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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Periodical

Persistent identifier:
cbl
Title:
Zentralblatt für das Deutsche Reich.
Place of publication:
Berlin
Document type:
Periodical
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1873
1918
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German
Other titles:
Central-Blatt für das Deutsche Reich.

Periodical volume

Persistent identifier:
cbl_1901
Title:
Central-Blatt für das Deutsche Reich. Neunundzwanzigster Jahrgang. 1901.
Volume count:
29
Publisher:
Carl Heymanns Verlag
Document type:
Periodical volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1901
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

law_gazette

Title:
Stück No. 51.
Volume count:
51
Document type:
Periodical
Structure type:
law_gazette

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Schian: Die religiöse Bewegung im Weltkrieg 
Leben Deutschlands spielen sollten, die sie vor dem 
Krieg in den Kreisen der Evangelisationsbewegung 
und durch die Organisationen der Heilsarmee übten, 
scheint fast ausgeschlossen. Sodann wird deutsche 
Eigenart auch stärkere positive Berücksichtigung in der 
kirchlichen Ausgestaltung verlangen. Das Volks- 
kirchentum hat kräftige Belebung erfahren. Die 
vor dem Krieg in den Kreisen der Rechten hervor- 
tretende Neigung zur Kirchentrennung aus dogma- 
tischen Gründen wird sich für die nächste Zeit kaum 
mehr bemerkbar machen; das in der Not der Zeit er- 
probte Einheitsbewußtsein des deutschen Volkes wird 
nachdrücklich eine das Volksganze umspannende Or- 
ganisation fordern; statt ihres Abbruchs wird ihr 
weiterer Ausbau fürs erste das Ziel sein. Damit 
wird sich eine stärkere Rücksichtnahme auf die Eigen- 
art des deutschen Volkscharakters von selbst verbin- 
den, und sei es nur in dem Sinne, daß man die Ein- 
heit in der Mannigfaltigkeit deutlicher für berechtigt 
erkennen wird als bisher. 
Die Zukunft der HLewegung. Die innere Kraft 
und im Zusammenhang damit die Zukunftsaus- 
sichten der Bewegung werden sehr verschieden be- 
urteilt. Hier und da begegnet man dem Wort von der 
religiösen »Wiedergeburt«; aber auch wo es gebraucht 
wird (z. B. bei F. Mohling. s. unten), bezeichnet es nicht 
eine Tatsache, die man für vollzogen hielte, sondern 
ein Ziel, dem man zustrebt. In der Tat könnte man 
nur in recht allgemeinem Sinn behaupten, daß das 
deutsche Volk eine religiöse Wiedergeburt erlebt habe. 
Zahllose Deutsche haben eine Neubelebung ihres maatt- 
ewordenen religiösen Lebens erfahren; aber diese 
bedeueel weder eine völlige Umwandlung. noch hat 
sie sich auf das ganze Volk ausgedehnt. Starken Ein- 
fluß hat bei dieser Belebung nicherlich die Not der Zeit 
ehabt; das = Not lehrt beten hat sich wieder bewährt. 
* Gefahr des Todes ließ den Soldaten, die Gefahr 
des Vaterlandes den Bürger zu Gott emporschauen. 
Dazu kam die überwältigende Erfahrung vom Fehl- 
schlagen aller menschlichen Berechnungen, das plötz- 
liche Aufhören aller Lebensbedinguugen, auf die man 
sich gewohnheitsmäßig eingestellt hatte, die unerhörte, 
das Gon- innerlich mit fortreißende Größe des täglichen 
Geschehens, angesichts deren auch der klügste Alles- 
wisser eine Zeitlang verstummte. Zugleich fand eine 
Umwertung der Werte statt, die sich in langer Friedens- 
zeit allmählich bei vielen an die erste Stelle geschoben 
datten; vielen ging mit einem Male das Verständnis 
für sittliche Energie, für Zucht und Ordnung auf; und 
so wurde man bereit, die Bedeutung der Religion in 
anderem Maße als früher anzuerkennen. 
In dieser Deutung des Erlebens ist die Antwort 
auf die Frage nach der Dauer der Wirkung bereits 
gegeben. Es handelt sich um Erkenntnisse, die auf 
eigenem Erleben beruhen; sie werden sicherlich auch 
in den Frieden mit hinübergenommen werden und 
in ihm weiter wirken, nur wahrscheinlich nicht mit 
der gleichen Kraft, mit der sie anfangs erfaßt wur- 
den. Friedenseindrücke werden ihnen den Rang wieder 
streitig zu machen suchen. Es handelt sich um Ein- 
