176  Aussprache.
Walter  Fischer  vorhin  im  Namen  des  Wandervogel  e.  V.  betreffs

  des  Rückganges  der  militärischen  Jugendkompagnien  usw.  beibrachte,
  das  Innerste  traf,  sondern  der  Rückgang  der  Beteiligung
  an  diesen  Jugendkompagnien  ist  nicht  so  sehr  darauf
zurückzuführen,  daß  in  dieser  Jugend  die  Idee  des  Schutzes  des
Vaterlandes  weniger  stark  leben  sollte,  sondern  wesentlich  darauf,  daß
eben  die  Methode,  mit  der  die  Jugendkompagnien  an  die  Jugend
herantraten,  von  einem  großen  Teile  der  Jugend  als  unjugendlich
empfunden  wurde.  Ich  glaube,  daß  dies  der  Hauptgrund  ist,  weswegen
ein  Rückgang  sich  bemerkbar  gemacht  hat,  jedenfalls  zeigte  er  sich  nicht
deswegen,  weil  die  Jugend  nicht  die  Verantwortung  hat,  für  das  einzutreten,
  wosür  sie  eintreten  muß.  Immerhinistin  dieser  Hinsicht  auch  nicht
jede  Diskussion  abzuschließen.  Dieses  Thema  läßt  sich  durch  manche
Mitteilungen  ergänzen,  auf  die  einzugehen  ich  gehindert  bin,  weil
es  zu  weit  führen  würde.  Gerade  die  Freiheit  sollte  der  Jugend
aber  doch  schließlich  soweit  sichergestellt  werden,  daß  sie  zu  den
Problemen,  zu  denen  sie  ihrem  Wesen  nach  Stellung  nehmen  muß,
auch  Stellung  nehmen  kann.  Ich  darf  Ihnen  sagen,  daß  es  heute
zum  Beispiel  durch  die  Zensur  und  ähnliches  unmöglich  gemacht  ist,
daß  sich  die  Jugendlichen  zu  der  Behandlung  des  Vereinsgesetzes  bemerkbar
  machen.  Aber  jedenfalls  zum  Schlusse  zurückgreifend  auf  das,
womit  auch  Dr.  Ahlborn  schloß,  möchte  ich  betonen,  daß  die  freideutsche
  Jugend  wie  auch  die  anderen  Richtungen  nicht  nur  nicht  zersetzend,
  sondern  aufbauend  sind.  Ich  glaube,  in  diesem  Sinne  werden
sich  all  die  Verbände,  die  aus  der  neuen  Jugend  herauswachsen,
schließlich  finden  zum  Wohle  unseres  Volkes.  Aber  es  gilt  nicht  nur,
daß  man  der  Jugend  Licht  und  Luft  schaffen  zu  wollen  proklamiert,
sondern  es  gilt  auch,  dafür  zu  kämpfen,  daß  ihr  Licht  und  Luft
werde!

Pastor  E.  Wartmann,  Berlin  (Ostdeutscher  Jünglingsbund):
Es  ist  schwer,  zu  der  neuen  Bewegung  Stellung  zu  nehmen.  Ich  will  es
heute  nicht  tun,  zumal  der  Herr  Vorredner  festgestellt  hat,  daß  man
diese  Sache  erleben  muß,  um  darüber  urteilen  zu  können.  Da  sind
wir  Alten  nun  schlimm  daran,  denn  wir  können  das  doch  nicht  mehr
nachholen.  Wir  werden  uns  also  wohl  vorläufig  eines  Urteils  über
die  ganze  Bewegung  begeben  müssen,  wenn  wir  nicht  im  allgemeinen
uns  darüber  freucn  wollen,  daß  sich  so  viel  ideales  Streben  in  der
Jugend  regt  und  der  alte  Oppositionsgeist,  der  ja  eine  Eigentümlichkeit
  der  Jugend  ist,  so  klar  und  deutlich  in  dieser  Richtung  zum
Ausdrucke  kommt.  Wir  werden  uns  ja  auch  sicher  noch  sehr  kräftig
auseinandersetzen  müssen,  gerade  darum,  weil  die  Bewegung  uns
evangelischen  Jugendvereinsleuten  so  nahe  verwandt  ist.

Weas  mich  zum  Worte  treibt,  ist  etwas  anderes.  Ich  möchte  den
Irrtum  nicht  aufkommen  lassen,  als  ob  der  Ausdruck  „Jugendbewegung“
  ganz  allein  auf  diese  Richtung  paßt,  wie  das  auch  schon
Fräulein  Paula  Müller  vorhin  von  ihrer  Sache  gesaat  hat.
Unsere  evangelischen  Jünglingsvereine,  der  alten  Zeit  besonders,
haben  eine  außerordentliche  Ahnlichkeit  mit  dieser  Richtung  der