Welche  Aufgaben  sallen  der  freiwilligen  Jugendvereinsarbeit  zu?  145

im  Dienste  der  körperlichen  Ausbildung  der  Jugend  mit  heranzuziehen.
  Woher  will  die  Fortbildungsschule  die  Lehrkräfte  für  einen
gedeihlichen,  fröhlichen,  begeisternden  Turnunterricht  nehmen?  Nach
dem  Vorschlage  Schmidts  können  die  großen  Erfahrungen,  die  in
den  Vorturnern  und  Turnwarten  und  in  Spiel=  und  Sportleitern  der
körperliche  Uübung  treibenden  Vereine  vorhanden  find,  nutzbar  gemacht
  werden.  Wenn  in  10,  20  Jahren  der  Übergangszeit  die  Last
an  körperlichen  Ubungen  im  deutschen  Volke  stärker  geweckt  sein
wird,  als  es  jetzt  in  der  kurzen  Zeit  des  Volksschulturnens  bis  zum
14.  Jahre  erreicht  werden  konnte,  werden  wir  weiter  kommen.  Vorlälig
  sollten  wir  an  das  Bestehende  anknüpfen  und  den  Mittelweg
gehen

Nun  höre  ich  schon  den  Einwand  der  Fortbildungsschulen:  Von
dem  Turnen  der  Volksschulen  und  der  höheren  Schulen  gibt  es  keine
solche  Ausnahme  bei  Teilnahme  am  Vereinsturnen.

Der  Unterschied  liegt  darin,  daß  die  Fortbildungsschule  nicht  wie
die  allgemeine  Schule,  die  Volksschule,  das  Gymnasium,  den  Knaben
in  seiner  ganzen  Zeit  erfaßt,  die  Haupttätigkeit  des  Fortbildungsschülers
  liegt  draußen  in  der  Fabrik,  der  Werkstätte,  deren  Eindrücke
ihn  umfangen,  auf  ihn  wirken.  Die  Fortbildungsschule  kann  ihn  nur
in  wenigen  Stunden  aus  dem  Betriebe  herausziehen,  um  ihn  durch
Wissensunterricht  in  seinem  Fache  zu  fördern  und  erzieherisch  auf  ihn
einzuwirken.  So  sehr  ich  für  ihre  Ausgestaltung  eintrete,  sie  soll  das,
was  sie  leisten  kann,  nicht  überschätzen.  Der  Junge  gehört  eben  nicht
der  Fortbildungsschule,  sondern  in  erster  Linie  dem  gewerblichen  Leben
und  damit  auch  dem  freien  Vereinsleben.  Deshalb  soll  die  Fortbildungsschule
  froh  sein,  daß  die  Opferwilligkeit  der  Gemeinden  ihr
bisher  schon  die  Möglichkeit  großer  Entwicklung  gegeben  hat.  Schon
die  Kostenfrage  wird  die  Gemeinde  dazu  drängen,  den  Mittelweg  zu
gehen,  die  freie  Vereinstätigkeit  in  den  Dienst  der  körperlichen  Ausbildung
  mit  heranzuziehen.

Frau  Henni  Lehmann,  Göttingen  (Ortsausschuß  für  weibliche
Jugendpflege,  Göttingen):  Ich  möchte  ganz  kurz  zu  zwei  Punkten  der
Rede  des  Fräulein  Dr.  Siemering  etwas  sagen.  Zunächst  möchte
ich  den  Punkt  streifen,  den  Fräulein  Siemering  zu  meiner
Freude  berührt  hat,  daß  man  sich  nicht  durch  die  Zahl  blenden
lassen,  nicht  in  der  Zahl  der  Teilnehmer  den  Erfolg  sehen  soll.  Ich
halte  es  für  sehr  wünschenswert,  daß  das  einmal  ausgesprochen  und
betont  wird,  denn  die  Zahlen  sind  gefährliche  Blender  auf  allen  Gebieten;
  Qualität  und  Quantität  der  Arbeit  decken  sich  in  keiner  Weise.
Es  kann  sehr  wohl  ein  Jugendverein,  durch  allerlei  äußere  Momente
bedingt,  sehr  großen  Zulauf  haben,  und  der  Wert  der  dort  geleisteten
Arbeit,  gerade  von  dem  Standpunkt  aus,  den  wir  hier  betonen,  doch
äußerst  gering  sein.  Das  Ziel  der  Erziehung  der  sittlichen  Persönlichkeit
  wird  dabei  voraussichtlich  durchaus  nicht  in  dem  Maße  gefördert
  werden,  wie  es  in  einem  Vereine  mit  kleiner  Mitgliederzahl
vielleicht  sehr  zweckmäßig  geschieht.  Die  Extension  steht  der  Intensität
  der  Arbeit  in  gewissem  Maße  hier  im  Wege;  das  Erziehen  zur

Schriften  der  Zentralstelle  für  Bolkswohlfahrt.  N.  F.  Nr.  13.