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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Periodical

Persistent identifier:
cbl
Title:
Zentralblatt für das Deutsche Reich.
Place of publication:
Berlin
Document type:
Periodical
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1873
1918
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German
Other titles:
Central-Blatt für das Deutsche Reich.

Periodical volume

Persistent identifier:
cbl_1901
Title:
Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunundzwanzigster Jahrgang. 1901.
Volume count:
29
Publisher:
Carl Heymanns Verlag
Document type:
Periodical volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1901
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

law_gazette

Title:
Stück No. 41.
Volume count:
41
Document type:
Periodical
Structure type:
law_gazette

Chapter

Title:
5. Polizei-Wesen.
Document type:
Periodical
Structure type:
Chapter

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Müller: Neutralität und Eintritt Italiens in den Krieg 
zehnten erhebliche Fortschritte gemacht. Als Crispi 
durch das Unglück von Adua (1. März 1896) zum 
stilten Mann wurde, versank das Land in einen tiefen 
Pessimismus, der erst in den letzten Jahren zu weichen 
begann. Die Erinnerung an jene gräßliche Nieder- 
lage, welche die zu hoch geflogenen kolonialpolitischen 
Pläne vernichtet und das militärische Ansehen des 
Staates schwer geschädigt hatte, wurde erst durch den 
mühevoll, aber immerhin erfolgreich beendeten Tri- 
poliskrieg ausgelöschr Nach sorgsamer Vorbereitung 
hatte sich das Ministerium von 1911, dessen leitende 
Köpfe Giolitti und di San Giuliano waren, an das 
Unternehmen herangewagt, das ebenso eine Macht- 
erweiterung als eine Feuerprobe für den neuen Geist 
darstellen sollte, der Italien erfüllte. In der Tat 
bot das Italien, das für die Erwerbung einer an 
sich nicht übermäßig verlockenden Kolonie allen Par- 
teihader zurückstellte und in mustergültiger nationaler 
Einigkeit trotz vieler Enttäuschungen, die der Feld- 
zug brachte, den Plan zu Ende führte, den meisten 
Kennern der alten Zustände ein neues Überraschen- 
des Bild: während des Kriegsjahres gelang es Gio- 
litti, ein umfangreiches Reformprogramm der inne- 
ren Politik ohne Widerstand durchzuführen, dessen 
Hauptstück, die Einführung eines fast allgemeinen 
Wahlrechts, in diesem vor Demokratie überfließen- 
den Lande bisher immer an der parlamentarischen 
Zerfahrenheit gescheitert war. Ein strafferer natio- 
naler Zug giny durch das Land und die Parteien, 
dem sich auch die Sozialdemokratie und der Kleri- 
kalismus nicht entzogen. Das Staatsgefühl, das in 
den fünfzig Jahren der Einheit nur kümmerlich ge- 
diehen war und durch einen gewissen Hang zur repu- 
blikanischen Staatsform und zum Anarchismus be- 
droht wurde, war sichtlich gestärkt; die Dynastie 
Savoyen, verkörpert in einenhtreng konstitutionellen 
Monarchen, der durch bürherliche urückhaltung den 
geltenden Anschauungen des Volkes gerecht wurde, 
schien endlich fest verwachsen zu sein mit dem Staate, 
der seine Entstehung aus der Revolution endgültig 
zu überwinden versprach. Giolitti hatte in den 66| n 
Jahren, in denen er eine fast unumschränkte kluge 
Gewalt in Parlament und Staat führte, konsequent 
auf diese Ziele losgearbeitet. Als Piemontese seiner 
Dynastie treu ergeben, aus der Beamtenkarriere je- 
nes alten, geordneten Staatswesens hervorgegangen, 
hatte er seine Kraft darangesetzt, das Werk seines 
roßen Landsmannes Cavour, der Italien gemacht 
zort fortzusetzen, indem er den Italiener machte. 
Das Werk der Piemontisierung Italiens war nicht 
leicht und stieß auf große Schwierigkeiten nicht nur 
politischer, sondern auch kultureller und ästhetischer 
Natur. Der unkünstlerische, nüchterne Piemontese 
ist vielen Italienern ebenso verhaßt wie seine Ord- 
zungx und seine staatliche Zucht. So war Gieolittis 
Werk keineswegs vollendet, als er im März 1914 
nicht aus einem Zwang der parlamentarischen Ver- 
fassung — denn die ersten Wahlen unter dem neuen 
