Die  Jugendbewegung.  185

Man  wird  der  heutigen  Jugend  auch  nicht  gerecht,  wenn  man  ihr  sagen
wollte,  grundsätzlich  lehne  sie  die  Leitung  Erwachsener  ab.  Gerade
in  der  sozialdemokratischen  Arbeiterjugend  wurde  vor  einigen
Monaten  ein  sehr  feiner  Satz  gesagt,  den  ich  auch  zu  dem  meinigen
machen  möchte:  „Die  Jugend  sehnt  sich,  ja  sie  lechzt  nach  einer
führenden  Hand.  Aber  es  muß  eine  führende  Hand  sein,  die  sie  versteht
  und  sich  eine  Autorität  verschafft,  die  auch  Verständnis  hat  für
ihre  Schwächen  und  ihre  Mängel“.  Wenn  man  in  dem  Sinne  die
Jugend  führt,  ist  sie  auch  gern  bereit,  die  Führung  anzunehmen,  und
deswegen  möchte  ich  mich  auch  auf  den  Standpunkt  stellen,  daß  wir
gegen  diese  neue  Bewegung  überaus  steptisch  sein  müssen.  Daß  sic
heute  einmal  etwas  zu  leisten  versucht,  dagegen  kann  nichts  einzuwenden
  sein.  Wir  wünschen  ihr  alles  Gute.  Die  Ziele,  die  sie  sich
gesteckt  hat,  sind  wirklich  glänzend  und  großartig;  nur  sind  sie  so
hoch,  daß  ich  mir  von  ihrer  Verwirklichung,  wenigstens  soweit  die
Masse  der  Jugend  in  Frage  kommt,  vorläufig  nicht  viel  versprechen
ann.

Vorsitzender  (Schlußwort):  Meine  geehrten  Damen  und
Herren!  Leider  muß  ich  vor  sehr  gelichteten  Bänken  die  gestrigen
und  heutigen  Verhandlungen  zum  Schlusse  bringen.  Wenn  ich  nicht
strenger  verfahren  bin,  um  in  kürzerer  Zeit  die  Beratungen  zu  Ende
zu  bringen,  so  geschah  es  eben  deshalb,  weil  ich  der  Mahnung  gefolgt
bin,  die  hier  zum  Ausdrucke  gebracht  worden  ist,  daß  Zwang  vom
Übel  sei.  Ich  habe  Freiheit  gelassen.  Das  hat  aber  dahin  geführt,
daß  viele  das  Ende  der  Aussprache  nicht  mehr  abwarten  konnten.  Z

Meine  sehr  verehrten  Damen  und  Herren!  Sie  erlassen  mir  in
diesem  Augenblick  eine  Zusammenfassung  der  Verhandlungen,  dazu
ist  es  zu  spät.  Ich  darf  Ihnen  nur  geschäftlich  mitteilen,  daß  wir,
wie  gewohnt,  die  Verhandlungen  von  gestern  und  heute  möglichst
rasch  in  Druck  herausgeben  werden  —  es  wird  nicht  so  rasch  aehen
wie  sonst  wegen  der  Verhältnisse,  die  eben  vorliegen  —  und  daß  dann
allen,  die  sich  dafür  interessieren,  das  Material  zur  Hand  sein  wird,
um  weitere  Schlüsse  aus  den  Verhandlungen  zu  ziehen.

Wie  ich  Ihnen  am  Eingange  gesagt  habe,  es  ist  unsere  Gepflogenheit
  immer  und  auch  diesmal  gewesen,  von  Resolutionen  abzusehen.
Zu  dem,  was  in  den  einzelnen  Vorträgen  gesagt  worden  ist,  und
zu  den  Leitsätzen,  die  den  Vorträgen  zu  Grunde  liegen,  nimmt  die
Zentralstelle  keine  Stellung,  sie  behält  sich  nur  vor,  eventuell  in  ihren
weiteren  Organen  die  Ergebnisse  der  Verhandlungen  zu  verarbeiten.

Ich  danke  Ihnen  für  Ihr  Interesse,  das  vom  Anfang  an  bis  zum
Ende  gleich  lebhaft  geblieben  ist.  Wenn  irgend  etwas  die  Einberufung
  dieser  Konferenz  gerechtfertigt  hat,  so  ist  es  der  große  und
der  langandauernde  gute  Besuch  und  die  große  Aufmerksamkeit
gewesen,  mit  der  die  Versammlung  den  Verhandlungen  gefolat  ist.
Ich  habe  häufig  an  einem  Vorstandstische  gesessen,  aber  ich  habe  selten
so  viel  aufmerksame  Augen  gesehen  wie  bei  dieser  Verhandlung.
Dafür  danke  ich  Ihnen  im  Interesse  der  wichtigen  Sache.