154  Aussprache.

kompagnien  stark  zurückgegangen  ist.  Er  hat  das  auf  einen  Mangel  an
vaterländischer  Gesinnung  in  der  Jugend  geschoben.  Ich
möchte  als  Vertreter  der  Jugendbewegung  diese  Unterstellung  als
ein  Mißverständnis  zurückweisen.  Es  ist  kein  Mangel  an  vaterländischer
  Gesinnung,  sondern  höchstens  an  staatsbürgerlicher  Erziehung.
  Wir  haben  bei  den  Erwachsenen  ganz  genau  dieselbe  Erscheinung.
  Die  Begeisterung  ist  auch  da  zurückgegangen,  es  ist  vieles
nicht  mehr  so,  wie  es  im  Anfange  des  Krieges  gewesen  ist.  Wir  können
dies  aber  nicht  alles  auf  ein  Nachlassen  an  vaterländischer  Gesinnung
zurückführen.  (Zuruf:  Das  ist  gar  nicht  gesagt  worden!)  Doch,  es
ist  gesagt  worden!  Wir,  die  freien  Jugendvereine,  auch  die  konfessionellen
  usw.  können  feststellen,  daß  bei  uns  ein  Rückgang  trotz
des  Krieges  nicht  zu  merken  ist,  wir  haben  unseren  alten  Mitgliederstand
  immer  noch,  obgleich  gerade  aus  den  Vereinen,  die  das  Körperliche
  betonen,  viel  mehr  ins  Feld  gezogen  sind  als  aus  den  anderen.

Zu  der  ganzen  Frage,  ob  Zwang  oder  Freiheit,  können  wir  jetzt
nicht  ausführlich  Stellung  nehmen.  Die  Meinungen  sind  bei  uns
auch  zu  geteilt.  Ich  möchte  nur  sagen,  daß  wir  die  Gefahr  des
Zwanges  noch  viel  höher  einschätzen,  als  es  schon  hier  zur  Geltung
gebracht  worden  ist.  Vor  allen  Dingen  werden  die  Schwierigkeiten
einer  allgemeinen  Jugendpflege  viel  größer  sein,  als  man  sich
im  allgemeinen  denkt.  Wenn  der  Staat  den  Zwang  für  notwendig
hält,  dann  mag  er  das  rein  Körperliche  herausnehmen,  das  andere
aber  den  freien  Jugendvereinen  überlassen.