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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Periodical

Persistent identifier:
cbl
Title:
Zentralblatt für das Deutsche Reich.
Place of publication:
Berlin
Document type:
Periodical
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1873
1918
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German
Other titles:
Central-Blatt für das Deutsche Reich.

Periodical volume

Persistent identifier:
cbl_1882
Title:
Central-Blatt für das Deutsche Reich. Zehnter Jahrgang. 1882.
Volume count:
10
Publisher:
Carl Heymanns Verlag
Document type:
Periodical volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1882
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

law_gazette

Title:
Stück No 1.
Volume count:
1
Document type:
Periodical
Structure type:
law_gazette

Chapter

Title:
3. Post- und Telegraphen-Wesen.
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter

law

Title:
Abänderung der Vollzugsbestimmungen II. 4 und III. 2 zum Eisenbahn-Postgesetz.
Document type:
Periodical
Structure type:
law

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Stavenhagen: Die deutschen Ostseeprovinzen 
Jahren 1804—42wurdedieses schrittweise aufgehoben 
und durch geeignete gesetzliche Maßregeln und Kredit- 
institutionen dafür gesorgt, daß der Teil des Guts- 
landes, den der Bauer im Mittelalter gegen seine 
a0rbeitsleistung in erblicher Nutznießung gehabt hatte, 
zunächst seiner Nutznießung (Pacht) erhalten blieb 
und im Laufe des Jahrhunderts in seinen Besitz über- 
ging, ohne daß eine Verspliterung der Bauernhöfe 
oder eine Aufsaugung durch den Großgrundbesitz ein- 
trat. Die durchschnittliche Größe eines Bauernhofes 
beträgt etwa 42 ha. So gibt es in Livland z. B. 
32000, in Kurland 38000 Bauernhöfe auf dem Guts- 
und Domänenlande. Da es in Kurland etwas über 
½ Million lettische Bauern gibt, besitzt — die Familie 
zu 4—5 Köpfen gerechnet — jeder fünfte Lette einen 
Hof von 47,72 ha, ist also nach reichsdeutscher Mes- 
sung Mittelguts-, wenn nicht Großgrundbesitzer. 
Gie der 1880er Jahre wurde in Verwaltun Ju- 
stiz Schule und Universität die russische Sprackt ein- 
gesähre An die Stelle der einheimischen Beamten 
kamen die den Rechtsgewohnheiten und Traditionen 
des Landes fremden korrumpierten russischen Ver- 
waltungs= und Polizeibeamten. Die indigene Be- 
völkerung wurde systematisch, wenn auch mit sehr 
geringem Erfolg, gegen das herrschende Deutschtum 
aufgehetzt. In den Städten wurde die russische Städte- 
ordnung eingeführt. Landtag und Kirche blieben 
deutsche Institutionen. 
1905 brach infolge und im Zusammenhang mit der 
russischen Revolution im lettischen Teil der Balten- 
mark die Revolution gegen den Zarismus und sein 
Regierungssystem aus. Die Deutschen, die sich in der 
überzeugung von der Aussichtslosigteit der Revolution 
auf die Seite der Regierung stellten, hatten ebenso 
wie die lettischen konservativen Grundbesitzer zu lei- 
den, wenn auch nicht so schwer wie diese. Doch brachte 
die auf die Revolution folgende kurze liberale Ara 
dem Deutschtum das Recht der Gründung deutscher 
Schulen und Kulturvereine. 
Lultur und Vationales. Nach der einzigen Natio- 
naluätenzählung Rußlands von 1897 waren von den 
2386 115 Bewohnern Deutsche 165 627 (6,84 Proz.), 
Letten (im südlichen Livland und Kurland) 1070 295 
(44,86 Proz.), Esten (im nördlichen Livland und in 
Estland) 884 553 (37, os Proz.), Russen 128 789 (5,89 
Proz.), Polen 36 057 (1,51 Proz.), Litauer 232110(0,97 
Proz.), Juden 62686 (2,#65 Proz.), andere Nationali- 
täten 14897 (0,61 Proz.). Protestantisch waren 80,4 
Proz., Griechisch-Katholisch 11,s Proz., Römisch-Ka- 
tholisch 4.5 Proz., Juden 3,15 Proz.!, andere Bekennt- 
nisse O,o7 Proz. Hierzu ist zu bemerken: Die Zahl der 
Deutschen ist nicht nur an sich zu niedrig angegeben, 
sondern hat sich seit 1905 auch relativ durch die Ver- 
nröberung der Existen zmöglichkeiten für sie als Deut- 
che wie durch die Kolonisation auf etwa 200 000 = 
8 Proz. gehoben, während die Zahl der Letten, bei 
denen das Zweilindersystem starke Fortschrittegemacht 
