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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

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Bibliografische Daten

Volltext: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

Zeitschrift

Persistenter Identifier:
kbl
Titel:
Deutsches Kolonialblatt.
Erscheinungsort:
Berlin
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Sammlung:
deutschesreich
Erscheinungsjahr:
1890
1921
DDC-Sachgruppe:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Sprache:
Deutsch

Zeitschriftenband

Persistenter Identifier:
kbl_1909
Titel:
Deutsches Kolonialblatt. XX. Jahrgang, 1909.
Bandzählung:
20
Herausgeber:
Ernst Siegfried Mittler und Sohn
Dokumenttyp:
Zeitschriftenband
Sammlung:
deutschesreich
Erscheinungsjahr:
1909
DDC-Sachgruppe:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Sprache:
Deutsch

law_gazette

Titel:
Stück Nummer 3.
Bandzählung:
3
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
law_gazette

Kapitel

Titel:
Amtlicher Teil.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Kapitel

Kapitel

Titel:
Personalien.
Dokumenttyp:
Zeitschrift
Strukturtyp:
Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Zweiter Teil. (2)

Volltext

Seeliger: Galizien und die polnische Faage 
tragen. Die Polen Galiziens bilden den südlichen Flü- 
gel des im Oder= und Weichselgebiet ansässigen 15= 
Millionenvolks; die Krönungsstadt Krakau war in der 
Zeit der höchsten Blüte polnischer Macht, vom 14.— 
17. Jahrhundert, Mittelpunkt des polnischen Lebens. 
Die Ruthenen Galiziens sind Ukrainer (vgl. Bd. 1, 
S. 82), sie werden auch Rotrussen oder Rotruthenen, 
nach der offiziellen russischen Bezeichnung Kleinrussen 
genannt. Die etwa 33 Millionen Ukrainer, die Be- 
wohner des weiten südwestlichen Rußlands, des nörd- 
lichen Beßarabiens, des östlichen Galiziens, der nörd- 
lichen Bukowina und der nördlichsten Landstriche 
Ungarns, haben den slawischen Typus reiner erhalten 
als das Tochtervolk, das von ihnen ausgegangen war 
und sich auf Kolonisationsboden durch Verdindung 
mit fremden Volkselementen, mit Finnen und Ta- 
taren, zu einer alle anderen Slawen weit überragen- 
den Volksmasse ausgedehnt hat, die Großrussen. 
Als drittes Volkstum von ausgeprägter Indi- 
vidualität gesellen sich in Galizien die Juden (pgl. 
Bd. I. S. 83) hinzu, die gleich den Stammesgenossen 
im westlichen Rußland, in der Bukowina und in 
Beßarabien seit dem 14. Jahrhundert aus dem deut- 
schen Westen eingewandert waren. Sie leben auf dem 
platten Lande fast nur als Gastwirte und Kredit- 
eber, sie bewohnen mit Vorliebe die Städte und trei- 
en Handel aller Art. Zahlreiche galizische Städte 
haben ein völlig jüdisches Gepräge, in manchen bilden 
die Juden die Mehrheit der Bewohner. An ihrer 
Eigenart in Religion, Sitte und Sprache, letztere eine 
ostmitteldeutsche, mit hebräischen und slawischen Wor- 
ten durchsetzte Mundart (7Jidisch-), halten sie mit 
rößter Zähigkeit fest, zeigen sich aber der zionistischen 
eweg ung nicht sehr zugänglich und schließen sich gern 
jener Nation äußerlich an, die den maßgebenden Ein- 
fluß im Lande ausübt; wie sich die Juden der Buko- 
wina meist als Deutsche bekannten, so die Juden Ga- 
liziens fast ausnahmslos als Polen. 
Das Deutschtum in Galizien. Obschon das Er- 
gebnis der Zählung von 1910, wonach die Deutschen 
nur 1,1 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmachen, 
sicher irrig ist, so bilden die Deutschen im Verhältnis 
# Polen und Ruthenen nur eine verschwindend kleine 
inderheit, kaum mehr als 100000, von den in 
Wahrheit Deutsch sprechenden Juden abgesehen. Aber 
dennoch hat das Deutschtum beim ganzen Aufbau des 
Kulturlebens in Galizien einen geradezu überwälti- 
geden Einfluß ausgeübt. Nicht allein das deutsche 
echt hat im Mittelalter dem flawischen Osten, be- 
sonders in den Städten, die festen Ordnungen ge- 
eben, sondern fast alle Elemente des Geistigen und 
unstlerischen, ebenso Elemente der Siedlungsart und 
des Wirtschaftslebens stammen vom deutschen Volk, 
selbst da, wo nicht eine unmittelbare Vermittlung durch 
deutsche Siedler stattfand. Aber auch die deutsche 
Kolonisation ist einst bedeutend gewesen. 
