Die Diskontpolitil. 175
als auch der November nicht den unbedingt erforderlichen Rückfluß brachte, mußte der
Diskontsatz am 9. November auf 5½) am 19. November auf 6 Prozent erhöht werden.
Gleichwohl war die Anspannung der Bank am Jahresschluß noch etwas stärker als
am Ende des dritten Quartals.
Der Marktdiskont folgte im allgemeinen den Diskontsätzen der Reichsbank. Am
19. und 20. Dezember stieg er auf 5 5/8 Prozent.
Das Jahr 1899 brachte eine starke Juspitzung der bisherigen Entwickelung. Die
Preissteigerung der industriellen Roh- und Hilfsstoffe, die Gründungsthätigkeit und die
Spekulation in industriellen Werthen machten im Inland wie im Ausland außerordentliche
Fortschritte. Die Anspannung des Geld- und Kapitalmarkts verschärfte sich
allenthalben und führte in weniger finanzkräftigen Ländern, wie in Rußland und den
Balkanstaaten, zu ernsten Krisen.
In Deutschland trat nach der großen Anspannung am Jahresschluß die regelmäßige
Erleichterung nicht in vollem Umfang ein. Die steigende Geldnachfrage und die
Knappheit der Mittel ließen den Marktdiskont im Januar und Februar kaum unter
4 Prozent sinken. Der Goldbestand blieb auch in der zweiten Februarhälfte um etwa
70 Millionen Mark niedriger, die Anlage um etwa 50 Millionen, der ungedeckte Notenumlauf
um nahezu 100 Millionen Mark höher als im Vorjahre.
Die Bankleitung konnte deshalb nur zögernd und schrittweise mit einer Ermäßi.
gung ihres hohen Diskontsatzes vorgehen. Erst am 9. Mai kam sie auf 4 Prozent an.
Mitte Juni war jedoch die Anlage der Bank um mehr als 90 Millionen Mark höher
als im Vorjahr, und da die Spannung gegenüber dem Vorjahr im rapiden Wachsen
begriffen war, erwies sich bereits am 19. Juni eine Diskonterhöhung auf 4½ Prozent
als nothwendig.
In jener Zeit begann die Bank von England die größten Anstrengungen zu einer
Stärkung ihrer stark zusammengeschmolzenen Goldreserve zu machen. Eine Versammlung
von Vertretern der Privatbanken hatte ihre Unzufriedenheit mit dem niedrigen Stande
des Metallbestandes der Bank von England ausgesprochen und mit der Begründung
einer von der Bank von England unabhängigen Goldreserve gedroht. Außerdem nöthigte
der bevorstehende Ausbruch des Transvaalkrieges die Bank, auf eine beträchtliche Stärkung
ihres Standes Vedacht zu nehmen. Die in Deutschland stehenden englischen Guthaben
wurden in verstärktem Maße zurückgezogen, die deutschen Wechselkurse auf London
erreichten Ende Juli und Anfang August den Goldpunkt und es begann Gold aus
Deutschland in erheblichen Beträgen abzufließen.
Die Reichsbank konnte in Anbetracht des bevorstehenden Herbstbedarfs den Goldabfluß
nicht ohne Gegenwehr sich vollziehen lassen und erhöhte am 7. August ihren
Der Diskont
im Jahre 1899.