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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Multivolume work

Persistent identifier:
meyer_konversationslexikon
Title:
Meyers Großes Konversations-Lexikon.
Document type:
Multivolume work
DDC Group:
Sprache
Copyright:
Ewiger Bund

Volume

Persistent identifier:
meyer_konversationslexikon_1_1916
Title:
Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil.
Volume count:
1
Place of publication:
Leipzig und Berlin
Publisher:
Bibliographisches Institut.
Document type:
Volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1916
DDC Group:
Sprache
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Egelhaaf: Der Dreibund 
Gortschakow, eine Deutschland unfreundliche Haltung 
an, der auch Zar Alexander II. selbst nicht ganz fremd 
war. Im Sommer 1876 trat auch der alte Gegen- 
satz Rußlands zu Osterreich auf dem Balkan mit neuer 
Stärke hervor. Der Zar ließ von seinem Sommer- 
sitz Livadia in der Krim aus Bismarck sondieren, ob 
Deutschland im Fall eines russischen Angriffs auf 
Osterreich neutral bleiben werde oder nicht. Bismarck 
suchte zunächst auszuweichen, entsandte aber auf das 
Drängen des Zaren den deutschen Botschafter am 
russischen Hof, General v. Schweinitz, nach der Krim, 
um dem Zaren mitzuteilen, daß Deutschland vor allem 
den Fortbestand der Freundschaft Osterreichs und 
Rußlands wünsche, daß es gegebenenfalls auch er- 
tragen könne, daß sie gegeneinander Schlachten ge- 
wönnen und verlören, nicht aber, daß eine der beiden 
Mächte so verwundet würde, daß sie aufhören würde, 
eine unabhängige und in Europa mitredende Groß- 
macht zu sein. Das hieß, daß wir ebensowenig Ocster- 
reichs als Rußlands Vernichtung mit unseren Lebens- 
interessen vereinbar fänden. Dem Zaren behagte diese 
Antwort, wie seine Stimmung war, wenig; er suchte 
jetzt mit Osterreich, da er nicht hoffen durfte, es zu 
Boden zu schlagen, eine direkte Verständigung und 
schloß am 15. Januar 1877 einen geheimen Vertrag 
mit Kaiser Franz Joseph ab, kraft dasfen Rußland freie 
Hand erhielt, in dem damals wütenden Aufstand der 
Bosnier, der Herzegowiner und der Bulgaren gegen 
Sultan Abdul Hamid einzugreifen und sich des Haupt- 
einflusses im Osten des Balkans zu bemächtigen; da- 
für ward Osterreich die Erwerbung Bosniens und 
der vorwaltende Einfluß im Westen der Halbinsel zu- 
gesichert. 
Auf Grund dieses Abkommens erklärte der Zar am 
24. April 1877 dem Sultan den Krieg und zwang ihn 
nach sehr wechselvollen Kämpfen am 3. März 1878 
zu dem Frieden von San Stefano, durch den das 
türkische Reich in Europa fast vernichtet und ein Groß- 
bulgarien von der Donau bis Salonikierrichtet wurde. 
Da dieser neue Staat zunächst nichts anderes als ein 
russischer Vasallenstaat zu sein schien, wurde die Vor- 
macht Rußlands auf dem Balkan voraussichtlich über- 
gewaltig und damit der Ortent überhaupt von ihm 
gänzlich abhängig. Diesen Zustand wollte England 
nicht hinnehmen, und auch Osterreich sah sich in seinen 
wichtigsten Interessen bedroht, wenn die Donau- 
mündungen in Rußlands Hand gerieten. Ein neuer, 
für Rußfand sehr gefährlicher Krieg drohte auszu- 
brechen. In dieser Lage übernahm Bismarck auf Ruß- 
lands Wunsch die Vermittlung. In Berlin trat am 
13. Juni 1878 ein Kongreß der Großmächte zusammen, 
der in seiner Schlußakte vom 13. Juli zwar die recht- 
liche oder tatsächliche Befreiung Serbiens, Rumäniens 
und Bulgariens vom türkischen Joch aufrechterhielt, 
Bulgarien aber in wesentlich engere Grenzen verwies, 
es zu einem Tribut an den Sultan verpflichtete und 
Ostrumelien mit Philippopel als besondere autonome, 
türkische Provinz einrichtete. Österreich--Ungarn aber 
empfing von Europa den Auftrag, Bosnien und die 
Herzegowina, wo der Sultan die Ordnung nicht her- 
zustellen vermochte, zu besetzen, zu befrieden und zu 
verwalten, dem Namen nach als Teile der ottomani- 
