Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

  

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Todessall.  Aus  Kirchbichl  in  Tirol
kommt  die  Nachricht,  daß  dort  am  9.  März
Herr  Privatier  Josef  Hamberger  gestorben  ist.

war  der  Bruder  des  verstorbenen  Herrn

Fabrikanten  Hamberger  in  Rosenheim  und  hat
ein  Alter  von  84  Jahren  erreicht.  Die  Beerdigung
  fand  heute  in  Kirchbichl  statt.

Saline  und  Kollerfilze.  Zu  unserem
Bericht  über  die  berhondunn  en,  Dientan
im  Finanzausschuß  der  Abgeordnetenkammer
tragen  wir  703  der  „M.-A.  A.“  (Nr.
noch  folgende  Aeußerungen  des  Finanzministernach.
  „Die  Vorsorge  des  Bedarfes  an  Torf  in
Rasenheim  sei  besprochen  worden.  Im  Budget
1912  1913  sei  eine  Position  vorgesehen  gewesen
  zur  Ablösung  des  Pachtrechtes  am  ärarialischen
  Torfsiich  mit  Maschine  und  Arbeiterhäusern
  von  Niggl.  In  einer  Besprechung  mit
Bergmeister  Kreß  wurde  diese  Ablösung  als
nicht  günstig  bezeichnet.  Der  Bergmeister  nahm
Bezug  auf  eine  Reise  nach  Oldenburg  und  da
habe  er  sich  überzeugt,  daß  der  Ankauf  der
Kollerfilze  nicht  mehr  zu  empfehlen  sei.  Auf
Grund  dessen  wurden  Versuche  mit  anderen
Baggern  gemacht,  welche  15.000  Mark  kosteten,
  der  Rest  von  135  000  Mark  von  der  bewilligten
  Summe  sei  noch  vorhanden.  Dann
habe  man  aus  der  Presse  erfahren,  daß  derselbe
Herr  Bergmeister  eine  Gesellschaft  gegründet
und  mit  ihr  die  Kollerfilze  gelauft  habe.  Die
Generaldirektion  habe  nicht  gesäumt,  den  Herrn
zur  Rechenschaft  zu  ziehen.  Er  war  aber  sehr
verwundert,  daß  man  sein  Vorgehen  nicht  in
Ordnung  finde.  Er  sei  aufgefordert  worden,
um  Genehmigung  nachzusuchen;  diese  wurde  verweigert
  und  ihm  Auftrag  gegeben,  aus  der  Gesellschaft
  auszutreten.  Hierfür  wurde  Aufschubgewäyrt
  und  Disziplinarstrafe  ausgesprochen.  Um
2.  Januar  zeigte  Kreß  an,  daß  er  ausgetreten
sei.“  Die  „M.-A.  A.“  berichtet  ferner:  „Generaldirektor
  Klaiber  gibt  noch  Aufschlüsse  zum
Falle  Kreß  und  nach  endloser  Debatte  entschließt
  man  sich,  die  Oefsfentlichkeit  hierüber
nicht  auszuscholten.“

Aus  dem  Vereinsleben.  Zur  zehnjährigen
  Gründungsfeier  ladet  die  Leibervereinigung
  Rosenheim  die  Ehrenmitglieder  und  Mitglieder,
  sowie  die  Ehrenjungfrauen,  we  am
Feste  der  Fahnenweihe  reilgenommen  haben,
auf  Sonntag  den  15.  März,  nachmittags  123
Uhr,  ins  Schützenhaus  am  Kipferling  ein.  Für
die  verstorbenen  Kameraden  werden  am  Sonntag
  früh  7  Uhr  drei  hl.  Messen  in  der  Stadtpfarrkirche
  gelesen.  —.  Die  Artillerievereinigung
  unternimmt  am  nächsten  Sonntag  einen
Ausflug  nach  Mibling  in  die  Sebastiansbrauerei.
Die  Abfahrt  erfolgt  um  1.14  Uhr  nachmittags.

