156  Dr.  med.  Knud  Ahlborn.

des  Jugendlebens  mit  der  Schule,  aber  mit  einer  Schule,  die  kulturbestimmt
  und  geistdurchhaucht  ist.“

„Diese  neue  Schule  ist  kein  Experiment,  sondern  ein  lebendiger
geistiger  Organismus,  nicht  eine  aus  dem  Stückwerke  von  Reformen
zusammengesetzte  Maschine,  sondern  in  dem  Sinne  ein  Einheitliches
un  Gahaes.  wie  ein  Kunstwerk  oder  ein  lebendiges  Wesen  ein
olches  ist.“

Über  die  Grundgedanken  dieser  Schule  schreibt  Herr  Wyneken
folgendes  (S.  15—16):  „Sie  geht  aus  von  einer  neugedachten  Idee
der  Schule.  Die  Schufe  ist  diejenige  Institution  der  Gesellschaft,
durch  die  sie  den  ihr  anvertrauten  Geist,  der  sich  in  den  Gütern  der
Kultur  verkörpert,  der  kommenden  Generation  überliefert

„Darin  aber  unterscheidet  sich  unsere  Zeit  von  den  früheren  Zeiten,
daß  unser  geschichtlicher  Sinn  uns  befähigt,  den  Geist  als  einen
immer  wachsenden,  fortschreitenden  zu  erkennen.  Und  als  solcher
muß  er  der  jungen  Generation  gezeigt  werden.  In  der  Schule  muß
die  Jugend  dazu  befähigt  und  dazu  begeistert  werden,  ihrerseits  sich
in  den  Dienst  dieses  Geistes  zu  stellen  und  ihm  weiterzuhelfen

„Zweitens  geht  die  freie  Schulgemeinde  aus  —  und  das  ist  der
andere  Pol  ihres  Wesens  —  von  einem  neuen  Gefühle  für  die
Jugend.  Für  sie  ist  die  Jugend  nicht  bloß  das  Nochnichterwachsensein,
  nicht  bloß  die  Zeit  der  Unfertigkeit  und  der  Vorbereitung,
sondern  eine  Zeit  mit  einem  eigenen  und  unersetzlichen  Werte.  Zu
dieser  Intuition  ist  die  freie  Schulgemeinde  deshalb  befähigt,  weil
sie  nicht  bloß,  wie  die  gewöhnliche  Schule,  technisch  und  zivilisatorisch
orientiert  ist,  sondern  geistig,  weil  sie  nicht  bloß  Sinn  hat  für  den
greifbaren  Erfolg,  sondern  für  das,  was  über  solchen  Erfolgen  steht,
für  unbedingte  Werte,  für  die  Autonomie  des  Geistes  in  den  Gesetzen
  der  Wahrheit  und  Schönheit.  Gewiß  ist  die  Jugend  technisch
dem  Alter  nicht  ebenbürtig,  ihre  Arbeitsleistung  auch  selbstverständlich
  auf  höchsten  geistigen  Gebieten  unzulänglich  und  überwiegend
nur  rezeptiv.  Aber  ihre  Rezeptivität  kann  vielleicht  gegenwärtig
von  höherer  Art  sein  als  die  der  Erwachsenen.  So  wahx  der  Geist,
dessen  Leben  die  Kultur  ist,  lebendiger  Geist  ist  und  nicht  gleichbedeutend
  mit  seinen  objektiven  Niederschlägen,  so  wahr  ist  es  möglich,
  daß  in  der  Jugend  eine  höhere  und  bessere  Geistigkeit  vorhanden
sein  kann  als  im  Alter,  wo  dem  Leben  des  Geistes  die  tausend  Interessen
  des  technischen  Lebens  entgegenstehen,  wo  das  Samenkorn  des
Geistes  nur  allzu  leicht  von  den  Dornen  und  Disteln  des  Lebens  erstickt
  wird.  Nicht  auf  einer  höheren  Arbeitsleistung  beruht  die  neue
Schätzung  der  Jugend,  sondern  auf  der  Anerkennung  ihrer  höheren
und  lebendigeren  Schönheit,  wenigstens  auf  der  Erkenntnis  der  Möglichkeit
  einer  solchen  Schönheit  und  der  Verpflichtung,  diese  ihre
Schönheit  zu  erhalten  und  zu  entfalten  und  durch  sie  die  menschliche
Gesellschaft,  ja  den  ganzen  Kosmos  und  das  Reich  des  Geistes  zu  bereichern.
  So  also  ist  die  neue  Schule  gedacht  zugleich  als  im  Dienste
der  Zukunft,  das  heißt,  der  Fortpflanzung  und  Steigerung  der
Kultur  stehend,  als  die  Vorbereitung  auf  ein  sinnvolles  Leben,  und
im  Dienste  der  Gegenwart,  nämlich  der  Jugend  selbst.“