schen Monarchie, tatsächlich als österreichisch-unga- 
rische Landschaften. Es vollzog diesen Auftrag im 
August und September 1878. 
it diesem Ausgang der Dinge waren Italien und 
Rußland 5 unzufrieden. Italien sah mit Miß- 
dehagen, daß Österreich-Ungarn, dem es gern seine 
19 
italienischen Gebiete — Welschtirol mit Trient, Görz, 
Gradiska, das Küstenland und Triest— abgenommen 
hätte, sich eine starke Stellung im Osten des Adriati- 
schen Meeres am Balkan schuß auf dem es bisher nur 
Kroatien und Dalmatien ohne ein Hinterland besessen 
hatte. Der Traum der Italiener, der von den eiten 
der venezianischen Seeherrschaft herrührte, daß die 
Adria mare nostro, unser Meer-, werden sollte, 
war vor der rauhen Wirklichkeit zerstoben. Rußland 
aber grollte, daß ihm ein großer Teil der schon unter 
Dachgeglaubten Früchte seines Sieges über die Türken 
wieder entrissen worden war, und das bald sichtbar 
werdende Streben der Bulgaren, nicht bloß den Herrn 
zu wechseln, sondern ein in Wahrheit unabhängiges 
Staatswesen zu bilden, ließ auch den Wert des Er- 
reichten fraglich werden; Osterreich-Ungarn dagegen 
hatte einen wirklichen Erwerb gemacht. Daraus ent- 
wickelte sich in St. Petersburg eine gereizte Stimmung, 
und statt sich zu sagen, daß man fetest den Bogen in 
San Stefano allzusehr überspannt und mehr begehrt 
hatte, als man gegen Englandhatte behaupten können, 
klagte man Deutschland an, daß es, undankbar für die 
1866 und 1870 Preußen gegenüber eingenommene 
Haltung, der russischen Politik nicht die gebührende 
Unterstützung gewährt und ihre Niederlage verursacht 
babe ls sich bei der Feststellung der Grenzen Bosniens 
zw. der Herzegowina und Serbiens zwischen den 
russischen und österreichischen Bevollmächtigten Mei- 
nungsverschiedenheiten erhoben und Deutschland aus 
sachlichen Gründen mehrfach den Österreichern beitrat, 
schrieb Zar Alexander II. im August 1879 an seinen 
Oheim, Kaiser Wilhelm I., einen Brief, der an zwei 
Stellen die Drohung enthielt, wenn Deutschland an 
seiner Weigerung festhalte, seine Stimme ein für alle- 
mal im Sinne Küßlands abzugeben, so könne der 
Friede zwischen ihm und Rußland nicht dauern. Dieser 
Brief stellte das Deutsche Reich offenbar vor die Wahl, 
sichentweder zum willen- und würdelosen Schleppträger 
Rußlands in allen orientalischen Fragen herzugeben 
oder sich eines Angriffs zu verseßen- An sichneigte Bis- 
marck, wie er in seinen Gedanken und Erinnerungen 
(Kapitel 29) ausführt, mehr zu einem Bündnis mit 
Rußland als mit Osterreich, da wir zu Rußland weder 
religiöse noch politische Gegensätze hätten, sein Herr- 
scherhaus mit dem preußischen altbefreundet und ver- 
schwägert sei, auch der monarchische Erhaltungstrieb 
bei ihm ebenso stark wirke als bei Preußen. Da aber 
dieser Bund zur Zeit durch das Gebaren der Russen 
unmöglich geworden war, so entschied sich Bismarck 
für das Zusammengehen mit Osterreich, obwohl er die 
aselbst vorhandenen antideutschen oder doch unzuver- 
lässigen Elemente klar erkannte. Stärker waren doch 
die Gründe, welche hüben wie drüben auf den Zu- 
sammenschluß hindrängten, und ohne daß er beab- 
sichtigt hätte, für die Vertretung österreichischer 
Interessen im Balkan und im Orient deutsches Gut 
und Blut herzuleihen-, sah er doch „die Erhaltung 
der österreichisch- ungarischen Monarchie als einer un- 
abhängigen starken Großmacht für Deutschland als ein 
Bedürfnis des Gleichgewichts in Europa an, für das 
der Friede des Landes bei eintretender Notwendigkeit 
mit gutem Gewissen eingese twerden könnec. Da auch 
der österreichisch-ungarische Minister des Auswärtigen, 
Graf Andrässy, angesichts des für Österreich-Ungarn 
dußerst bedrohlichen Verhaltens der Russen von der 
Notwendigkeit des Zusammenschlusses mit Deutschland 
durchdrungen war, 37 in Gastein am 27. und 28. 
August 1879 eine Zusammenkunft beider Staats- 
2*
	        

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