Wahlrecht im Spätjahr 1913 hatten ihm eine große 
Mehrheit gebracht —, sondern mit der sicheren An- 
wartschaft auf die Rückkehr zur Regierung zurücktrat 
und die Gewalt an Antonio Salandra übertrug. 
Dieser, Kalabrese von Geburt, hatle in der Kammer 
der Gruppe konservativ gerichteter Elemente angehört, 
die sich um Sidney Sonnino, den einzigen ernsten, 
aber in einem langen politischen Leben erfolglosen 
Gegner Giolittis, scharten, näherte sich aber in dem 
Prozeß der Verwischung der Parteiunterschiede wäh- 
67 
rend des Tripoliskrieges Giolitti. Sein Ministerium 
schien zu nichts anderem bestimmt als dazu, den 
Nachweis zu erbringen, daß Giolittis baldige ückkehr 
zur Regierung allein die Vollendung des Weges zur 
Ordnung und staatlicher Kraft verbürge, den Italien 
so boffnungsvoll betreten hatte. Denn alsbald sah sich 
das neue Ministerium, obwohl es sich auf die alte 
Mehrheit Giolittis stützte, den größten inneren 
Schwierigkeiten gegenüber. Im Mai brachen in den 
Marken und in der Romagna, den Herden der repu- 
blikanischen Gesinnung, jene Aufstände aus, die mit 
einem Male die alten Wunden des Staatswesens 
wieder aufrissen, und schwere Konflikte mit den 
Eisenbahnern bedrohten den Staat in einem seiner 
wichtigsten Verwaltungszweige in einer Zeit, in der 
seine auswärtige Politik in die schwierige albanische 
Fräge verwickelt war. Nur durch ein schwächliches 
Abkommen hatte das Ministerium Salandra seinen 
Sturz noch vor den Sommerferien des Parlaments 
vermeiden können, und seine moralische und politische 
Stellung war so brüchig, daß man für das Spätjahr 
sicher mit einem Kabinettwechsel rechnen konnte, als 
der Mord von Serajevo am 29. Juni Italien und 
Europa vor ganz neue Fragen stellte, hinter denen 
alle Erwägungen der inneren Politik zurücktraten. 
Die Note der österreichisch-ungarischen Regierung 
an Serbien vom 23. Juli bildete inhaltlich und aus 
einem formellen Grunde den Ausgangspunkt einer Be- 
wegung in Presse und öffentlicher Meinung Italiens, 
umauf die Regierung, in der ein Minister des Auswär- 
tigen mit dem Stempel der Dreibundfreundlichkeit saß, 
in dem Sinne einzuwirken, daß Italien kommenden 
Waffengängen mit Gewehr bei Fuß zuschauen solle. 
Die beiden Vorwürfe, die sich gegen das Vorgehen 
Osterreichs erhoben, waren, daß ein Angriff auf Ser- 
bien in Italien als die Vergewaltigung eines kleinen 
Staates durch einen großen aufgefasßt werde, auch 
wenn dieser durch jenen z scharfen Maßnahmen ge- 
reizt wurde; eine Gefährdung der serbischen Stellung 
beeinträchtige die italienischen Balkaninteressen, die 
an die Aufrechterhaltung des Status quo gebunden 
seien. Osterreich habe aber Italien verhindert, die- 
sen seinen Standpunkt rechtzeitig zur Geltung zu 
bringen, indem es unterließ, die verbündete Regie- 
rung in Rom von dem Inhalt der Note vorher zu 
unterrichten. Dies letztere war in der Tat nicht ge- 
schehen, weil man in Wien, gewitzigt durch frühere 
schlechte Erfahrungen, der Verschwiegenheit des rö- 
mischen Kabinetts nicht sicher zu sein glaubte; über 
die politische Stellung Italiens aber zu einem öster- 
reichisch-serbischen Konflikt lag ein Präzedenzfall von 
jüngster Vergangenheit vor, an den sich Wien wohl 
erinnern mußte. Im August 1913 hatte die italieni- 
sche Regierung auf eine vertrauliche Anfrage von 
Wien, wie sie sich zu stellen gedenke, wenn Osterreich 
enötigt sein sollte, der Expansionslust des nach dem 
ukarester Frieden übermütig gewordenen Serbiens 
zu begegnen, eine kühl ablehnende Antwort gegeben, 
worauf Osterreich auf den Rat Berlins von weiteren 
Schritten absah. Wenn man trotz der Kenntnis dieser 
italienischen Auffassung in Berlin und Wien in jenen 
entscheidenden Tagen daran zu glauben schien, daß 
Italien seine Bündnispflicht erfüllen werde, so mag 
die Hoffnung, daß die Imponderabilien des Ver- 
trages, sein Geist, seine lange Dauer und das mit 
ihm verbundene Wort des Königs und die Ehre der 
Armee schwerer wiegen würden als die wörtliche Aus- 
legung, eine irreführende Rolle gespielt haben. In 
57
	        

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