194 Ansmarsch der Gefangenen.
geführt, wo sie Speise erhalten und die Nacht bei Bivouakfeuern ver—
bringen sollten, um alsdann unter Eskorte von Regimentern des
7. (westfälischen) Armeekorps den Weitermarsch zu Fuß nach Saar—
brücken, von wo der Transport mit der Bahn erfolgen soll, anzu—
treten. Die Offiziere, mit dem Degen bewaffnet, führten ihre Soldaten
bis an den General von Fransecki und übergaben sie dort.
Die Stabsoffiziere erhielten die Erlaubniß, für die Nacht nach Metz
zurückzukehren, während die Subalternoffiziere die Nacht bei ihren
Truppen bivouakiren mußten.
In Reihen von 8—10 Mann zogen nun die Kürassire, Karabiniers,
Lanciers, Chasseurs à cheval und Husaren der Garde, alle
zu Fuß und ohne Waffen, dann die reitende Artillerie, das 1. Grena—
dierregiment, zwei Voltigeursregimenter und das Chasseurbataillon an
uns vorüber. Es waren fast durchweg lauter schöne, überaus kräftige,
recht marzialisch aussehende Männer, unbedingt die Elite der ganzen
französischen Armee und noch vor wenigen Monaten die stolzeste und
kriegsfreudigste Truppe, die ganz Europa nur besaß. Alle Gardisten
waren sehr gut, ja fast elegant uniformirt und führten Mäntel und
viel sonstiges Gepäck bei sich. Ersichtlich hatte man der Mannschaft
zuletzt noch die Magazine geöffnet, damit sie sich dort für die lange
Gefangenschaft mit Sachen versorgen solle. Die Haltung der Leute
war ernst und ruhig, Kummer, Schmerz, aber auch tödtlicher Haß
gegen uns, die siegenden Preußen, war auf den Gesichtern fast aller
Offiziere und Unteroffiziere, ja auch der meisten Soldaten gar deutlich
ausgeprägt. Da ich mich absichtlich mitten auf der Chaussee so recht
zwischen den Franzosen aufgestellt hatte, auch sehr viel mit ihnen
sprach, so konnte ich dies sehr deutlich bemerken. Unsre braven
Pommern bewahrten eine sehr anständige Haltung den besiegten Fein—
den gegenüber, auch kein kränkender Jubelruf, kein Wort der Freude
oder was sonst die Franzosen hätte verletzen können, wurde hörbar,
es war eine fast lautlose Stille, in der alle verharrten, und die un—
endliche Bedeutung dieser Stunden übte auf die Offiziere wie Soldaten
unsres Heeres eine ersichtliche Wirkung. Sie ehrten sich selbst,
indem sie den nach langer, tapfrer Vertheidigung von uns besiegten
Feind ehrten.