und deren Geburtsüberschuß rund 1 pro Mille bei 20 
Sterbefällen aufs Tausend beträgt, verhältnismäßi 
wenig gewachsen ist. Die Zahl der Russen ist zu hach 
angegeben; sie bestehen im wesentlichen aus der rus- 
sischen Beamtenschaft und einigen Arzten, Rechts- 
1 Daß die Juden in der Religionsstatistik mit anderen Zab- 
len auftreten als in der Nationalitätenstatistik, liegt daran, daß 
sich viele z. B. als „ Deutsche mosaischer Konfessione bezeichnen, 
aber unter den Nationalitäten als Deutsche, unter den Reli- 
gionsbekenntnissen als Juden bezetchnet werden. 
85 
anwalten, Priestern usw. und bilden kein bodenstän- 
diges Element; es ist dann auch bei der Besetzung Kur- 
lands spurlos verschwunden. Sie bilden auch etwa 
die Hälfte der 11,58 Proz. Griechisch-Katholischen. Die 
andere Hälfte, etwa 6,5 Proz., sind im wesentlichen 
in den 1840er Jahren konvertierte Letten aus bestimm- 
ten Gegenden Livlands, deren Zahl mit dem 1905 
erlaubten Bekenntniswechsel sehr stark abgenommen 
hat. Als bodenständige Elemente kommen nur Deut- 
sche, Letten, Esten und Juden (in größeren Mengen 
nur in den kurländischen Städten) in Betracht. 
Trotz der geringen Anzahl Deutscher ist die Balten- 
mark ein deutsch protestantisch kultiviertes und von 
Deutschen beherrschtes Land, wie sich aus der Betrach- 
tung der Besitz= und allgemeinen Kulturverhältnisse 
leicht ergibt. Von dem Großgrundbesitz sind etwa 
90—95 Proz in deutschen Händen, d. h. 50 und mehr 
Prozent vom Privatbesitz überhaupt. Die andere, klei- 
nere Hälfte entfällt in der Hauptsache auf denlettischen 
und estnischen Mittelgutsbesitz. 
Für den Immobilienbesitz in den Städten geben 
die Resultate der Stadtverordnetenwahlen Anbal 
punkte: Trotzdem der Wert der Immobilien für das 
russische Wahlrecht ebensowenig in Betracht kommt 
— und gerade die wertvolleren Immobilien sind in 
deutschem Besitz — wie die Zahl der besseren Immo- 
bilien, ist in etwa der Hälfte der Stadtverordneten- 
versammlungen, vor allem in Riga, die Majorität 
deutsch, d. h. die Hälfte der städtischen Immobilien ist 
in deutschem Besitz, dem Werte nach bedeutend mehr. 
Ferner ist der in Kurland recht bedeutende Besitz der 
Juden, die kein städtisches Wahlrecht haben, politisch 
und kulturell aber zu den Deutschen zu zählen sind, in 
Betracht zu ziehen, so daß dem Werte nach schätzungs- 
weise 60—70 Proz. deutsch sein dürften. 
Der Handel ist fast ein deutsches Monopol, die In- 
dustrie ist zum größten Teil in deutschen Händen. 
Der ländliche Realkredit wird — auch für die Letten 
und Esten — fast ausschließlich durch vom deutschen 
Grunddeut geschaffene Kreditinstitutionen gedeckt, der 
städsce ealkredit ist zu einem großen Teil in deut- 
chen Händen. Der Personal= und Betriebskredit wird 
durch die mächtigen deutschen landwirtschaftlichen Ge- 
nossenschaften beschafft, denen Letten und Esten nur 
Unternehmungen örtlich begrenzten Charakters von 
geringem Umfang entgegenstellen konnten. Das 
gleiche gilt von den Versicherungseinrichtun en, wo 
auch die Deutschen das übergewicht haben. Die rus- 
sischen Kreditunternehmen, die in letzter Zeit ihre Tä- 
tigkeit auf die Baltenmark ausdehnten, sind trotz aller 
Förderung seitens der Regierung für das Wirtschafts- 
leben von sehr geringer Bedeutung gewesen. 
Ebenso sind die herrschenden Stände deutsch; der 
Adel, beruflich zum großen Teil durch den Groß- 
grundbesitz vertreten, ist korporativ zusammen- 
eschlossen. Ebenso bilden die Literaten, d. h. die 
Mitglieder der »studierten« deutschen Familien, einen 
Stand und nicht eine Berufsklasse. Neben den deut- 
schen Gebildeten gibt es eine kleine Gruppe lettischer 
und estnischer Gebildeter, die aber ganz oder halb 
russifiziert ist. Ihre Zahl ist gering: z. B. gab es 
1910 in Kurland, wo es rund 50000 deutsche und 
500000 lettische Protestanten gibt, 74 deutsche (82, 23 
Proz.) und 16 lettische (17,77 Proz) Pastoren. Der 
dritte deutsche Stand sind die -Bürger-(Kaufleute, 
Handwerker), noch heutigestags in Gilden oder Am- 
tern organisiert. » 
Die Deutschen sind die Träger alles geistigen
	        

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