Besibzwechsel.  Das  schöne  Oekonomie-Gütl
  in  Tußling,  welches  seit  kurzem  im  Besitze
  des  Herrn  Jos.  Holzer  von  Karolinenfeld
war,  wurde  heute  an  Herrn  Ludw.  Wimmer
aus  München  abermals  durch  das  Immobilien=Geschäft

  Altmannsberger  verkauft.  Verbriefung
  hat  bereits  slaktgefunden.
Die  Bahnhofdieöstähle.  Die  Diebstähle,

  welche  sich  der  Stationsgehilfe  Fr.  Tav.
Hiebl  im  Transitverkehr  in  Rosenheim  hat  zu
Schuloen  kommen  lassen,  beschäftigen  noch  immer
lebhaft  die  Polizei.  Vor  allem  gilt  es,  die
Eigentümer  des  überaus  zahlreichen  Gutes  zu
sinden,  welches  bei  Hiebl  gefunden  wurde.  In
dieser  Richtung  siellen  auch  die  auewärtigen  Polireiverwaltungen
  Nachsorschungen  an.  Auf  den
gleichen  Fall  beziehen  sich  die  Mitteilungen,
welche  aus  dem  Lanoshuter  „Kurier  für  Niederbayern“
  gesiern  in  den  „Nosenheimer  Anzeiger“
  übergegangen  sind.  Nur  war  das  Landshuter
  Blatt  nicht  richtig  informiert,  als  es
einen  Bahnpackmeister  in  Rosenheim  mit  in  den
Verdacht  des  Diebstahls  brachte.  Tatsächlich
hat  ein  Bahnpackmeister  Merselbsl  nichts  damit
zu  tun;  es  handelt  sich  lediglich  um  den  Fall
Hiebl.  Wie  groß  sein  Lager  an  gestohlenem
Gute  war,  geht  allein  schon  daraus  hervor,
daß  über  40  Versatzzettel  vorgesunden  wurden,
nach  denen  er  wertvolle  Sachen  in  der  flädtischen
  Leihanstalt  versetzt  hatte.  Jedenfalls  wird
die  Untersuchung  noch  längere  Zeit  in  Anspruch
  nehmen.

Von  einem  großen  Diebstahl,  der
schon  in  der  Nacht  vom  27.  auf  den  28.  Februar
ausgeführt  wurde,  erhält  man  jetzt  erst  Kenntnis
  durch  ein  Plalat,  auf  welchem  eine  Belohnung
  für  die  Entdeckung  des  Täters  auegesetzt
  ist.  Der  Einbruch  wurde  im  Grenzschlachthof
ausgeführt  zum  Schaden  der  Oberbayerischen
Ueberlandzentrale.  Das  Plakat  lautet:  „In
der  Nacht  vom  27.  auf  26.  Februar  wurden
aus  der  verschlossenen,  eingemauerten  Kasse  im
Erenzschlachthof  mit  einem  Nachschlüssek  1990
Mark  entwendet.  Der  Betrag  bestand  hauptsächlich
  in  Hundertmarlscheinen.  Für  die  Wiedererlangung
  des  Geldes  und  für  die  Vanhaft.
machung  des  Täters  werden  hiemit  300  Mark
als  Belohnung  ausgesetzt.  Oberbayerische  Ueberlandzentrale
  A.G.  München,  Betriebskeitung
NRosenheim.  Der  Kassier,  der  um  vorgenannte
Summe  geschädigt  kst,  setzt  für  seine  Person  eine
Belohnung  von  hundert  Mark  aus.“

„  —.
Nisii  und  Theclet.

Das  Gastspiel  der  „Künstlerischen

Volksbühne“  vom  Südbayerist  Volksbildungeverband,

  das  uns  am  unt  abend
g  an  W  ae

den  „Damenkrieg“  von  Scribe  bringen  wird,
kann  unserem  Rosenheimer  Publikum  sehr  empfohlen
  werden.  Dieses  Lustspiel  schöpft  freilich
nicht  so  nef  aus  dem  Quell  menschlicher  Le#e#n
schaften  wie  unsere  großen  llassischen  Dramen,
aber  dafür  führt  es  uns  in  anmutigster  elegantester
  Form  zurück  in  das  Frankreich  der  Restauration.
  Damals  als  der  Bonapartismus
zum  zweiten  Male  gestürzt  worden  war,  lebten
die  wiedergekehrten  Bourbonen  in  steter  Sorge,
es  könnte  in  der  leicht  entflammbaren  „Grande
nation“  das  Andenken  an  die  große  Zeit  des
Schlachtenruhmes  doch  da  oder  dort  wieder  aufleben.
  Die  wiedeigekehrten  Bourbonenkönige
mußten  sich  ja  sowieso  auf  eine  Beamtenschaft
sintzen,  die  zum  qroßen  Teil  auch  im  Empire
des  Schlachtenkaisers  Dienste  getan.  Wer  nun
von  diesen  Beamten  sich  ein  „rotes  Röckchen“
erarbeiten  wollte,  der  mußte  natürlich  sich  besonders
  eifrig  erweisen  in  der  Aufspürung  und
Bestrafung  all  der  erschröcklichen  Bonapartisten.

