168  Dr.  med.  Knud  Ahlborn.

scheidung  auf  die  Zeit  nach  dem  Friedensschluß  erforderlich.
Jetzt  besteht  die  Gefahr,  daß  Erziehungsmaßnahmen  von
höchster  Bedeutung  unter  einseitiger  Beleuchtung  und  unter
der  Einwirkung  von  Empfindungen,  die  für  die  Regelung  der
Erziehung  nicht  maßgebend  sein  dürfen,  getroffen  werden.
Diese  Forderung  erscheint  der  Freideutschen  Jugend  um  so  zulässiger,
  als  etwa  bestehende  Bedürfnisse  nach  einer  sofortigen
militärischen  Jugendausbildung  für  die  Kriegsdauer  doch  wohl
jederzeit  durch  Verfügungen  der  Generalkommandos  zu  befriedigen
  sind.

II.  Wenn  die  endgültige  Entscheidung  dennoch  jetzt  getroffen
  werden  sollte,  ist  sich  die  Freideutsche  Jugend  bewußt,
daß  ihr  —  insofern  sie  aus  Laien  besteht  —  ein  Urteil  über  die
militärtechnische  Seite  der  Frage  nicht  zusteht.  Soweit  sich
herausstellen  sollte,  daß  die  militärische  Jugenderziehung  zur
Wahrung  unseres  Volkstums  notwendig  ist,  ist  die  Freideutsche
Jugend  selbstverständlich  entschlossen,  sie  zu  fördern.

III.  Die  Freideutsche  Jugend,  der  Bund  der  neuen  Erziehungsgemeinschaften,
  erachtet  es  aber  als  ihre  Pflicht,  darauf
zu  dringen,  daß  den  äußeren  Notwendigkeiten,  die  fraglos  erfüllt
  werden  müssen,  die  höheren  Notwendigkeiten  eines  innerlichen
  Lebens  nicht  hintangesetzt  werden.  Ein  billiger  Ausgleich
  dieser  beiden  Forderungen  erscheint  ihr  möglich.

IV.  Sie  hält  insbesondere  dafür,  daß  außer  den  Ferien
der  ungeschmälerte  Sonntag  dem  „zweckfreien“  lebendigen
Wachsen  der  jugendlichen  Seele  vorbehalten  bleibt  und  daß
ferner,  um  eine  Zerreißung  des  jugendlichen  Lebens,  die
völlige  Verdrängung  der  Schule  aus  dem  jugendlichen  Interessenkreis
  und  eine  weitere  Beeinträchtigung  des  Familienlebens
  zu  verhüten,  die  militärische  Jugendvorbereitung  ausschließlich
  den  höheren  Klassen  der  Mittelschule,  bzw.  der  Fortbildungsschule
  eingegliedert  werden  sollte.

E  Alt-Wandervogel  hat  eine  ganz  ähnliche  Entschließung
gefaßt.

In  dieser  Einstellung  zur  Frage  von  Zwang  und  Freiheit  und
überhaupt  in  dem  Wesen  der  Freideutschen  Jugend  liegt  begründet,
daß  gerade  von  freideutscher  Seite  nie  eine  lieblose  Agitation  gegen
Die  Jugendpflegeorganisationen  stattfinden  wird,  die  auf  anderer
Grundlage  stehen.  Das  innerste  Wesen  der  Freideutschen  Jugend  ist
nicht  zersetzend,  sondern  aufbauend,  und  es  wünscht  eine  Zusammenfassung
  und  gegenseitige  Durchdringung  aller  gesunden  und  vorausschauenden
  geistigen  Kräfte,  die  an  der  Jugend  arbeiten.  Der  innerste
Maubenssatz  der  Freideutschen  ist,  daß  der  idealistische  Geist  sich  den
Körper  gestalten,  daß  er  alle  menschlichen  Verhältnisse  durchdringen
  und  beherrschen  müsse.

Ohne  damit  ein  Programm  der  Bewegung  geben  zu  wollen  —  es
handelt  sich  hier  nur  um  einige  Gedankenkreise,  die  aber  wohl  bei
allen  älteren  Freideutschen  zum  geistigen  Besitzstande  gehören  und
darum  charakteristisch  sind  —  möchte  ich  hier  solche  Reformen  an-