Die  Jugendbewegung.  176

Bewegung  läßt  sich  nur  er  leben,  und  deswegen  ist  jede  Aussprache
über  ein  derartiges  Thema  für  die,  die  sich  nur  orientieren  wollen,
natürlich  immer  etwas  als  Surrogat  aufzufassen.

Ich  möchte  eine  kritische  Bemerkung  anschließen.  Ich  habe  es  als
etwas  peinlich  empfunden,  daß  auch  heute  wieder  der  Zusammenhang,
der  einmal  zwischen  Wyoneken  und  der  freideutschen  Jugend  bestanden
  hat,  so  reichlich  abfällig,  als  bedauerliches  Faktum,  dargestellt
wurde.  Die  Persönlichkeit  Wyne  kens  möchte  ich  hier  nicht  in  die
Diskussion  ziehen.  Wyneken  als  Mensch  wird  allerdings  auch
von  mir  einer  sehr  scharfen  Kritik  unterzogen.  Aber  gerade  wir
Jugendlichen  haben  doch  die  Verpflichtung,  wenn  auf  ihn  die  Rede
kommt,  ihm  zuzubilligen  —  und  ich  glaube  auch  nicht,  daß  er  ernsthaft
  von  Seiten  gerade  der  freideutschen  Jugend  in  dieser  Richtung  wird
angegriffen  werden  können  —,  daß  er  ein  Mensch  ist,  der,  wie  auch
Geheeb,  die  Ideen  der  Jugend  ganz  neu  gedacht  und  unserem  Leben
dadurch  ganz  neue  Bahnen  eröffnet  hat,  und  der  innerliche  Gegensatz,  rein
ideal  gefaßt,  ist  wohl  auch  nicht  so  scharf,  wie  vielleicht  aus  den
Worten  des  Herrn  Dr.  Ahlborn  zu  entnehmen  war,  denn  gerade
die  neueste  Entwicklung  der  freideutschen  Jugend  zeigt,  daß  die  Verbindungslinien
  nicht  abgerissen  sind.  Die  Odenwald-Schule  zum
Beispiel,  die  schließlich  doch  aus  der  freien  Schulgemeinde  Wickersdorf
herausgewachsen  ist,  gehört  heute  bereits  der  freideutschen  Jugend
an.  Ich  glaube,  daß  diese  Entwicklung  sich  vielleicht  doch  noch  etwas
weiter  in  dieser  Richtung  anbahnen  wird.

UÜlber  die  Ziele  der  Zentralarbeitsstelle  für  Jugendbewegung,  die
Herr  Dr.  Ahlborn  streifte,  will  ich  hier  nicht  sprechen,  das  würde
zu  weit  führen.  Aber  ich  möchte  sagen,  daß  wir  doch  zu  unterscheiden
haben  zwischen  einer,  ich  will  einmal  sagen,  ersten  und  zweiten
Jugend,  was  ja  von  Herrn  Dr.  Ahlborn  auch  schon  gestreift  wurde.
Die  erste  Jugend  im  Sinne  dieser  bürgerlichen  Jugendbewegung  gehört
  dem  Wandervogel  an;  sie  hat  sich  mit  Problemen  der  Offentlichkeit
  usw.  nicht  zu  beschäftigen;  sie  lebt  einzig  und  allein  sich  und  dem
Sinne  ihrer  Jugend.  Aber  die  Jugend,  die  darüber  hinauswächst,
muß  doch  eine  bestimmte  Stellung  zu  Problemen  einnehmen,  die  an
sie  herantreten,  und  deswegen  muß  ich  doch  dagegen  Einspruch  erheben,
  daß  alle  die  anderen  Jugendrichtungen,  die  von  Herrn  Dr.
Ahlborn  in  dem  Zusammenhange  gerade  am  Anfange  seiner  Ausführungen
  erwähnt  wurden,  die  Wynekensche  Richtung,  die  Joelsche
Richtung  u.  a.,  alle  mehr  bewegte,  denn  bewegende  Jugend  waren  und
sind.  Selbstverständlich  haben  hier  einzelne  Führer  weiteren  und
außerordentlich  starken  Einfluß  gehabt,  aber  daß  deswegen  diese
Jugend  als  solche  weniger  einer  allgemeinen  Jugendbewegung  zuzurechnen
  wäre,  möchte  ich  doch  in  Zweifel  ziehen.  Ich  glaube,  daß  das
Leben,  das  in  den  Kreisen  der  „Anfänger“  mit  aller  Kritik,  die  man
dagegen  erheben  will,  geherrscht  hat,  doch  sicherlich  ein  jugendliches
Leben  war,  und  darauf  kam  es  in  erster  Linie  an.

Um  nun  schlteölich  na,  noch  zu  der  Frage  Zwang  und  Freiheit  kur
zu  sprechen,  will  da  chinweisen,  daß  vielleicht  au
nicht  einzig  und  allein  das  wesentlichste  Argument,  das  Leutnant