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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

law_collection

Persistent identifier:
rbl_swe_3
Title:
Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen.
Place of publication:
Weimar
Document type:
law_collection
Collection:
weimar
Publication year:
1903
1918
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund

law_collection_volume

Persistent identifier:
rbl_swe_1908
Title:
Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen auf das Jahr 1908.
Volume count:
92
Place of publication:
Weimar
Publisher:
Hermann Böhlaus Nachfolger
Document type:
law_collection_volume
Collection:
weimar
Publication year:
1908
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

law_gazette

Title:
Regierungsblatt Nummer 15.
Volume count:
15
Document type:
law_collection
Structure type:
law_gazette

law

Title:
[57] Ministerialverordnung zur Ausführung des Vereinsgesetzes vom 19. April 1908.
Volume count:
57
Document type:
law_collection
Structure type:
law

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Grünwald: Krieg und Schule 
Augusttagen abgehalten und die ungeduldigen Vater- 
landsverteidiger früh genug entlassen werden — gar 
mancher mit der Mahnung, dem Vaterlande zu geben, 
was er der Prüfungskommission schuldig geblieben sei. 
Dazu kamen Examina für den einjährig freiwilligen 
Dienst, Beratungen über Zuerkennung der vorzeitigen 
Versetzung nach Unter- und Oberprima behufs Er- 
langung des Fahnenjunker= bzw. Fähnrichseugnisses! 
dazu im Verlaufe des Krieges verlangte Notprüfun- 
gen aller Art — wofür die Behorde weitgehende Er- 
leichterungen gewährt hatte. Schwierig gestaltete sich 
die Ersetzung einberufener Lehrkräfte. Der 
ersten Not konnte nur durch Stundenausfall, Zu- 
sammenlegung von Klassen und Erhöhung der Pflicht- 
stundenzahl der zurückgebliebenen Lehrer begegnet 
werden. Ohne unpädagogische Maßregeln ging es 
dabei nicht ab; das Durchnehmen des vorgeschriebe- 
nen Pensums konnte nicht oder nur oberflächlich be- 
wältigt werden, Wahlfreiheiten und persönliche Lieb- 
habereien mußten zurücktreten, mancher Mathematiker 
mußte seine lateinische Grammatik, mancher Philo- 
log den Pythagoras wieder vornehmen technische Fä- 
cher kamen oft ganz in Wegfall. Unterdessen waren 
in den Provinzialschulkollegien Nachweise zur Aus- 
hilfe sich darbietender Lehrkräfte eingerichtet worden: 
Emeriti des Standes, Geistliche, Privatlehrer, Stu- 
denten, Künstler, Techniker, Damen wie Herren, Be- 
rufene und weniger Berufene konnten manche Lücke, 
nicht alle, ausfüllen. Nicht weniger litt der Unter- 
richt durch die ganze Unruhe der Zeit; besonders 
in den ersten Kriegsmonaten, wo das Neue und die 
Spannungalles in Atem hielten, außerdem die Sieges- 
nachrichten sich drängten, war es nicht immer leicht, 
die Zügel in der Hand zu behalten: das bewegte 
Straßenleben mit seinen militärischen Bildern, Aus- 
lagen in den Schaufenstern, Zeitungen u. Zeitschriften, 
Sieges. und Totenfeiern, häusliche schmerzliche und 
freudige Kriegsnachrichten, ein vaterloser Haushatt, 
Sammlungen und Arbeiten für Kriegszwecke lenkten 
leicht ab und durchkreuzten die nötige Stetigkeit der 
Erziehung. Die Verhältnisse bringen es mit sich, daß 
die höheren Schulen unter einer gewissen Verwilde- 
rung. ja Verrohung der Jugend, über die die Zeitungen 
wie die Jugendrichter und selbst die Strafrichter kla- 
en müssen, nicht gerade leiden; aber schon mangelnde 
eilnahme am Unterricht kann bei ihnen verhängnis- 
voll werden. Teilweise wenigstens suchte die Schule 
dem jugendlichen Bedürfnis nach Miterleben der 
großen Zeit Rechnung zu tragen, denn Erziehen heißt 
doch wohl auch Erlebenlassen, und insonderheit das 
Mittunwollen in regelmäßige und planvolle Tätigkeit 
zu verwandeln. Im Geschichtsunterricht wurden Par- 
allelen zur Gegenwart gezogen, die Fäden der feind- 
lichen Gespinste zurückverfolgt, die Zeitereignisse auch 
wohl in bestimmten Wochenstunden durch Lehrer= und 
Schülervorträge und mit Hilfe von Karten und z. T. 
von den Schülern selbst verfertigtem Anschauungs- 