ein  Wunder,  daß  aus  solch  eilrigem  Tun  sich
die  aufregendsien  Situationen  ergaben,  Situationen,
  die  aber  auch  der  tollsten  Komik  nicht
entbehrten.  In  diese  Welt  der  eleganten  Kniffe
und  Finten,  in  diese  Zeit  der  geglückten  und
vereitelten  Fluchtversuche  führt  uns  der  „Damenkrieg“.
  Jwei  junge  adelige  Damen  wissen  durch
ihre  natürliche  Waffe:  die  überlegene  List,  dem
jungen  Herrn  v.  Flavigneul  zur  Flucht  zu  verbellen,
  trotz  aller  Finten  des  eifrigen  Präfekten
Montrichard.  Das  glänzende  Spiel  der  „Volksbühne“,
  vor  allem  das  hinreißende  Temverament
  Fräulein  Altherrs  vom  K.  Hoftheater  entfesselle
  erst  kürzlich  in  Traunstein  durch  diesen
„Damenkrieg“  wahre  Beifallsstürme.  as
Publikum  wurde  zu  solchen  Heiterkestsausbrichen
  hingerissen,  daß  die  Schauspieler  manchesmal
  eine  halbe  Minute  mit  ihrem  Spiel  aussetzen
  mußten.

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Das  Erstlingswerk  des  Arbeiterdichters
  Lintner.  Am  letzten  Sonntag  gelangte
  in  Kusstein  im  Egger-Saaltheater  das
Erstlingewerk  des  Arbeiterdichters  Ludwig  Lintner
  „Treu  bis  in  den  Tod“  durch  die  Mitglieder
  des  Kiefersfeldener  Saaltheaters  zur
Aufführung.  Ludwig  Lintner  ist  am  20.  März
1872  geboren.  Früh  verlor  er  seine  Mutter  und
als  er  arbeitsfähig  war,  trat  er  in  die  Marmorindustrie
  ein,  der  er  mit  geringen  Unterbrechungen
  treu  blieb.  Seinen  Vater  hat  er
nie  gelannt,  aber  er  fand,  zum  Manne  herangereist,
  einen  anderen  Vater  und  Lehrer,  dem  er
heute  noch  und  immer  Treue.  Dank  und  Verehrung
  widmet:  es  war  der  verstorbene  Pfarrer
Gierl  von  Kiefersfelden,  der  auch  den  Dichter
in  Lintner  entdeckte  und  ihm  durch  leihweise
Ueberlassung  seiner  Bibliothek,  durch  weisen  Rat,
durch  Korreltur  seiner  Jugendverse  in  überaus
wertvoller  Weise  an  die  Hand  ging.  Von  großer
  Bedeutung  für  ihn  war  auch  die  Förderung,
die  ihm  der  Literaturhistoriker  Professor  Dr.
S.  M.  Prem  zuteil  werden  ließ.  Sein  erstes
Versebüchlein  „Wildrosen“  ging  mit  cinem  Geleitwont
  Prems  in  die  Welt,  bald  nannte  er  auch
den  berühmten  Martin  Greif  seinen  Förderer
  und  heute  ist  es  ein  großer  Kreis  von  bedeutenden
  Männern  der  Literatur,  mit  denen
er  in  regem  freundschaftlichem  Verkehre  steht.
