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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

law_collection

Persistent identifier:
rbl_swe
Title:
Großherzoglich Sachsen Weimar - Eisenachisches Regierungs-Blatt.
Place of publication:
Weimar
Document type:
law_collection
Collection:
weimar
Publication year:
1817
1836
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund

law_collection_volume

Persistent identifier:
rbl_swe_21
Title:
Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1873.
Volume count:
57
Place of publication:
Weimar
Publisher:
Hermann Böhlau
Document type:
law_collection_volume
Collection:
weimar
Publication year:
1873
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

law_gazette

Title:
Regierungs-Blatt Nummer 1.
Volume count:
1
Document type:
law_collection
Structure type:
law_gazette

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

Massow: Polen 
wirtschaftlichen Gründen. Polens wirtschaftlicher 
Schwerpunkt lag bis dahin im Grundbesitz, den Ruß- 
land aus politischen Gründen zu knebeln und nieder- 
zuhalten wünschte. Dafür wurden Handel und In- 
dustrie begünstigt, um Rußland als wirtschaftliches 
Hinterland mit Polen eng zu verknüpfen. Das ge- 
lang zwar erst nach manchen Mißgriffen und Irr- 
wegen in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre, hatte 
dann aber merkbare soziale und politische Folgen. 
Der von der Pariser Emigration stammende Wider- 
streit zwischen einer aristokratischen, in der Romantik 
wurzelnden, und einer demokratischen, neuzeitlichen 
Richtung wurde unter den kapitalistischen Einflüssen 
im Sinne eines übergewichts der letztgenannten Rich- 
tung entschieden. Es entstand die nationaldemo- 
kratische Parteie, die auch außerhalb des König- 
reichs Hoffnungen auf eine Sammlung aller Par- 
teien und Stände im Bereich des Polentums erweckte. 
In Galizien wurden diese boffemn en durch Vor- 
gänge der inneren österreichischen Weluer angeregt, 
besonders durch die Verschärfung des Nationalitäten- 
haders. Auch in der preußischen Ostmark gewann die 
polnische Nationaldemokratie Anknüpfungspunkte. 
Während der Versöhnungsära des Grafen Caprivi 
hatten nämlich die Polen unter Führung des am 
preußischen Hofe besonders gut angeschriebenen Herrn 
Joseph v. Koscielski die Gunst der Umstände eifrig 
für sich ausgenutzt. Aber die führende -Hofpar- 
tei-, wie man Koscielskis #nhänger nannte, fand 
keineswegs die Zustimmung der Mehrheitihrer eigenen 
Landsleute, die in den Augenblickserfolgen dieses 
Opportunismus nur eine Hemmung ihrer weiter- 
schauenden Arbeit sah. Nicht nur die -National- 
partei#e, die den Grundbesitz, die höhere Geistlichkeit 
und einen großen Teil der vürgerlichen Intelligenz 
vertrat, sondern noch mehr die demokratische -Volks- 
partei., die radikalen Anschauungen huldigte und 
u panslawistischen Regungen neigte, verwarfen diese 
Poltti und führten eine Wahlniederlage Kosscielskis 
sowie den Zusammenbruch seiner Partei herbei. Per- 
sönlich verärgert durch diesen Mißerfolg, enthüllte 
überdies Koscielski bei einer Feier in Lemberg im 
Juli 1894 durch eine öffentliche Rede in der Wein- 
laune sein wahres Gesicht und machte den Täuschun- 
gen selbst ein Ende. Die Folge war auf deutscher 
Seite ein gründlicher Umschwung und auf polnischer 
eine Stärkung der demokratischen Strömung, die mit 
den Nationaldemokraten des Königreichs und Gali- 
ziens — hier auch „Allpolen genannt — Verbin- 
dung suchte. Die schon seit 1886 bestehende Geheim- 
organisation, in der die Polen ihre gemeinsame Füh- 
rung sehen sollten, die „Nationalliga-, gewann 
an Bedeutung. 
Die unbestrittene Herrschaft behauptete die Na- 
tionaldemokratie, deren Führer Roman Dmovski 
war, auch in Rußland nicht. Es stellten sich ihr bald 
die wieder gesammelten Reste der alten Aristokraten- 
partei entgegen, und die daraus entstehende neue 
„Loyalistenparteie gewann durch drei Umstände 
an Gewicht: erstens durch die seit dem Thronwechsel 