material der Fassungskraft der Jugend nahe gebracht; 
in der Erdkunde lernte man die Kriegsschauplätze 
kennen, besprach auch wohl die Einflüsse der Boden- 
gestaltung und des Klimas auf die militärischen Er- 
eignisse. In Deutschen herrschten kriegerische oder doch 
nationale Stoffe, prosaische und besonders poetische, 
klassische und moderne, vor; Kriegsdiktate und Kriegs- 
aufsätze spiegelten die neue Ideenwelt, die uns auf- 
gegangen ist, wider. Religionsstunden und Schul- 
Enbachten klärten und stärkten verwirrte und schwache 
Seelen und zeigten die schreckliche Wirklichkeit im 
Der Krieg 1914/16. k. 
337 
Lichte des Ewigen: die Psalmen und Propheten des 
Alten Testaments gewannen wunderbaren Gegen- 
wartswert. Die Fremdsprachen gaben auf Schrit 
und Tritt Gelegenheit, Parallelen mit der Zeit zu 
ziehen oder den Charakter unserer Gegner zu beleuch- 
ten, und interessierter übersetzte der Sextaner, daß 
die Engländer den Deutschen, als daß die Karthager 
den Römern den Krieg erklärt haben. In den Rechen- 
aufgaben lieferten Brotkarte, Nahrungsmittelpreise 
und die ungeheuren Zahlen, an die uns dieser Krieg 
gewöhnt hat, den zeitgemäßesten Stoff. Mathema- 
tiker und Naturwissenschaftler ließen Geschoßflug- 
bahnen berechnen und zeichnen, Geländemessungen 
anstellen, erklärten Tauchboot und Luftschiff, be- 
sprachen Volkswirtschafts- und Ernährungsfragen. 
Vaterländische Lieder ertönten im Gesangunterricht. 
Aber nicht nur in lehrplanmäßigen Stunden wurde 
die Schule der Zeit gerecht: in besonderen Kriegs= 
abenden vereinigte sie um sich auch Angehörige der 
Schüler und Freunde der Anstalt, um an ihrem Teile 
das große Erlebnis der #eit aufklärend und auf- 
munternd zu beleuchten. Und wenn nun erst Lehrer 
oder ehemalige Schüler aus dem Felde zurückkehrten, 
verwundet, das Ehrenkreuz auf der st, in der 
kleidsamen Felduniform, gar mancher, der als Ge- 
meiner ausgerückt war, zum Leutnant befördert, und 
von ihren Erlebnissen erzählten, von endlosen Mär- 
schen, entnervendem Trommelfeuer, schwimmenden 
Schützengräben, wildem Sturmangriff — dann hin- 
gen die Kinder an den Lippen des Augenzeugen, 
dann glühten die Herzen wie die Köpfe, und dann 
brauste endlich der dankbare Beifall durch die an 
solche Ehrungen so wenig gewöhnte Aula. Und dann 
umringte man das greifbare Wunder, das Stück 
Krieg, und verlegen und blutübergossenen Antlitzes 
stand wohl der Gefeierte vor seinen alten Lehrern, 
die ihn heute so gern im Mittelpunkt des Interesses 
sahen und sich freuten, was oft aus dem zarten, 
schüchternen Jüngling für ein stattlicher, reifer Mann 
eworden war. Exempla trahunt: so lernte in die- 
aen Tagen die Jugend den Pflichtmoralismus Kants 
und Fichtes, das große Schicksal und das große 
Opfer. Ist es überraschend, daß in dieser Zeit der 
Taten und Wunder die Jugend nicht untätig bleiben, 
sich nicht bloß begeistern lassen, sondern mittun wollte 
an dem großen Werke des Durchhaltens, in das 
heimatliche Heer der Kämpfer für des Vaterlandes 
Bestand und Ehre eingereiht sein wollte? Über- 
raschend blieb immerhin, in welcher Ausdehnung und 
mit welcher Hingabe und mit welchem Erfolge sich 
die Schule der Kriegshilfe widmete. Gern stellten 
sich die Lehrer an die Spitze von Organisationen und 
Veranstaltungen, die diesem Zwecke dienten. Ganz 
unerwartet hohe Ergebnisse hatte die Goldgeldsamm- 
lung, die allein in Preußen bis zum 1. Juli 1915 auf 
65 Millionen stieg und noch für die Monate Januar 
und Februar 1916 in allen deutschen Schulen mehr als 
1½ Million ergab. Zäh, unverdrofsen, mit Bitten, 
Schmeichelei und List warb die junge Welt in ihrer 
Umgebung, lag auch wohl, mit Legitimationen der 
Schule oder einer Behörde versehen, in den Straßen 
der Stadt und. besonders auf dem Lande bei den 
papiergeldscheuen Bauern dem Aufklärungs= und 
Einwechslungsgeschäft ob. Auch eine Beteiligung an 
den Kriegsanleihen zu selbst winzigen Beträgen wurde 
den Schüllern ermöglicht; bei der dritten kamen über 
30 Millionen zusammen. Reichen Ertrag lieferten 
Sammlungen von Altgold und -silber, ausländischen 
22
	        

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