Nun  geht  auch  bald  sein  zweiles  Gedichtbüchlein
  „Hochlandblüten“,  das  bei  Lippott  gedruckt
  wird,  heraus  und  gleichsam  als  Ouvertüre
  dam  ehrten  ihn  seine  Kiefersfeldner,  denen
  sich  auch  der  alte  Freund  und  Landemann
Spylvester  Greiderer,  als  Vertoner  seiner  Liedet
zugesellt,  durch  die  Aufführung  seines  erslen
dramatischen  Probewerles.  Ueber  die  Kufsteiner
  Aufführung  schreibt  der  „Tiroler  Grenz:=bote“
  as  vieraltige  Volksstück,  das  bereits
u  Rsefetsselden  über  die  Bretiter  ging,  schildett
  die  tragische  Geschichte  zmeier  Liebenden,
deren  Verbindung  sich  von  Seite  des  Naters
des  Mädchens  allerlei  Hindernisse  in  den  Weg
siellen  und  die  dann  gemeinsam  den  Tod  finden,
noch  bevor  sie  die  Einwilligung  des  versoöhnten
Vaters  zusammenführt.  Die  Nachsucht  eines
eifersüchtigen  Nebenbuhlers,  die  alte  Liebe  eines
Försters  der  schließlich  die  ihm  zuvor  verhabte
  Mutter  seines  Schwiegersohnes  in  seinen
allen  Tagen  zum  Altar  führt,  und  die  unentbehrliche
  Romantik  des  Jäger=  und  Wildichützenlebens
  bllden  die  übrige  Ausstattung  des
Werles,  dessen  Handlung  sich  im  Rahmen  der
Tiroler  Freiheitskämpfe  von  anno  Neun  bewegt.
  An  dramatischen  Auftritten  ist  also  kein
Mangel;  viel  eher  ein  Ueberfluß,  der  die
Zuschauer  nicht  zur  Ruhe  kommen  läßt  und  infolge
  der  eingeschobenen  Zwischenalte  an  die
Besucher  erhebliche  Anforderungen  stellt.  Eine
Streichung  mancher  Auftritte  wäre  dem  Stück
ebenso  von  Vorteil  wie  eine  Kürze  des  Dialogs,
der  manchmal  ermüdend  wirlt,  wie  3  B.  beim
Tode  des  alten  Vaganten,  der  durch  Franz  Haidacher
  ausgezeichnet  demonstriert  war.  Diese
Mängel  erfahren  eine  mildere  Beurteilung.
wenn  man  die  Person  des  Verfassers  berücksichtigt,
  der  als  einfacher  Arbeiter  hier  ein
dramatisches  Erstlingswerk  schuf,  das  immerhin
Beachtung  verdient.  Nur  hätte  der  Kiefersfeldner
  Arbeiterdichter  seine  sonst  anerkannte
Lprik  nicht  mit  diesem  von  Mord  und  Totschlag
  verquickten  Bauernsiück  verquicken  sollen,
dann  wären  die  Helden  seines  Werkes  noch  weit

besser  kommen.  Im  allgemeinen  hiellen
-  die  Wigirue  des  —  ers  K  Telten

 

elden  unter  der  Direktion  von  Paul  Wolf  recht
tapfer  und  wader;  einzelne  aus- 



