körperlichen  Leistungen  gilt,  ist  ein
ebenso  trauriges  Gewächs  wie  der  berufliche  Streber,  dem  schon  in
jungen  Jahren  alle  Lebensfreude  erlischt  im  einseitigen  Denken  und
Tun  als  trister  Philister  nur  für  die  Alltagsarbeit  und  das  Alltagsdasein
  mit  seinen  engen  und  kleinlichen  Sorgen  und  Pflichten.

Aber  gut!  Dem  Erwachsenen  haben  wir  Vorschriften  nicht  mehr
zu  machen  —  mag  er  sich  sein  Dasein  zurechtzimmern,  wie  es  ihm  und
seiner  Sinnesart  am  besten  paßt  —  der  Jugend  aber,  die  noch  in  der
Entwicklung  steht  und  damit  erst  an  der  Schwelle  der  Mündigkeit,
der  müssen  wir  die  rechten  Wege  weisen,  damit  dem  Vaterlande  der
Nachwuchs  herangezogen  werde,  den  es  braucht,  um  in  der  Welt  allüberall
  zu  bestehen,  sei  es  mit  dem  Schwerte  in  der  Faust,  sei  es  in
den  Arbeiten  des  Friedens.

Wenn  wir  also  so  weit  gehen,  für  die  körperliche  Erziehung
unseres  Nachwuchses  in  den  Jahren  von  14—17  allgemeine  Pflicht
oder  Zwang  zu  fordern  —  wie  solcher  an  den  höheren  Schulen  für
die  gleichaltrigen  Schüler  schon  längst  besteht  —und  wenn  wir  zum
Träger  dieser  großen  Aufgabe,  zur  Hebung  der  Wohlfahrt  unseres
Volkes  die  Fortbildungsschule  machen,  so  wollen  wir  damit  doch  nicht
den  wertvollen  Besitz  verkümmern  lassen,  den  wir  bereits  in  der
selbstlosen  Arbeit  unserer  Turnjugend,  unserer  Jugendvereine  und
wie  sie  alle  heißen  mögen,  mit  Stolz  den  unseren  nennen.  Diese  freiwilligen
  Hilfskräfte  gilt  es  auch,  fürder  dem  Ganzen  unserer  Jugenderziehung
  in  rechter  Weise  dienstbar  zu  machen.  Daß  sich  dem  an