158  Dr.  med.  Knud  Ahlborn.

preßgesetzlich  verantwortlicher  Schriftleiter  war,  in  dem  erwähnten
Münchener  Vortrage  dargelegt  worden.  Dieser  Vortrag  ist  in  der
Broschüre  „Die  freideutsche  Jugend  im  bayerischen  Landtag““")  veröffentlicht
  worden  ).  Dazu  gehört  ferner  die  Einrichtung  eines
„Archivs  für  Jugendkultur",  das  alle  Dokumente  der  Anfang-Jugendbewegung,
  d.  h.  Briefe  und  Darlegungen  aus  dem  Schülerleben,
  sammelt  und  so  eine  Art  von  Enzyklopädie  der  jugendlichen
Weltanschauung  schaffen  sollte;  Z

2.  Die  Einrichtung  der  „Sprechsäle“:  In  diesen  sollte  eine
zwanglose  Aussprache  zwischen  den  Schülern  über  alle  ihre  inneren
Angelegenheiten  und  Nöte  erfolgen.  Sie  stellten  also  eine  Erweitezun
  der  in  der  Zeitschrift  „Der  Anfang“  gegebenen  Aussprachemögichkeit
  dar;

3.  Die  Einrichtung  des  „Grünen  Ankers“,  d.  h.  einer  Auskunfts-
  und  Beratungsstelle  für  Mittelschüler,  die  vielleicht  sich  zu
einer  Einrichtung  ähnlich  der  katholischen  Einrichtung  der  Beichte
hätte  entwickeln  können.  »

Allen  diesen  Einrichtungen  eignete  absolute  Offentlichkeit.  Keineswegs
  herrschte  eine  Art  von  Geheimbündelei,  wie  dies  seinerzeit
von  der  Zentrumspresse  behauptet  wurde.  Irgend  eine  Auslese,
außer  einer  in  der  Sache  selbst  liegenden,  wurde  nicht  getroffen.  Im
wesentlichen  lagen  alle  diese  Einrichtungen  in  derselben  Ebene  wie
die  gemeinnützigen  Einrichtungen  der  Freien  Studentenschaft  an  den
Universitäten.  Ob  während  des  Krieges  von  einer  dieser  Einrichtungen
  noch  etwas  bestehen  geblieben  ist,  ist  mir  nicht  bekannt.

Neben  dieser  Anfang-Bewegung  ist  zum  Beginne  des  Krieges  noch
eine  dritte  Jugendbewegung  entstanden,  die  „Aufbruch“"-Bewegung,
  deren  geistiger  Führer  Erust  Josl,  ein  Freistudent  hier  in
Berlin,  war  und  deren  Gedanken  teilweise  in  der  Zeitschrift  „Der
Aufbruch“,  der  von  der  Zensur  nach  der  dritten  Nummer  verboten
worden  ist,  niedergelegt  sind.  Diese  Zeitschrift  hatte  folgendes  Programm:

„1.  Das  Wort  Jugend  ist  uns  kein  bloßer  Jahresbegriff,  wir  gebrauchen
  es  im  Sinne  von  Beweglichkeit,  unablässigem  Streben
(man  vergleiche  hierzu  die  Liste  der  ständigen  Mitarbeiter!)7).

2.  Theorie  und  Praxis  sind  uns  nicht  scheidbar.  Die  „Erforderlichkeit
  des  Unmöglichen“  wie  die  Kunst  des  Möglichen  finden
annähernd  gleiche  Berücksichtigung.  Besonderer  Wert  soll  gelegt
  werden  auf  die  Anknüpfung  an  Vorgänge  und  Zustände
der  Gegenwart  (Politik,  Presse,  soziale  Arbeit,  Lebensführung,
besondere  Ereignisse).

3.  Es  kommt  uns  darauf  an,  daß  das  Blatt  nicht  Organ  einer

Gruppe  wird,  einer  dogmatischen  Richtung,  sondern  daß  man

4  Verlag,  Adolf  Saal,  Hamburg.

8)  Vt  5.  30—31.

")  Als  Mitarbeiter  zeichneten:  #aaermeister,  Bittel,  Blüher,  Eberbert,
  iller,  Landauer,  Bernhard  und  Hans  Reichenbach,  Wolfenein,
  Barbizon,  Bernfeld.