drücke, die im lebenden Geschlecht fortarbeiten werden, 
die aber, wenn wir wieder mit gesicherten Friedens- 
zuständen rechnen können, allmählich verblassen wer- 
den. Es handelt sich um persönlichstes Erleben, das 
je nach der in Frage kommenden Persönlichkeit ver- 
schiedene Dauer und Wirkung haben wird; bei Ober- 
flächlichen vergeht es rasch, bei Tieferen hält es vor, 
gestaltet wohl auch wirklich den Menschen um. Daß 
325 
die wechselnden Eindrücke des Krieges auch wechselnde 
Wirkungen auf die religiöse Stimmung üben, wird 
vielfach beobachtet; dem Ernst vor dem Sturmangriff 
folgt Gleichgültigkeit bei gesicherter Lage. Die lange 
Dauer res Krieces läßt die Stärke des inneren Er- 
lebens geringer werden; der Soldat gewöhnt sich an 
die persönliche Gefahr, der Bürger an die des Vater- 
landes. Auch die sittlichen Wirkungen des Krieges 
lassen diese langsame Ermattung erkennen. Anfangs 
waren Opferwilligkeit, gegenseitige Rücksichtnahme, 
Hilfsbereitschaft sicher sehr viel größer als im späte- 
ren Verlauf des Krieges. Das gilt auch von den im 
deutlich sichtbaren engen Zusammenhange mit dem 
religibösen Leben stehenden Betätigungen des Opfer- 
sinns und der Nächstenliebe. Die anfangs gewal- 
tig anschwellende Bereitschaft zur Hergabe von Geld 
und anderen Hilfen machte später auch bei kirchlichen 
Sammlungen bereits wieder vorsichtiger Zurückhal- 
tung Platz. 
Und so werden wir die Zukunftsaussichten etwa so 
zu bestimmen haben: Die Kraft der anfänglichen 
religiösen Flutwelle wird allmählich abebben; aber 
der Krieg wird immerhin eine nicht geringe, ihn selbst 
überdauernde belebende Wirkung auf das religiöse 
und sittliche Leben des deutschen Volkes ausüben. 
Das religiöse Leben anderer Pölker. über die 
Wirkungen des Krieges auf das religiöse Leben an- 
derer Völker zu urteilen, sind wir noch nicht in der 
Lage. Dazu fehlen allzusehr die auf ruhiger Be- 
obachtung fußenden näheren Nachrichten. Von einer 
religiösen Bewegung in Frankreich ist mehrfach die 
Rede gewesen. * öfische Blätter druckten das Be- 
kenntnis eines at eissschen Schriftstellers: = Wie schwer 
ist's, auf diesem Nationalfriedhof noch Atheist zu sein! 
Ich kann es nicht, ich kann es nicht. Ich habe mich 
betrogen und euch, die ihr meine Bücher laset und 
meine Lieder sanget.“ Ein deutscher Feldzugsteilneh- 
mer fand in einem leeren französischen Schulhaus, 
vom geflüchteten Lehrer an die Wandtafel geschrieben, 
die Worte: „C'est le résultat de notre école sans 
Dieu!« In Masseneingaben ist die französische Re- 
gierung aufgefordert worden, die Abhaltung offizieller 
Gottesdienste anzuordnen. Der Ministerrat billigte 
die Antwort seines Präsidenten, der die Einmischung 
der Regierungsgewalt in jeder Form für unzulässig 
erklärte. Ein im Lande wohnender protestantischer 
Geistlicher, R. Saillens, stellt fest, daß ein Geist ern- 
ster Lebensauffassung über Frankreich gekommen, daß 
die Empfindung der Abhängigkeit vom Allmächtigen 
gewachsen sei; er berichtet von überfüllten Kirchen, 
vielen Sondergottesdiensten. = Männer, deren Leben 
im üblichen Gleis ging oder sogar gottlos war, find 
Puritaner geworden. Theater und Musikhallen sind 
gereinigt.= Freilich scheint das Urteil dieses Beobach- 
ters reichlich optimistisch; er schreibt auch den Satz: 
„Der Ton der Tagespresse steht auf hoher Stufe. 
Bischof Gibier von Versailles will wissen, daß /10 der 
französischen Soldaten beten; von anderen wird be- 
hauptet, daß der Priestersoldat bei den Soldaten der 
französischen Armee überall geachtet und willkommen 
sei. Beide Sätze gewinnen dadurch nicht an Glaub- 
würdigkeit, * 7 in der ungeheuerlich einseitigen 
Tendenzschrift „La guerre allemande et le Catholi- 
cisme stehen und daß Gibier zugleich Frankreich das 
auserwählte Volk Gottes, den Frtund Christi und den 
treuen Diener der heiligen Kirche nennt. Die Antwort 
deutscher Katholiken auf jenes Buch bestreitet denn 
auch diese Behauptungen ganz entschieden unter Bei-
	        

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