Welche  Aufgaben  fallen  der  freiwilligen  Jugendvereinsarbeit  zu?  153

Einfach  ist  es,  daß  die  Fortbildungsschule  das  auf  Zwang  beruhende
Minimum  übernimmt  und  die  Vereine  lediglich  die  freiwillige
Zusatzerziehung  betreiben.

Gräfin  von  der  Gröben,  Hannover.  (Deutsch-Evangelischer
Frauenbund):  Die  Pionierarbeit  der  freiwilligen  Jugendpflege
hat  Fräulein  Dr.  Siemering  betont.  Wir  stimmen  ihr  zu,
wir  bitten  nur,  daß  beachtet  werde,  wie  die  Vereine  in  kleinen
Städten  und  auf  dem  flachen  Lande  diese  Pionierarbeit  auf  praktischem
  Gebiete  werden  weiter  tun  müssen,  bis  der  Staat  oder  die
Kommune  wünscht,  sie  zu  übernehmen.  Dann  heißt  es  allerdings,
sie  freudig  aufgeben  und  sich  auf  die  Hauptsache  der  freien  Jugendvereinstätigkeit
  besinnen.

Wir  „Konfessionellen“",  darf  ich  wohl  sagen,  können  uns  nur
freuen,  wie  stark  immer  mehr  die  Frage  der  Weltanschauung,  mit
anderen  Worten  der  Religion,  in  der  freien  Jugendpflege  betont
worden  ist,  denn  letzten  Endes  ist  die  Religiosität  doch  der  Boden,
aus  dem  das  Leben  erwächst.  —  Wenn  eine  Diskussionsrednerin
eine  neutrale  Stelle  wünschte,  wo  man  die  verschiedenen  Auffassungen
über  Weltanschauungs-,  Erziehungs-  und  andere  Fragen  austauschen
könnte,  nun,  so  meine  ich  doch,  die  ist  gerade  hier  in  der  Zentralstelle
für  Volkswohlfahrt  gegeben.  Da  können  die  Leiter  und  Leiterinnen
ihre  Ansichten  austauschen  und  werden  es  hoffentlich  mehr  und  mehr
tun.  Ich  bezweifle  aber,  ob  es  für  die  einzelnen  Jugendvereinigungen,
also  für  die  Mitglieder  wünschenswert  wäre,  so  stark  in  die  Anschauungen
  anderer  Vereine  hineingezogen  zu  werden.  Es  sind  doch
immerhin  werdende  Menschen,  die  schon  von  außen  her  genug
des  Verschiedenen  an  sich  herantreten  sehen,  um  noch  darauf  hingewiesen
  werden  zu  müssen,  daß  eine  einheitliche  Auffassung  in  vielen
wichtigen  Dingen  fehlt.

Eine  ganz  besondere  Aufgabe  gerade  der  weiblichen  Jugendpflege
scheint  mir  die  zu  sein,  den  Gemeinsinn  zu  fördern.  Die  Knaben
werden  durch  ihre  ganze  Lebensstellung  viel  eher  dazu  erzogen  als
die  Mädchen,  und  da  ist  gerade  das  beste  Mittel  wiederum  das  Praktische,
  die  freie  Pflege  der  Liebestätigkeit,  später  natürlich  auch  der
sozialen  Arbeit,  wie  sie  in  den  Jugendvereinen  geleistet  wird.  Es  ist
immer  ein  kleines  Fest,  wenn  in  einem  solchen  Vereine  zum  Beispiel
von  Dienstmädchen  aus  selbstgekauften  Stoffen  selbst  Angefertigtes
an  arme  Kinder  verschenkt  wird.  In  dieser  Richtung  —  es  ist  das  nur
ein  kleines  Beispiel  —  möchte  ich,  daß  unsere  Vereine  immer  mehr
noch  auf  die  Pflege  des  Gemeinsinns  Wert  legen.  Sie  werden  dadurch
auch  in  den  einzelnen  Mitgliedern  das  Verständnis  für  die  Wichtigkeit
  der  Betätigung  für  Andere  wecken  und  sie  in  dem  Wunsche  bestärken,
  das  zu  werden,  was  wir  von  ihnen  wünschen  —  auch  von
den  Frauen  —,  wirkliche  Bürgerinnen  des  deutschen  Vaterlandes.

Dr.  Fischer,  Plaue  a.  d.  Havel  (Wandervogel):  Herr  Sanitätsrat
Dr.  Schmidt  hat  vorhin  erwähnt,  daß  die  Beteiligung  an  den  Wehr-