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Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)

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Bibliografische Daten

fullscreen: Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
kbl
Titel:
Deutsches Kolonialblatt.
Erscheinungsort:
Berlin
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Sammlung:
deutschesreich
Erscheinungsjahr:
1890
1921
DDC-Sachgruppe:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Sprache:
Deutsch

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
kbl_1904
Titel:
Deutsches Kolonialblatt. XV. Jahrgang, 1904.
Bandzählung:
15
Herausgeber:
Ernst Siegfried Mittler und Sohn
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
deutschesreich
Erscheinungsjahr:
1904
DDC-Sachgruppe:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Sprache:
Deutsch

law_gazette

Titel:
Stück Nummer 4.
Bandzählung:
4
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
law_gazette

Kapitel

Titel:
Amtlicher Teil.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Handbuch der Politik.
    Handbuch der Politik.
  • Handbuch der Politik. Zweiter Band. (2)
  • Verlagshinweis
  • Inhaltsverzeichnis. Zweiter Band: Die Aufgaben der Politik.
  • short_title_page
  • Siebentes Hauptstück. Die politischen Parteien in Deutschland.
  • 31. Abschnitt.
  • 32. Abschnitt. Die Zentrumspartei. Von Justizrat Dr. Carl Bachem, Cöln (Rhein).
  • 33. Abschnitt. Nationalliberale. Von Ernst Bassermann, M. d. R., Rechtsaowalt in Mannheim.
  • 34. Abschnitt. Der Linksliberalismus. Von Conrad Haussmann, M. d. R.. Rechtsanwalt in Stuttgart.
  • 35. Abschnitt.
  • a) Die Sozialdemokratie. Von Paul Hirsch, Stadtverordneter, M. d. A., Charlotteaburg.
  • b) Der Revisionismus in der Sozialdemokratie. Von Eduard Bernstein, M. d. R., Berlin.
  • 36. Abschnitt. Wirtschaftliche Bünde.
  • Achtes Hauptstück. Die öffentlichen Lasten und Schulden.
  • Neuntes Hauptstück: Allgemeine Wirtschaftsfragen.
  • Zehntes Hauptstück. Der öffentliche Verkehr.
  • Elftes Hauptstück: Handel, Geld und Kredit.
  • Zwölftes Hauptstück: Urproduktion und Gewerbebetriebe,