Seit dem 13. Jahrhundert sind Deutsche nach Klein- 
polen und dem südlichen Ruthenenland als bürger- 
liche Siedler, als Städtebewohner sowie als Ritter 
und Großgrundbesitzer gekommen. Ostmitteldeutsche 
waren es zumeist, die über Schlesien von einsichtigen 
Regenten Polens und des damals selbständigen Ru- 
theniens gerufen wurden. Mit Magdeburger Recht 
wurden die neu gegründeten Städte ausgestattet; 
deutschen Charakter hatten die führenden Städte. 
Krakau war im 13. Jahrhundert eine deutsch ver- 
waltete Bürgergemeinde; Vemberg erscheint um die 
Wende des 13. und 14. Jahrhunderts als deutsches 
27 
Gemeinwesen, mit deutschen Beamten und deutscher 
Amsssprache. Bei zahlreichen galizischen Städten und 
Dörfern ist das gleiche anzunehmen. Für diese Pe- 
riode spricht ein Lemberger Chronist des 17. Jahr- 
hunderts von der „Leopolis Germanica“. Auch der 
Klerus war vielfach deutsch. Nach einem Beschluß des 
Przemysler Kapitels von 1452 sollten alle angestellten 
Geistlichen der deutschen Sprache mächtig sein. Erst 
im 16. Jahrhundert beginnt sich allmählich ein Um- 
schwung zu vollziehen. Eine starke Polonisierung 
setzt ein. Der Adlige, der vornehme Bürger betrach- 
tet sich als Pole, der freie deutsche Bauer wird vom 
slawischen Adel mißgünstig behandelt. Die deutschen 
Errungenschaften gingen im 16. und 17. Jahrhun- 
dert verloren; nur im westlichsten Teil, der als schle- 
sisches Landesgebiet im 13. und 14. Jahrhundert 
deutsch kolonisiert worden war, blieb die Sprachinsel 
BialaKunzendorf- Alzen erhalten. Erst das 18. 
Jahrhundert brachte in Galizien eine Erneuerung des 
deutschen Lebens. Schon Mitte des Jahrhunderts 
beriefen polnische Könige und Herren Deutsche; da- 
mals suchte Stanislaus Poniatowsti., der Vater des 
kesten Polenkönigs, die Stadt Zalesczyki am Dnujestr 
besonders durch cheesische Tuchmacher zur Blüte zu 
bringen. Und dann setzten nach der ersten Teilung 
Polens die Bemühungen Maria Theresias und Jo- 
sephs II. ein. Durch das Patent von 1774 wurden 
tohtreiche bäuerliche Siedler, meist Süddeutsche, nach 
alizien gerufen, nicht um zu germanisieren, nur um 
die Landeskultur zu heben. Eine über das ganze Land 
hin verstreute Siedlung wurde deshalb angeordnet; 
in 200 Ortschaften Galiziens begegnen gegenwärtig 
beträchtliche deutsche Volkselemente. Und wie die Be- 
rufung deutscher Bauern und Handwerker nicht auf 
Germanisierungstendenzen beruht, so auch nicht die 
nur im zentralen Staatsinteresse gestellte Forderung 
Josephs an den ersten galizischen Statthalter, -daß 
alles in deutscher oder lateinischer Sprache traktiert 
werden solle«. Die nationalen Folgen waren gleich- 
wohl bedeutsam. Durch die deutsche Verwaltung er- 
hielt das ganze Land nach und nach einen deutschen 
Anstrich. Huch auch die Masse des Volkes unberührt, 
wurde auch nirgends planvoll germanisiert und fehlte 
insbesondere auch jede Absicht dieser Art, so machte 
sich doch eine germanisierende Wirkung geltend. Alles, 
was auf höhere Bildung und auf Einfluß Anspruch 
erhob, begann sich dem Deutschtum zuzuwenden. 
1784 ward in Lemberg eine deutsche Universität ge- 
gründet, die ehrwürdige, 1361 gestiftete Jagellonen- 
uUniversität Krakau gewann deutschen Charakter. 
Wurde auch Galizien im 19. Jahrhundert durchaus 
nicht ein deutsches Land, so war doch eine beherr- 
schende deutsche Oberschicht hervorgetreten und hatte 
dem in seinem Volkstum polnisch und ruthenisch ge- 
bliebenen Kronland ein deutsches Gepräge verliehen. 
— Erst Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die flawische 
Reaktion ein. 1867 wurde Galizien der Herrschaft der 
Polen überliefert. Die deutsche Beamtenschaft ver- 
schwand, die Amtssprache wurde 1868 polnisch, die 
beiden Universitäten Krakau und Lemberg wurden 
vollstündig polonisiert und eine Akademie der Wissen- 
schaften in Krakau als Mittelpunkt des national- 
polnischen Wissenschaftslebens gegründet. Die Um- 
wandlung konnte sich so ungemein rasch vollziehen, 
weil es sich nicht um eine nationale Veränderung des 
Volkstums, sondern nur um eine Verschiebung in der 
politisch und kulturell vorherrschenden kleinen Ober- 
schicht gehandelt hat.
	        

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