Die  Jugendbewegung.  165

zusammengesetzt  aus  älteren  oder  ehemaligen  Mitgliedern  der
zweiten  Stufe  unter  Heranziehung  von  Außenstehenden  —  bei
strenger  Auslese  —,  die  nicht  durch  die  Freideutsche  Jugend  hindurchgegangen
  sind  (freideutsche  Siedlungsgemeinschaft,  Gemeinschaft
  für  Volksjugendpflege).

Außer  der  hier  geeinigten  Jugend  gibt  es  nun  noch  eine  ganze
Reihe  von  Gemeinschaften,  die  zweifellos  ihrem  Wesen  nach
dazu  gehören.

1.  Zur  ersten  Stufe  können  gerechnet  werden:  Zunächst  die  beiden
größten  Wandervogelbünde  (A.  W.  V.  und  e.  V.),  dann  jene
„freien  Schulen“,  in  denen  die  Jugend  zur  eigenen  Lebensgestaltung
  vor  eigener  Verantwortung  in  innerer  Wahrhaftigkeit
angehalten  wird.  Dazu  gehört  wohl  auch  die  „Freie  Schulgemeinde“
  Wickersdorf,  die  in  Marburg  mit  ihrem  Gründer
Herrn  Dr.  Wyhneken  zusammen  ausgetreten  ist.

2.  Zur  zweiten  und  dritten  Stufe  gehört  der  kürzlich  gegründete
Bund  der  älteren  Wandervögel,  der  mir  geradezu  berufen  erscheint,
  einmal  das  Zentrum  der  freideutschen  Jugend  zu
bilden,  der  „Bund  der  Landsgemeinden“,  der  dem  Bunde  der
Wanderer  nächst  verwandt  ist;  sodann  die  Jugendgruppen  des
Vortrupp;  ferner  vielleicht  der  Bund  für  volkstümliches
Wandern:  Freie  Wanderscharen,  der  sich  zum  größten  Teile  aus
ehemaligen  Volksschülern  zusammensetzt,  und  endlich  wohl
auch  die  Jugendgemeinschaften  der  Handlungsgehilfenverbände.

Die  Tatgemeinschaften  der  dritten  Stufe  müssen  jedenfalls
mancherlei  Arbeitsbeziehungen  mit  den  seinerzeit  abgetrennten  Tatgemeinschaften
  wiederherstelben  (z.  B.  dem  Dürerbunde,  dem  Vortruppbunde
  ufw.).

Der  äußeren  Entwicklung  und  Gestaltung  der  Freideutschen
Jugendbewegung  ging  und  wird  weiterhin  nebenhergehen  eine  zunehmende
  innere  Klärung  und  Überwindung  der  etwa  hier  und  dort
aus  früheren  Entwicklungsstufen  einzelnen  ihrer  Zweige  anhaftender

änge

Gleichzeitig  entwickelt  sich  ein  immer  deutlicher  in  Erscheinung
tretender  Zug,  über  die  Grenzen  des  einen  Standes,  aus  dem  die
Bewegung  entstand,  über  die  Jugend  des  gehobeneren  Mittelstandes
an  den  Mittel-  und  Hochschulen  hinüber  zu  greifen,  und  damit  ergeben
  sich  zahlreiche  Berührungspunkte  mit  der  übrigen  freien  und
der  staatlichen  Jugendpflege.

II.

Es  erhebt  sich  nun  vielleicht  die  Frage,  warum  die  Freideutsche
Jugend  nicht  diese  Arbeit  an  der  Jugend  anderer  Stände  den  bestehenden
  Jugendpflegeorganisationen  überläßt.  Diese  Frage  kann
nicht  beantwortet  werden,  ohne  auf  die  Besonderheit  des  freideutschen
Gemeinschaftslebens  zurückzukommen.  Die  Grundlagen  dieses  Gemeinschaftslebens
  sind:

1.  Strenge  Auslese  nach  der  Eignung  für  die  betreffende

  Gemeinschaft.