uer  Anze#g#en

Heselchne  markiert,  so  vor  allen  der  alte  Förer
  Grünwald  (M.  Tiefenthaler)  und  seine
Partnerin,  die  Jager-Nandl  (Anna  Angerer).
Deren  Sohn  Hans  (Seb.  Lichtinger)  gab  den
Liebhaber  der  Försierstochter  Resl  mit  viel
Wärme,  wenn  auch  seine  Liebesbeteuerungen
manchmal  gar  zu  sehr  theatralisch  wirkten.  Einfacher
  und  natürlicher  war  das  ruhige  Spiel
der  Resl,  die  Marie  Bleier  recht  sympathisch
darstellte  und  die  besonders  nach  dem  Sololied
lebhaft  beklatscht  wurde.  Daß  der  Forstgehilfe
Merwald  (Ludwig  Lettenbichler)  unbehaglich
wirkte,  war  Schuld,  daß  einem  Jäger  allzu
poelsche  Ergüsse  in  den  Mund  gelegt  waren,
oie  gegenüber  seiner  Rachelust  um  so  unnatürlicher
  erscheinen  mußten.  Auch  er  sprach  mit
viel  zu  viel  Pathos  und  Geste.  Umso  lieber
sah  und  hörte  man  den  ungekünstelten  Postwirt
und  Gemeindevorsteher,,  den  J.  Feuersinger  vortrefflich
  darzustellen  verstand.  Auch  seine  Tochter
  Urschl  (Therese  Ellmerer)  wurde  ihrer  Aufgade
  gerecht.  Lintner  hat  in  die  naive  Volksseele
  der  Inntaler  geschaut  und  manch  köstliches
  Volksgut  in  seinem  Stück  mitverwendet,
manch  wirkungsvolle  patriotische  Saite  angeschlagen.
  Auf  einem  vollen  Haus  ruht  künstlerischer
  Segen,  da  wirkt  alles  doppelt  und  dreifach,
  was  an  Stimmung  und  Leben  von  der
Bühne  herab  kommt.  So  auch  diesmal.  Die
Kiefersfeldner  spielten  unverfälscht,  naturwahr
und  sanden  daher  im  Ernst  und  Scherz  den
richtigen  Weg.  Syloester  Greiderer  hatte  zu
den  Liedern,  die  gut  und  eindrucksvoll  gesungen
  worden  sind,  recht  ansprechende  Melodien
geschassen;  biese  und  die  sehr  efseltvollen  Dekorationen,
  die  Herr  Peter  Eggersberger  siellte,
triugen  das  Ihrige  zu  dem  Ersoig  der  Stückes
bei,  der  sich  auch  durch  überaus  starken  Beifall
zeigte.  Das  Kufsteiner  Theaterpublilum,  welchem
  das  Lintnersche  Stück  etwas  allzu  farbenreich
  und  bunt  ausgeschmückt  erschien,  wird  aber
dem  Arbeiterdichter  diesen  gewiß  anerlennenswerten
  Erfolg  gerne  gönnen,  der  auf  Landbühnen
  nur  um  so  stärler  und  für  den  Verfasser
nußbringender  sein  kann.

Aus  dem  Gerichtssaale.

Beleidigung  eines  Schuymannee.

Traunstein,  11.  März.  Der  Goldarbeiter
Fritz  Berthold  jun.  aus  Rosenheim  hat  sich,  wie
wir  seinerzeit  schon  berichteten,  bei  einer  Turnerfeierlichkeit
  im  „Deutschen  Kaiser“  eine  Beleidigung
  des  Schutzmannes  Schauer  zuschulden
kommen  lassen.  Vom  Schöffengericht  Rosenheim
  wurde  er  dieserhalb  z  3  Mk.  Geldstrase
verurteilt;  der  Amtsanwalt  hatte  20  Mk.  beantragt.
  Gegen  dieses  Urteil  wurde  Berufung
eingelegt.  Die  Strafkammerverurteilte  heute
den  Bellagten  zu  20  Mk.  Geldstrafe.

Fahrlässige  Tötung.

Traunstein,  11.  März.  Der  Taglöhner
Johann  Gschwendtner  von  Schlosiberg  fuhr  am
4.  Dezeniber,  fruh  6  Uhr,  über  den  Schloßberg
bei  Rosenheim  herunter.  Unten  begegneten  ihm
drei  Personen.  Er  gab  weder  ein  Glockenzeichen,
  noch  hielt  er  sich  auf  der  rechten  Seite.
Die  Zimmermannsfrau  Schrenzinger  aus  der
Innstraße  in  Rosenheim  wollte  noch  auf  die
Seite  springen,  wurde  aber  von  Gschwendtner
überfahren  und  zu  Boden  geschleudert.  Sie
schlung  mit  dem  Kopfe  so  heftig  auf  den  Boden
auf,  daß  sie  cinen  Schädelbruch  davonkrug.
Am  gleichen  Abend  noch  starb  die  Frau.  Wegen
  sahrlässiger  Tötung  wurde  Gschwenotner
zu  sechs  Wochen  Gefängnis  verurteilt.

Ein  betrügerischer  Schneider.

