Welche  Aufgaben  fallen  der  freiwilligen  Jugendvereinsarbeit  zu?  149

Da  nun  diese  Jugendenthaltsamkeit  eine  Atmosphäre  der  Reinheit
schafft,  so  könnte  man  in  diesem  Zusammenhange  vielleicht  auch  einmal
  die  Möglichkeit  einer  Form  unserer  Jugendvereine  erwähnen,
die  auch  bis  jetzt  noch  nicht  genannt  worden  ist,  das  ist  das  Zusammensein
  der  beiden  Geschlechter  in  den  Vereinen,  das  Zusammenarbeiten
derselben.  Wir  haben  Hunderte  von  Vereinen  in  Deutschland,  in
denen  Jungen  und  Mädchen  mit  großem  Erfolge  zusammenarbeiten.
Ich  möchte  hier  nicht  dem  Zusammenarbeiten  im  allgemeinen  das
Wort  reden,  sondern  möchte  nur  die  Möglichkeit  hier  einmal  erwähnen.
Mir  hat  einmal  kürzlich  ein  junger  Mann  aus  einem  solchen  Vereine
gesagt,  wenn  wir  in  dem  Verein  mit  dem  anderen  Geschlechte  zusammen
sind  und  zusammen  arbeiten,  dann  sind  wir  ja  genötigt,  uns  von
unserer  besten  Seite  zu  zeigen,  und  das  scheint  mir  doch  die  allerbeste
Erziehung  zur  sittlichen  Persönlichkeit  zu  gewährleisten.

Zurückkommen  möchte  ich  auf  meine  erste  Forderung  der  Jugendenthaltsamkeit
  und  da  nur  das  Wort  des  Professors  Niebergall
aus  Heidelberg  erwähnen,  das  er  auf  dem  ersten  deutschen  Kongreß
für  alkoholfreie  Iugenderziehung  gesagt  hat:  Wer  die  Jugend  liebt,
der  haßt  den  Alkohol,  aber  haßt  ihn  nicht  nur  in  schweigender  Selbstverständlichkeit,
  sondern  haßt  ihn  in  bewußter  Kampfstellung.  Und
deshalb  kann  ich  die  anwesenden  Vertreter  der  Jugendvereine  nicht
genug  auffordern,  einzutreten  in  diesen  Kampf  und  für  die  Jugendenthaltsamkeit
  zu  wirken.  Erst  dann  wird  die  Jugendpflege  imstande
sein,  den  hohen  Aufgaben,  die  ihr  gestellt  sind,  in  vollem  Maße  gerecht
zu  werden.

Direktor  Fechner,  Berlin  (Berliner  Lehrerverein):  Meine  Damen
und  Herren!  Ich  möchte  Ihre  Aufmerksamkeit  auf  den  Satz  6  der  Leitsätze
  von  Fräulein  Dr.  Siemering  (zweite  Aufgabe)  lenken.  Dieser
Satz  gibt  sehr  viel  zu  denken.  Wir  sehen  daraus,  daß  wir  für  die
Iugendpflege  die  Organisation  noch  nicht  geunden  haben,  die  alle
Ingendlichen  umfaßt.  Die  Auffassung,  die  Fräulein  Dr.  Siemering
  vertritt,  daß  die  freiwillige  Jugendvereinsarbeit  die  Führer
der  heranwachsenden  Generation  zu  erziehen  habe  oder,  wie  es  in
Satz  2  heißt,  nur  für  eine  Auslese  aus  der  Gesamtheit  der  Jugendlichen
  wirksam  werde,  wird  uns  nötigen,  nach  anderen  Organisationsformen
  zu  suchen,  um  die  Gesamtheit  zu  erfassen;  denn  darauf  kommt
es  doch  bei  tiefgreifender  Jugendpflege  in  Wirklichkeit  an.  Die  Aufgabe,
  Führer  zu  erziehen,  uns  mit  einer  Auslese,  also  mit  den  besten
unter  den  Jugendlichen,  zu  beschäftigen,  könnten  wir  besser  lösen,
wenn  wir  einmal  dem  Gedanken  der  Jugendpflege  unter  dem  Gesichtspunkte
  der  Einheitsschule  nähertreten  würden.  Es  dürfte  nicht
schwer  sein,  auf  diesem  Wege  eine  Organisation  zu  schaffen,  die  dem
Tüchtigen  den  Weg  freimacht.  Ich  gehe  aber  auf  diesen  Gedanken
hier  nicht  weiter  ein.  Worauf  ich  noch  eingehen  möchte,  das  sind  die
Ausführungen  des  Herrn  Professors  Schmidt.  Ich  wetteifere  mit
ihm  in  der  Wertschätzung  des  Turnens  für  unsere  Jugend  und  danke
ihm  für  die  außerordentlich  warmen  Worte,  die  er  gefunden  hat,  um
für  diesen  Gedanken  in  unserem  Volke  Verständnis  zu  wecken;  ich