IX.
Vortrag.

Die  Jugendbewegung.
Von  Dr.  med.  Knud  Ahlborn,  München.
J.

Unter  dem  Oberbegriffe  „Jugendbewegung“  werden  heute  verschiedene
  Bewegungen  zusammengefaßt,  die  weder  im  Hinblick  auf
ihre  geschichtliche  Entwicklung  noch  auf  ihren  wesentlichen  Inhalt
zusammengehören.

Ich  werde  sie  darum  im  Nachfolgenden  scharf  von  einander  sondern,
obgleich  sie  mancherlei  geschichtliche  und  vor  allem  persönliche  Berührungspunkte
  aufweisen.  Zu  diesem  etwas  schematischen  Verfahren
  zwingt  mich  meine  Aufgabe,  Ihnen,  denen  z.  T.  die  Jugendbewegung
  im  ganzen  kaum  bekannt  ist,  im  Rahmen  eines  kurzen
Vortrages  die  typischen  Erscheinungsformen  und  in  großen  Zügen
die  Entwicklung  der  Jugendbewegung  darzustellen.

Ursprünglich  gab  es  nur  eine  Jugendbewegung,  die  Jugendgemeinschaftsbewegung,
  die  vor  etwa  13  Jahren  aus  der
Jugend  des  sogenannten  guten  Mittelstandes  herausgewachsen  ist
und!  deren  Entwicklung  ich  später  ausführlich  schildern  will.

In  den  letzten  Jahren  ist  dazu  noch  eine  zweite  Jugendbewegung
getreten,  bei  der  aber  die  Jugend  mehr  Wiekt  als  Subjekt  der
Bewegung  ist,  das  „Bewegte"“:  die  „Jugendkulturbewegung“.
  Als  deren  geistiger  Mittelpunkt  muß  die  Person  des
Herrn  Dr.  Wyneken  bezeichnet  werden.

Die  Losung  dieser  Bewegung  heißt:  „Jugendkultur"“.  Was
darunter  zu  verstehen  ist,  hat  Herr  Dr.  Wyneken  in  seiner  Broschüre
  „Was  ist  Jugendkultur“  (Verlag  Steinicke,  München)  dargestellt.
  über  das  Wesen  der  Jugendkultur  sagt  Wyneken  S.  27:
„Jugendkultur  ist  eine  Einheit,  ein  einheitliches  Empfinden,  ein  Stil,
ein  gemeinsamer  Instinkt,  der  sich  schöpferisch  äußert.“  S.  28:  „Die
deutsche  Jugendkultur  hat  kein  Programm  wie  eine  Partei,  sie  ist
kein  Erstens,  Zweitens,  Drittens,  sondern  sie  ist  eine  Idee  und
leistet  den  Dienst  einer  Idee.  indem  sie  unserm  ganzen  Handeln  Ziel
und  Richtung  gibt  und  das  Bewußtsein  derer,  die  ihr  dienen,  mit
dem  Stolze  und  der  Freudigkeit  einer  unendlichen  Aufgabe  erfüllt."

Verwirklicht  ist  diese  Jugendkultur  (S.  19)  in  der  „Freien
Schulgemeinde“.  Wyneken  sagt  darüber:  „Ich  kann  mir
keine  andere  Verwirklichung  dieses  Begriffs  denken  als  so,  wie  es  die
Freie  Schulgemeinde  im  Prinzip  gefunden  hat,  durch  die  Vereinigung