Traunstein,  11.  März.  Der  Schneider  Johann
  Meier  aus  München  betrieb  im  Jahre
1912  in  Prien  ein  Schneidergeschäft.  Im  Mai
veranlaßte  er  den  Hausdiener  Kraren  esier  zur
Bestellung  von  zwei  Anzügen;  Zahlung  follte
im  August  erfolgen.  Bald  erschien  aber  Meier
mit  einem  Wechsel  über  20  Mark  bei  Kraxenesier
  und  schwindelte  ihm  vor,  daß  der  Stoff
für  die  Anzüge  bereits  auf  der  Post  lagere;
er  könne  aber  die  Nachnahme  nicht  einlösen.
Meier  tassierte  den  Betrag  des  Wechsels  ein
und  als  der  Verfalltag  kam,  muhte  Krazxenester
  den  Wechsel  auslösen.  Von  den  beiden
Anzügen  hat  er  aber  bis  heute  nichts  gesehen.
Ferner  erhielt  Meier  von  Spediteur  Westernacher
  in  Stock  bei  Prien  Stoff  zu  einem  Anzug
  und  10  Mk.  zur  Beschaffung  der  Zubehörteile.
  Meier  veräußerte  den  Stoff  und  behielt
die  10  Mk.  für  sich.  Von  einem  gewissen  Franz
Peter  wurden  ihm  schließlich  moch  30  Mk.  zur
Uebermittelung  an  einen  Anwalt  in  Traunstein
  in  einer  Prozeßsache  Übergeben.  Auch
diesen  Betrag  behielt  Meier  für  sich.  Für
diese  Betrügereien  wurde  er  jetzt  zu  einem  Jahr
und  zwei  Monaten  Gefängnis  verurteilt  und
sofort  verhaftet.

Gegen  das  Schmiergelderunwesen.
Berlin,  11.  März.  Ein  Schmiergelderprozeß

 

 

wurde  gestern  vor  einer  Berliner  Straffamme

verhanoelt.  Auf  eine  von  dem  Verein  gegen
das  Bestechungsunwesen  in  Charlottenburg  ausgegangene
  Anzeige  hatte  sich  der  Buchdruckereibesitzer
  David  Stern  we  Vergehens  gegen
das  Geletz  zur  Belampsen  des  unlauteren
Wettbewerbes  zu  verantworten.  Der  Angelagte
  hatte  in  mehreren  Berliner  Zeitungen
Inkerate  golgenden  Inhostes  exjallen:

 

517t

geslellte  haben  guten  Nebenverdienst  durch  Nach

weisung  von  Druckaufträgen  (Diskretion).  2
Stern,  Buchoruckerei.“  Darouf  meldeten  sich  au
allen  Gegenden  Deutschlands,  kaufmännische  An
gestellte.  Der  Angeklagte  zohlte  für  die  au
solchem  Wege  eriangten  Austräge  10  Drozen
Provision.  Der  Vertreter  der  Anklage  wie
darauf  hin,  daß  durch  derartige  auf  unreelle
Grundlage  stehende  Angeboie  die  Korruptio
in  den  Rreisen  der  laufmännischen  Angestell
ten  gefördert  werde;  nur  mit  Rücksicht  au
die  bisherige  Unbescholtenheit  des  Angeklagte
beantrage  er  eine  Geldstrafe  von  300  Mar
und  nicht  eine  Gefängniestrafe.  Das  Urteil  lau
tete  auf  50  Mk.  Geldstrafe..

Der  beleidigte  Giftmörder.

Bomburg,  11.  März.  Der  Homburger  Tau
nusbote  verbreitete  seinerzeit  die  Nachricht,  da
der  Drogist  und  Fechtlehrer  Karl  Hopf  sein
Frau  vergistet  hade.  Hopf  siellte  gegen  de
verantworllichen  Nedalteur  und  andere  Per
sonen,  die  diese  Beschuldigung  aussprachen,  Be
leidigungslklage  und  erreichte  auch  obsiegend,
Urteile.  Der  Redalteur  des  Taunusboten.  de
damals  zu  150  Mark  Geldstrake  verurteilt  wo#s
den  ist,  hat  nun  die  Wiederaufnahme  des  Ver
sahrens  betrieben;  er  wurde  jetzt  freigesprochen
da  die  Schwurgerichteverhandlung  gegen  Ha#
ergeben  hat,  daß  die  Nachricht  des  Blatt
rvichtig  war.

Offizier  uno  Meineid.