in Rußland und dem Rücktritt des Generalgouver- 
neurs Gurko bemerkten Milderungen mancher Här- 
ten des russischen Regiments; zweitens durch die Wir- 
kungen des französisch-russischen Bündnisses drittens 
durch die fortschreitende Industrialisierung des Lan- 
des und deren Folgeerscheinung, das Anwachsen 
des Sozialismus in Polen. Die Sozialisten, die 
von ihrem westeuropäischen Vorbild das Revolu- 
91 
tionäre, aber nicht den Internationalismus über- 
nommen hatten, organisierten sich in der »P. P. S.#R 
(d. h. Partya Polska Socyalistöw, Polnische So- 
Küalistenpartei Doch neben diese sozusagen offizielle 
rganisation stellten sich andere revolutionären, z. T. 
anarchistischen und terroristischen Charakters; außer- 
dem kamen dazu die Organisationen der Juden, deren 
besondere Lage die Verhältnisse noch verwickelter 
machte. So kam es, daß sich die russische Regierung 
und die besitzenden Kreise der polnischen Gesellschaft 
in der gemeinsamen Furcht vor einer sozialen Revo- 
lution näher rückten. 
Die russische Revolution schien den Polen 
einen Weg zu öffnen, wie sie mit Hilfe der russischen 
Verfassungsfreunde die Forderung der Autonomie 
Polens durchsetzen könnten. Damit hing es zusam- 
men, daß seit 1905 Dmowsti der entschiedenste Wort- 
führer der Verständigung mit dem Zarismus wurde 
und seine Partei in das russenfreundliche 
Lager hinüber führte. Aber die russischen Par- 
teien, die mit dem Gedanken der Autonomie Polens 
gespielt hatten, bereiteten den Polen schwere Ent- 
täuschungen. Die Einigkeit und Klarheit, die not- 
wendig gewesen wären, um selbst in dieser Zeit der 
Gärung die eigenen Interessen klug und geschickt 
wahrzunehmen, besaßen die Polen nicht. Die Erfah- 
rungen in der Duma bestärkten auf der einen Seite 
die Nationaldemokraten in ihrem Glauben an die 
Möglichkeit einer Verständigung mit Rußland, und 
ihnen folgte, wer alle Hoffnung aufgegeben hatte, nur 
noch an materielle Interessen dachte, neue Tyrannei 
fürchtete oder vor der sozialen. Revolution oder — 
Deutschland Angst hatte. Auf der andern Seite er- 
kannten viele gerade jetzt die Aussichtslosigkeit jeder 
Gemeinschaft mit Rußland und besannen sich auf die 
alten geschichtlichen Aufgaben Polens, denen Rußland 
stets der Gegner geweem war und bleiben mußte. 
Diese neue Partei, die Unabhängigkeitsparteie, 
wollte die polnischen Interessen wieder auf eigener 
Grundlage sammeln. Denn eben die Anlehnung an 
Rußland hatte starke Verwirrung, Bitterkeit und 
Niedergeschlagenheit unter den Polen hervorgerufen. 
In socher verworrenen Lage traf die Polen der 
Ausbruchdesgegenwärtigen Krieges. Eigent- 
lich war ja ein solcher Weltbrand ihre letzte Hoffnung. 
Immer unterhielten sie Beziehungen zu allen Be- 
strebungen, die möglicherweise in eine Störung des 
Weltfriedens ausmünden konnten. Aber dieser Tätig- 
keit — mochte sie noch so gefährlich und verwerflich 
aussehen — waren verhältnismäßig enge Grenzen 
gezogen. Die Polen beherrschten die treibenden Kräfte 
der europäischen Politik nicht und konnten die gelegten 
Minen nicht im gewünschten Augenblick entzünden. 
Der Weltkrieg brach aus, als die Polen unter sich Üüber 
das, was ihnen für die nächste Zukunft frommte, so 
unklar und uneinig waren, wie lange nicht zuvor. 
Manche haben geglaubt, ein Krieg zwischen Deutsch- 
land und Rußland werde den Polen eine schnelle und 
leichte Entscheidung möglich machen. Das Gegenteil 
war richtig. Früher, als die Kriegsmittel einfacher 
waren, half ein schneller Entschluß zum Aufstand 
temperamentvollen Völkern oft über die ersten Ver- 
legenheiten hinweg. Das ist heute in einem Lande wie 
Polen nicht mehr möglich, welches außerdem von dem 
Gedanken beherrscht wurde, daß ein falscher oder über- 
eilter Schritt die Rache des Siegers nach sich ziehen 
werde. Wer aber würde der Sieger sein? Den rus- 
sischen Polen zum mindesten war die überlegenheit
	        

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