Volltext

56 Eduard Bernstein, Der Revisionismus in der Sozinldemokratie. 
  
in dem bekannten Satz aus seiner 1869 gegen Schweitzer gerichteten Rede „Die politische Stellung 
der Sozialdemokratie‘ zum Ausdruck kommt, die den Parlamentarismus verwirft. Sie lautet: 
„Die Sozialdemokratie darf unter keinen Umständen und auf keinem Gebiet mit den 
Geguern verhandeln. Verhandeln kann man nur, wo eine gemeinsame Grundlage 
besteht. Mit prinzipiellen Gegnern verhandeln heisst sein Prinzip opfern. Prin- 
zipien sind unteilbar; sie werden entweder ganz bewahrt oder ganz geopfert. Die 
geringste prinzipielle Konzession ist die Aufgebung des Prinzips. Wer mit Feinden 
parlamentelt, parlamentiert, wer parlamentiert, paktiert.‘ 
Diese Sätze sind nun freilich nie in der deutschen Sozialdemokratie buchstäblich befolgt 
worden. War doch auch Liebknechts engerer Bundesgenosse August Bebel schon damals ın 
bezug auf den Parlamentarismus etwas andre Wege gegangen, so dass die Rede zugleich an seine 
Adresse gerichtet war. Aber Liebknecht siegte persönlich über Schweitzer, und bei seiner grossen 
Popularität beeinflusste seine Beurteilung des Parlamentarismus doch lange Zeit das Denken seiner 
Partei. Sie konnte dies um so mehr, als sie im Endergebnis in hohem Grade mit den Anwendungen 
zusammenfiel, die Marx und Engels aus ihrer Lehre vom Klassenkampf und den ökonomischen 
Entwicklungsgesetzen der Gesellschaft gezogen hatten, so wenig Liebknechts Deduktion, dass man 
schon durch blosses Verhandeln mit Gegnern Prinzipien opfere, der materialistischen Geschichts- 
auffassung entspricht. Dieletztere Theorie ist aber systematisch erst Ende der siebziger Jahre und im 
Laufe der achtziger Jahre in der Sozialdemokratie propagiert worden und eroberte die Geister in 
der Epoche des Bismarck’schen Ausnahmegesetzes, die nicht geeignet war, eine Abrechnung mit 
jenen politischen Deduktionen herbeizuführen. 
Nachdem aber das Sozialistengesetz gefallen war, musste das Bedürfnis nach jener Abrech- 
nung sich um so eher aufdrängen, als schon in den letzten Jahren der Geltung des Gesetzes die 
Sozialdemokratie dem Parlamentarismus einige weitere Zugeständnisse (Teilnahme an Kom- 
missionsberatungen etc.) gemacht hatte, und das starke Wachsen ihrer Vertretungen im Reichstag 
und den Landtagen verstärkte Wahrnehmung von Arbeiterinteressen möglich machte. Es er- 
folgten im Jahre 1891 die Reden Georg von Vollmars in München über die nächsten Aufgaben 
der Sozialdemokratie, die eine Konzentration auf bestimmte Reformen vorschlugen, und wenn 
der Vorschlag auch noch im Herbst jenes Jahres auf dem Kongress der Sozialdemokratie zu Erfurt 
eine Ablehnung erfuhr, so war die Diskussion der Fragen, die die Debatte über ihn aufgewühlt 
hatte, damit noch nicht abgeschlossen. 
Neue Fragen traten vielmehr hinzu. So gegen die Mitte der neunziger Jahre die Agrar- 
frage. Dieimmer stärkere Hinaustragung der Agitation auf das platte Land, wo man namentlich 
in Süddeutschland mit demokratisch gerichteten Klein- und selbst Mittelbauern zusammenstiess, 
sowie der damalige grosse Preissturz auf dem Markt der Hauptprodukte der Landwirtschaft legten 
den Gedanken nahe, dass die Sozialdemokratie sich auch der Bauern anzunehmen habe. Aber wie 
sollte das geschehen und wo war die Grenze zu ziehen, wenn die Partei sich nicht mit den Sätzen 
des eignen, 1891 in Erfuıt beschlossenen Programms in Widerspruch setzen wollte, das die Bauern 
als eine vor dem Grossgrundbetrieb versinkende Schicht geschildert hatte? Es geschah in den De- 
batten über diese Frage, dass zuerst die Parole Revision der Parteianschauungen 
ausgegeben wurde. Aufdem Parteitag von Breslau (1895) erklärte der Delegierte Dr. Bruno Schön- 
lank, es vollziehe sich eine „Revision der Vorstellungsweise“ in der Sozial- 
demokratie, eine „Umbildung der Begriffe“, die „unaufhaltsam weitergehe“ und vor 
der „der Fanatismus der Parteidogmatiker zu zerbröckeln“ beginne. (Breslauer Protokoll S. 152.) 
Prinzipiell war damit die Grenze einer bloss taktischen Diskussion schon überschritten, war die 
theoretische Grundlage des Parteiprogramms an einem wichtigen Punkt in Frage gestellt. 
Andere warfen die Frage auf, ob die materialistische Geschichtsauffassung in der Auslegung stimme, 
in der sie zumeist in der Partei propagiert wurde, ob der bewussten Aktion nicht eine grössere ge- 
schichtliche Bestimmungskraft zugeschrieben werden müsse, als wie es nach jener Auslegung er- 
scheine, und schliesslich ward 1899 in einem Buch des Unterzeichneten ‚Die Voraussetzungen des 
Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie“ ausgeführt, die Sozialdemokratie müsse die 
dee von einem in Bälde zu erwartenden wirtschaftlichen Zusammenbruch der Gesellschaft ganz
	        

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