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Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

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Bibliographic data

fullscreen: Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Periodical

Persistent identifier:
rgbl
Title:
Reichs-Gesetzblatt.
Place of publication:
Berlin
Document type:
Periodical
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1871
1918
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

Periodical volume

Persistent identifier:
rgbl_1889
Title:
Reichs-Gesetzblatt. 1889.
Shelfmark:
rgbl_1889
Volume count:
23
Publisher:
Reichsdruckerei
Document type:
Periodical volume
Collection:
deutschesreich
Publication year:
1889
DDC Group:
Gesetzgebung
Copyright:
Ewiger Bund
Language:
German

Index

Title:
Sachregister zum Reichs-Gesetzblatt. Jahrgang 1889.
Document type:
Periodical
Structure type:
Index

Contents

Table of contents

  • Meyers Großes Konversations-Lexikon.
  • Meyers Großes Konversations-Lexikon. Erster Teil. (1)

Full text

86 
Lebens gewesen. Die wissenschaftliche Erforschung des 
Landes (Geschichte, Flora, Fauna, Geologie, lenisches 
und estnisches Volkstum und Sprache)h) ist ant in ihren 
Händen. Sie ist in zahlreichen Vereinen, Bibliotheken, 
Museen, Archiven, (landwirtschaftlichen) Versuchs- 
stationen konzentriert. Es gab bis Kriegsbeginn drei 
ständige und drei Sommertheater. Eserschienen in der 
Baltenmark 46 deutsche Zeitungen und Zeitschriften. 
Ebenso beherrschen die Deutschen das kirchliche Leben 
und die kirchlichen und privaten Wohlfahrts- und 
Wohltätigkeitsinstitutionen (z. B. Irren= und Kranken- 
häuser, Taubstummen-- und Blindenheime, Lepraasyle, 
Kleinkinderbewahranstalten usw.), obgleich diese zum 
allergrößten Teil der indigenen Bevölkerung zugute 
kommen. Die bedeutendste Kulturleistung sind die (seit 
der Revolution von der russischen Regierung wieder 
erlaubten) Schulen mit deutscher Unterrichtssprache: 
zu Kriegsbeginn gab es etwa 100 deutsche Schulen, 
Kaufmanns-, Handwerkslehrlingsheime, darunter 
etwa 22 höhere Schulen. 
Das eigentliche Rückgrat des Deutschtums bildet 
zunächst der Großgrundbesitz, d. h. die in den Land- 
tagen zusammentretenden bürgerlichen und adligen 
Rittergutsbesitzer, »die Ritter und Landschaften, die 
das Recht hatten, sich zu gemeinnützigen Zwecken selbst 
zu besteuern. Sie haben dieses Kche zu nationalen 
Zwecken ausgenutzt und große Summen für die Sub- 
vention deutscher Kulturinstitutionen und die Erhal- 
tung von vier deutschen Gymnasien (von denen eins 
eine Doppelschule ist) aufgebracht. Anderseits waren 
die deutschen Vereine= die Hauptstütze deutscher Kul- 
tur; sie unterhielten im ganzen 72 Elementarschulen, 
Bürgerschulen, Progymnasien, Töchterschulen, Gym- 
nasien, Kaufmanns= und Handwerkslehrlingsheime, 
ferner Sparkassen und Stellenvermittlungsstellen, 
Bibliotheken, sorgten für Volksaufführungen im 
Theater, Pflege deutschen Gesanges, Fortbildungs- 
kurse usw. Angegliedert waren 1 Frauenbünde, 
die sich die soziale Hilfstätigkeit (Kleinkinderbewahr- 
anstalten, Ferienheime usw.) zur Aufgabe gemacht 
hatten. Eigens dafür gegründete Baugesellschaften 
sorgten für die Vermehrung des deutschen städtischen 
Immobilienbesitzes. 
Für die Betrachtung der Letten und Esten ist der 
entscheidende Gesichtspunkt, daß es deutsch-kultivierte 
Bauernvölker sind. Wie stark dieser deutsche Kultur. 
einfluß ist, ergibt sich aus der Tatsache, daß es den 
Russen trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, die 
Esten und Letten, abgesehen von einer kleinen Minder- 
heit, zu russifizieren. Dem Russen fühlen sie sich Über- 
legen. Kreews (Russe) war bis vor kurzemein lettisches 
Schimpfwort. In den Deutschen sehen sie die Ver- 
treter höherer Kultur. Die meisten, wenigstens in den 
Städten, verstehen Deutsch; sehr viele sprechen es. 
Letten und Esten lernen das Deutsche leichter als das 
Russische, zum Teil weil ihre Sprachen — was für die 
Kulturverhältnisse charakteristisch ist — von den deut- 
schen (niederdeutschen) Lehn- und Fremdwörtern stark 
durchsetzt sind. Vor der Russifizierung gab es unter 