Koblenz,  11.  März.  Das  Kriegegericht  ver
urteilte  den  Hauptmann  Osen  vom  Bezirkslom
mando  Köln,  srüher  beim  Juf.  Reg  68  ir
Koblenz,  wegen  Meineide  zu  fünf  Monaten  Ge
fängnis  und  Dienstentlassung,  den  Hauptmam
Lint#  vom  Fuß-Art.-Neg.  Nr.  9  wegen  Mein
eids  und  unerlaubter  Entfernung  zu  fünf  Me
naten  Getängnis  und  Diemstentlassung,  den  Lem
nant  Ziegler  vom  Fuß-Art.-Reg.  Nr.  9  w#
gen  Veihilse  zur  unerlaubten  Cntfernung  des
Lintz  zu  14  Tagen  Sinbenerrest.  Die  beider
Hauptleute  hatten  in  einer  Ehescheidungsklag
unter  Eid  unwahre  Aussagen  gemacht.  A#
sich  durch  spätere  Ermittelungen  die  wahre
Tatsachen  ergaben,  wurden  die  beiden  in  Hoft
genommen.  Der  Veninant  Ziegler  hatte  der
Hauptmann  Lintz  von  der  bevorstehenden  Ver,
haftung  benachrichtigt,  worauf  dieser  nach  Luremburg
  fuhr,  aber  nach  zwei  Tagen  wiede:
zurückkehrte.  Während  der  Verhandlung  war
die  Oeffentlichkeit  wegen  Gesährdung  misick.
rischer  Interessen  und  Gefährdung  der  Siltiich
keit  ausgeschlossen.

Ein  Riesenprozeß.

Zamburg,  11.  März.  Die  Voruntersuchm.
in  dem  Massenprozeß  gegen  die  Niesenunte
schleise  in  der  Hamburg-Südamerilanisckhen
Damsschiffahrts-Gesellschaft  ist  nun  nach  seche
monatiger  Dauer  nahezu  vollendet.  Die  M
llage  richtet  sich  gegen  mehr  als  300  Angestell
der  Firma.  Die  Veruntreunungen  reichen  ear
15  Jahre  zurück  #ro  erreichen  nahezu  die  Hött
ron  acht  Millionen  Mul.  Einer  der  Hauf:
angeklagten,  Sibberts,  ist  trotz  seines  Antrags
nicht  aus  der  Haft  entlassen  worden.

Ein  neuer  Spionageprozeß  in  Wien

Wien,  11.  März.  Gestern  wurde  vor  d#-Wiener
  Garniconsgericht  ein  abermaliger  Spie
nageprozeß  abgeschiossen.  Angeklagt  war  de
Oberleuinant  des  4.  Husarenregiments  Am
Jacob  wegen  Verbrechens  der  Spionage  #
Kriegszeiten.  Er  wurde  zur  Kassation  und  z
1712  Jahren  schweren  verschärften  Kerkers  o#n
urteilt.  Jacob  wurde  bald  nach  der  Verhaftum
der  Brüder  Jandric  verhaftet,  nachdem  *#
gestellt  worden  war,  daß  der  frühere  russict
Militärattache  Zankiewitsch  seit  längerer  Ze
mit  ihm  in  Verbindung  gestanden  und  ihn  *
derholt  in  seiner  Wohnung  besucht  Datle.  X
Haussuchung  ergab  so  belastendes  Material
daß  Jacob  sofort  verhaftet  wurde.

Marktberichte.

Rosenheim,  12.  März.  Biktualicn'
markt.  Auf  dem  heutigen  Markte  haber
die  Preise  nur  geringe  NAenderungen  erfahre
Es  koslteten:  Eier  13  19  Stück  1  Mk.,  But:
1  Pfund  7.20  Mk.,  Schmalz  1.20  Mk.,  52
Paar  junge  Tauben  90  Peg.  bis  1  M.
ein  altes  Huhn  1.50  —2.00  Mk.,  Aepfel  7  und:
Stück  20  Pig.,  Orangen  4  und  5  Stück2
Psg.,  Zitronen  5  Stück  20  Pig.,  Karviol  1
bis  25  Pfg.

heimer  Schramne  vom  12.  Mär

 

 

 

 

100  71
Saathaber  8  4.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wetterbericht
für  Freitag  den  13.  März  1914.
Wesiliche  Winde,  heiter  oder  wechselnde  B
wölkung,  etwas  wärmer,  keine  nennenswert,
iederchlage.