174  Aussprache.

fragen  auseinanderzusetzen.  Die  Lust  am  Kritifieren,  von  der  gestern
der  erste  Referent  in  bezug  auf  die  männliche  Jugend  sprach,  ist
durchaus  nicht  eine  nur  männliche  Eigenschaft,  sondern  diese  Lust
an  der  Kritik  können  wir  auch  bei  unserer  weiblichen  Jugend  beobachten,
  und  es  ist  erfreulich,  wie  diese  Lust  am  Kritisieren  dann  bei
unseren  Jugendgruppenmitgliedern  in  einem  sehr  ernsthaften  Wahrheitsuchen
  ihre  Fortführung  findet.

Ein  weiteres  Moment  in  dieser  Jugendgruppenbewegung  ist  die
Ernsthaftigkeit,  mit  der  ihre  Mitglieder  an  die  Weltanschauungsfragen
  herangehen.  Auch  innerhalb  der  konfessionellen  Jugendgruppen
  gibt  es  noch  ganz  verschiedene  Schattierungen,  und  wir
können  immer  wieder  verfolgen,  wie  der  Wunsch,  selbständig  auf
wissenschaftlich  erarbeitetem  Boden  festzustehen,  in  dieser  Bewegung
zum  Ausdrucke  kommt  und  wie  die  älteren  Jugendgruppenmitglieder
suchen,  den  Jüngeren  freundliche  Führerinnen  zu  werden,  wie  sie
suchen,  in  ihnen  die  Gesinnung  zu  stärken.  «

Eine  Beobachtung,  die  wir  weiter  bei  dieser  Bewegung  machen
können,  ist  die,  wie  stark  sie  darauf  Wert  legt,  ihre  Mitglieder  in  die
Hilfsarbeit  und  soziale  Arbeit  einzuführen,  den  Willen  zur  Arbeit
zu  wecken.  Es  ist  wunderschön,  zu  sehen,  wie  die  jugendlichen
Menschen  mit  ausgesprochenem  Pflichtgefühl  immer  wieder  suchen,
sich  gegenseitig  zur  Ubernahme  von  ernsthafter  Arbeit  anzuregen.
In  der  Durchführung  der  Arbeit  in  den  Städten  erwachsen  den  Vereinen
  gerade  aus  den  Jugendgruppenmitgliedern  auch  die  besten
Helferinnen  für  die  Jugendpflege,  und  wir  können  von  ihnen  sagen,
daß,  wenn  sie  in  die  Arbeit  eintreten,  sie  sie  wirklich  pflichtgemäß,
als  Beruf  im  schönsten  und  weitesten  Sinne  des  Wortes  zu  erfassen
suchen.  Die  Behauptung,  die  gestern  hier  gefallen  ist,  und  der  Gedanke,
  der  ausgesprochen  wurde,  daß  die  Jugend  sich  nur  zu  einer
Arbeit  herbeiließe,  um  irgend  eine  Betätigung  zu  suchen,  ist  für
unsere  Jugendgruppenmitglieder  nicht  zutreffend.  Diese  Auffassung
ist  ihnen  fremd.  Sie  fassen  die  Arbeit  nicht  nur  als  eine  gelegentliche
Betätigung,  sondern  als  eine  Pflicht  auf,  als  einen  Wunsch,  sich
einen  Lebensinhalt  zu  schaffen,  und  sie  sehen  in  der  sozialen  Arbeit
nicht  eine  herablassende  Tätigkeit  sondern  eine  Verpflichtung  zum
Hingeben  ihres  Selbst.  Sie  haben  den  Wunsch,  der  Allgemeinheit
zu  dienen  und  ihren  Teil  an  Pflicht  für  die  Allgemeinheit  auf  sich
zu  nehmen.

Oand.  med.  Max  Hodann,  Berlin:  Meine  Damen  und  Herren!
Ich  möchte  vorausschicken,  daß  ich  nicht  als  Vertreter  irgend  einer
Gemeinschaft  spreche.

Seiie  haben  heute  wesentlich  von  der  freideutschen  Jugend  gehört,
und  ich  glaube  und  hoffe,  daß  Ihnen  der  Ernst,  der  in  dieser  Jugend
lebt,  zum  Bewußtsein  gekommen  ist.  Allerdings  möchte  ich  etwas
ganz  Allgemeines  hinzufügen:  Der  wirkliche  Inhalt  dieser  Jugend,
die  aus  dem  Wandervogel  und  aus  dem  Wanderer  gewachsen  ist,  läßt
sich  nicht  erschöpfen  in  einem  Vortrag  und  nicht  erschöpfen  in  Aufsätzen,
  die  man  darüber  liest,  sondern  der  wirkliche  Inhalt  dieser