138  Aussprache.

Presse  angewiesen;  sie  schreiben  oft  recht  hübsch  für  die  Zeitungsleser,
aber  von  den  Behörden  hören  sie  dann  immer  nur  das  Wort:  Zu
spät!  Diese  beiden  Wünsche  wollte  ich  hier  nur  vortragen.  Weiter
habe  ich  hier  z.  Z.  nichts  zu  sagen.

Geheimer  Regierungsrat  Rahm,  Arnsberg  (Bezirksausschuß
für  Jugendpflege,  Arnsberg):  Meine  hochverehrten  Damen  und
Herren!  Bei  der  Kürze  der  Zeit  ist  es  mir  leider  nicht  möglich,
Ihnen  alles  das  zur  Sache  zu  sagen,  was  ich  als  Jugendpflegedezernent
  im  drittgrößten  Regierungsbezirk  Preußens  mit  seinen
rund  2  600  000  Einwohnern  und  mit  seinem  Hochstande  der  Jugendpflege
  zur  Frage  einer  Neuordnung  der  Jugendpflege  unter  Anwendung
  von  Zwangsmaßnahmen  eigentlich  ausführen  zu  müssen  geglaubt
  habe.  Wenn  ich  überhaupt  das  Wort  genommen  habe,  so  ist
es  aus  der  Besorgnis  heraus  geschehen,  daß  tatsächlich  vielleicht  Maßnahmen
  ergriffen  werden  könnten,  die  nicht  zu  dem  führen  möchten,
was  wir  als  brauchbar  anerkennen.  Vorauszuschicken  und  festzuhalten
ist,  daß  die  allgemeine  Jugendpflege  den  ganzen  jungen  Menschen
erfassen  soll,  während  die  militärische  Vorbereitung  vorwiegend  auf
die  körperliche  Förderung  mit  militärischem  Einschbage  Wert  legt.

Sodann  bemerke  ich,  daß  ich  grundsatzlich  für  die  Freiwilligkeit  der
Jugendpflege  im  Fischerschen  Sinne  im  weitestgehenden  Maße  eintrete.
  Eine  Ausnahme  allerdings  —  auch  da  stimme  ich  zu  —  ist
die  allgemeine  Fortbildungsschule  und  in  Verbindung  damit  die  gesundheitliche
  überwachung  der  Jugend.  Daß  auch  für  letztere  der
Herr  Referent  aus  dem  Handelsministerium  eingetreten  ist,  muß
dankbar  festgehalten  werden.  Wir  haben  solche  —  durch  den  Krieg
leider  etwas  beeinträchtigte  —  Überwachung  bereits  seit  1914,  und
wer  sich  dafür  interessiert,  möge  das  in  der  Buchhandlung  von  I.
Stahl  in  Arnsberg  i.  W.  zum  Preise  von  1,50  erschienene  und
vom  Arnsberger  Bezirksausschusse  herausgegebene  Buch  nachlesen:
„Gesundheitliche  überwachung  der  schulentlassenen  männlichen  und
weiblichen  Jugend“.  Es  ist  übrigens  auf  S.  221/2  der  Nr.  15  der
Zeitschrift  „Körper  und  Geist“  vom  1.  November  1916  sehr  günstig
besprochen  worden.

Was  nun  die  militärische  Vorbereitung  der  Jugend  anlangt,  so
befürworte  ich  folgendes:  Wenn  diese  Vorbereitung  entgegen
  der  militärischen  Absicht  auch  noch  nach  dem
Feldzuge  weiter  fortgeführt  werden  soll,  so  muß
eine  scharfe  Trennung  zwischen  der  militärischen
Vorbereitung  der  Jugend  und  der  allgemeinen
Jugendpflege  eintreten.

Auf  eine  eingehende  Begründung  dieses  Standpunkts  will
ich  hier  verzichten  und  nur  auf  meinen  Jahresbericht  für
1915/1916  Bezug  nehmen,  der  abgedruckt  werden  wird  in
der  Nr.  1  des  Jahrganges  1917  der  von  unserer  „Zentralstelle  für
Jugendpflege  im  Regierungsbezirk  Arnsberg  in  Dortmund,  Stadthaus,
  Nikolaistraße  2“  herausgegebenen  „Mitteilungen“.  Des  weiteren
  muß  ich  Bezug  nehmen  auf  meinen  Vortrag,  den  ich  über  unsere