ihnen nur etwa 2 Proz. Analphabeten, nach der Russi- 
sizierung, der auch die von den baltischen Deutschen be- 
ründeten indigenen Volksschullehrerseminare und die 
Volksschulen zum Opfer fielen, schnellte deren Zahl 
auf 24.8 Proz. in die Höhe (in Rußland etwa 75—80 
Proz. Analphabeten). Es ist von Bedentung, daß die 
Lauptbildungemittel der Indigenen neben der Bibel 
thers Katechismus und das deutsche Kirchenlied 
sind. Das kirchliche Leben, das bei ihnen stark ent- 
I. Politik und Geschichte 
wickelt ist, bewegt sich in den deutsch protestantischen 
Formen. Die Vesizrerhällnisse, von denen oben die 
Rede war, können nur mit denen Europas, aber nicht 
Rußlands verglichen werden. Das gleiche gilt von 
der Art ihrer Bewirtschaftung des Landes. Nach deut- 
schem Muster haben Letten und Esten eine Anzahlland- 
wirtschaftlicher, Konsum-, Versicherungs-, Bienen- 
zuchtvereine Spar= und Vorschußkassen (besonders in 
ettland) begründet. Neben der Pflege des wirtschaft- 
lichen Lebens tritt die des geistigen Lebens stark zu. 
rück, was sich in der sehr geringen Zahl ihrer Bildungs- 
und Schulvereine ausdrückt (in Livland z. B. 1910 
neben 227 Feuerversicherungsvereinen nur 4 Schul- 
und 12 Bildungsvereine). Letten und Esten sindihrem 
Charakter nach eben Bauernvölker geblieben. Star- 
kes Nationalbewußtsein geht beiden ab, was sich auch 
darin ausdrückt, daß es die über eine Million Letten 
nur zu 2 höheren. 7 mittleren und 13 niederen Schu- 
len, die rund 900 000 Esten zu 2 höheren, 2 mittleren. 
2 niederen Schulen in der Muttersprache gebracht 
haben, wobei es sich großenteils nur um nominell 
lettische oder estnische Schulen mit starker Bevorzugung 
der russischen Sprache, die nach der Russifizierung leich- 
tere Fortkommensmöglichkeiten bot, handelt. 
Es gibt heute auch eine an Zahl und Einfluß nicht 
bedeutende indigene Intelligenz, die größtenteils aus 
Vertretern der praktischen Verüse besteht (Kaufleute. 
Techniker, Bankbeamte usw.) und der russischen Bil- 
dung verfallen ist. Zu einer modernen Literatur 
— Letten und Esten haben ein schönes Volkslied, die 
Esten außerdem alte nationale Heldenlieder —sind An- 
sätze vorhanden, übersetzungen und Nachahmungen 
der russischen und vor allem der deutschen Literatur. 
Es erschienen vor Kriegsbeginn etwa 49 lettische und 
14 estnische Zeitungen und Zeitschriften. Die Stadt 
Riga unterhält aus politischen Gründen ein lettisches 
Theater, neben dem es ein lettisches Sommertheater 
gibt. Ein eigenes nationales Leben höherer Art 
(Wissenschaft, Kunst) ist solchen Völkersplittern ver- 
sagt, da die nationale Basis zu klein ist. 
Die Letten und Esten in der Baltenmark unter- 
scheiden sich von ihren Volksgenossen, die versprengt 
außerhalb des baltischen Gebietes sitzen. Die deutsche 
Erziehung hat aus ihnen fleißige und sparsame Ar- 
beiter gemacht. Der Nationalcharakter der beiden 
Stämme iststark verschieden; dem intelligenteren, tem- 
perament- und phantasievollen Letten steht der männ- 
lichere, nlüchterne, zähe Este gegenüber. Die Esten 
sind als tüchtige Seeleute bekannt. Beide Nationen 
stehen Üübrigens in erbittertem politischen und wirt- 
schaftlichen Kampf untereinander. 
Das jahrhundertelange gute Verhältnis zwischen 
Deutschen und Nichtdeutschen ist durch die rusffische 
Aufhetzungspolitik um die Jahrhundertwende vor- 
übergehend getrübt worden. Daß dieser Gegensatz nur 
auf der Oberfläche vorhanden war, haben die Ereig- 
nisse seit der Besetzung Kurlands durch das deutsche 
Heer bewiesen. Von einem Deutschenhaß, der bei der 
Gemeinsamkeit der Kultur und mannigfacher mate- 
rieller und geistiger (Kirche!) Interessen auch sinnlos 
wäre, kann nur bei der ganz oder halb russifizierten 
indigenen Intelligenz die Rede sein. Die Letten sind 
übrigens eine aussterbende Nation. 
Das Judentun spielt nur in Kurland eine Rolle. 
Die kurländischen, meist wohlhabenden Juden dürfen 
mit der sog. Kümmerrasses in Litauen und Polen 
nicht verwechselt werden. Sie sind meist Kaufleute 
und sind die Hauptträger des Holzhandels. Außerdem
	        

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